Fleischrindertage 2021 – Online ein voller Erfolg! – 06. Februar 2021

Mal ganz anders, unsere 14. Süddeutschen Fleischrindertage jetzt am 6. Februar. Aufgrund der bekannten Rahmenbedingungen haben wir unseren Markt „digitalisiert“, d.h. alle Bullen wurden im Internet angeboten und via „Live-Stream“ verkauft. Alles Neuland für uns, niemand wusste genau, klappt das oder wird es ein Flopp. Aber, hurra, am Ende lief es viel besser als gedacht, ja sogar fast besser als jemals zuvor. Vorteil für alle: man konnte bequem zuhause sitzen, eine Woche lang Körergebnisse, Bilder und Videos aller Bullen studieren. Und wer wollte, der konnte sich zusätzlich vor Ort „seinen“ Favoriten auf den Betrieben ansehen. Einige nutzten diese Gelegenheit.

Im Vorfeld der Online-Auktion war viel zusätzliche Organisation notwendig: statt turnusgemäß in der Rezathalle in Ansbach, nun Körungen der fast 70 Bullen auf 31 Zuchtbetrieben in ganz Süddeutschland. Alles ca. drei Wochen vorab, inkl. Erstellung werbewirksamer Fotos und Videos, und das bei echtem Winterwetter! Das war echtes Neuland für uns, aber wir gingen es hochmotiviert mit zwei Körkommissionen plus Fotograf, respektive Kameramann/-frau an: der bayerische Zuchtleiter Konrad Wagner fuhr mit unserem Limousinzüchter Steffen Heer aus Ottenbach (Göppingen) insgesamt vier Tage auf 15 Betrieben in beiden Bundesländern alle Charolais- und Limousinbullen sowie die meisten Simmental und einen Pinzgauer ab, unterstützt dabei von Astrid Roswag (FVB) als Verantwortliche für das Bildmaterial.

Unser Zuchtleiter für Baden-Württemberg, Dr. Thomas Schmidt, körte gemeinsam mit Heinrich Bauersachs aus Mitwitz (Oberfranken) auf 16 Betrieben in Bayern und BW insgesamt 35 Bullen: alle Angus sowie je einen Pinzgauer und Fleckvieh/Simmental. Dabei legte seine Körkommission in drei Tagen bei Schnee und Eis fast 1700 km zurückgelegt, von Heidelberg über Franken und dem Südrand des Fichtelgebirges bis in den Raum München. Dieter Kraft als unser Kameramann nutzte dabei jede Tageslichtminute, abends halfen Scheinwerfer, manchmal streikten jedoch die Gaslampen. Bullen gingen auch schon mal alleine spazieren, Glatteis auf den Höfen ließ uns die Präsentation auf die Straße verlegen, Waagen versagten, usw. Egal, am Ende hatten wir viele tolle Bullen gekört und in Fotos und Videos dargestellt, alles für den richtigen Eindruck beim Interessenten, alles für die Chance auf Vermarktung trotz Corona-Restriktionen. Immerhin konnten wir so auch viele tolle Züchterfamilien in ganz Süddeutschland kennenlernen, überall wurden wir herzlich empfangen und unterstützt, leider war nur die Zeit immer zu knapp.

Am Freitag, 5. Februar, 10 Uhr startete das sogenannte „Warm Up“, die verbliebenen 65 Bullen waren im Netz eingestellt, es konnte bereits geboten werden. Am Samstag begann pünktlich um 11:00 Uhr die heiße Phase mit Live-Versteigerung im Studio bei Live-Sales in Wettringen an der holländischen Grenze; bis dahin hatte sich im Netz noch gar nicht viel getan. Doch dann, mit dem Start der Übertragung, ging es richtig gut los: als Konrad Wagner statt in Ansbach nun „online“ alle Besucher und Kaufinteressenten begrüßte, da waren hunderte bereits „online“ dabei.

Versteigert wurde nach Katalog-Nr., denn mangels perfekter Vergleichbarkeit aller Bullen an einem Ort wurde auf die Auslobung von Körsiegern, etc. verzichtet. Dr. Schmidt stellte die von ihm gekörten und im Rennen verbliebenen 31 Angusbullen mit präzisen Hintergrundinfos gekonnt in Szene, dann startete Dr. Josef Dissen – Zuchtleiter und erfahrener Auktionator des Fleischrinderherdbuches Bonn – sein kunstvolles Werk; er ist immer in der Lage, jeden Bullen passend zu kommentieren und auf amüsante Art an den Mann oder die Frau zu bringen. Herzlichen Dank für seine tolle Unterstützung! Die Vorstellung der Rassen Charolais, Fleckvieh-Fleisch (Simmental), Limousin und Pinzgauer übernahm dann Konrad Wagner ebenso fundiert, kannte der doch von seinen vier Tagen Körungen nahezu jeden dieser Bullen ebenfalls persönlich.

Angus startete gleich verheißungsvoll, der erste – ein schwarzer BIO-Bulle von Hertfelders mit RZF 113 und interessantem Pedigree – ging für 3100,- € zu einem fast benachbarten Zuchtbetrieb in Hohenlohe. Beim zweiten entbrannte das erste von vielen Bieterduellen, dieser schwarze, 8-7-8 gekörte BIO-Bulle von Rainer Bauereiß aus Colmberg (Bay.) interessierte viele mit tollen Typ und RZF 118, für 5000 € darf er jetzt im Schwarzwald decken. Teuerster Angus wurde der 8-8-8 gekörte schwarze DM-Tiger-Sohn aus einer Red-Label-Tochter, ein schicker Allround-Vererber aus dem Betrieb Markus Lindner in Hohenlohe, erst bei 5100 € wurde er in die Schweiz zugeschlagen.

Ein schwarzer BIO-Bulle von Heinrich Bauersachs ging für 4400 € nach Schleswig-Holstein, ein roter BIO-Bulle von Fam. Winhart für 4300 € nach Hessen. Ein sehr eleganter, harmonischer Roter von Fam. Knaus in Bad Berneck (Oberfranken), 8-8-7 gekört und mit besten Zuchtwerten, war der Besamungsstation Neustadt/Aisch 4000 € wert, diese Genetik ist somit bald für viele zu haben! Aber auch für 2100 € wurden schon sehr gute Bullen verkauft, für jeden war wirklich was dabei, wobei die 13 BIO-Bullen im Mittel rund 550 € mehr erzielten. Insgesamt hatten wir bei Angus 44 verschiedene Bieter für die komplett verkauften 31 Bullen.

Bei Charolais gab es leider nur 3 Bieter für 7 Bullen, somit kein Wunder, dass 3 ohne Gebot und die Preise hinter den Erwartungen zurückblieben. Zwei konnten in die Schweiz zugeschlagen werden, einer wurde noch direkt danach verkauft.

Auch bei Fleckvieh-Fleisch hätte es ein wenig mehr Bieter für diese 5 guten Jungbullen geben dürfen. Letztlich wurden aber alle zugeschlagen, davon je einer nach Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und in die Schweiz.

Anders bei Limousin: hier boten insgesamt 51 Interessenten auf 20 sehr gute Jungbullen. Ergebnis sind die höchsten Durchschnittspreise aller Rassen und das beste Verkaufsergebnis Limousin in Süddeutschland aller Zeiten. Trotzdem waren auch hier schöne Bullen bereits ab 2200 € zu haben. Hervorstechend jedoch der Teuerste, ein 8-8-8 gekörter, reinerbig hornloser Lucas-Sohn von Tobias Stallmann in Lehrberg (Mittelfranken), der einem Schweizer Züchter 6000 € wert war. Top RZF von 111 sowie mit fast 1600 g Tageszunahmen die höchsten aller Auktionsbullen dürften dafür Gründe sein. Ein weiterer PP-Bulle von Fam. Büttner aus Krombach (Unterfranken) mit RZF 112 und traumhaften Körnoten von 8-9-8 darf jetzt für 5800 € auf der Ostalb decken. Die besten Körnoten überhaupt wiesen mit jeweils 9-9-8 zwei Bullen von unseren Betrieben Lamparth (Altensteig) und Spieler (Eberhardzell) auf. Der Pp-Taifun-Sohn von Fam. Spieler deckt nun für 4400 € im bayerischen Schwaben, der gehörnte Romeo-Sohn von Andreas Lamparth für 3800 € auf der Zollernalb.

Sicher ein Verdienst der Online-Auktion: diesmal fanden auch unsere beiden züchterisch sehr interessanten, genetisch reinerbig hornlosen und gut herausgebrachten Jungbullen der Rasse Pinzgauer-Fleisch ihre Käufer. Der 8-8-7 gekörte Simpert von Martin Augustin hat nun einen glücklichen Käufer im Sauerland (NRW) gefunden, der gut jährige Gigant (8-7-8) von Fam. Leibold steht jetzt in Hohenlohe.

Das Gesamtergebnis der Online-Auktion überraschte uns alle sehr positiv: nahezu alle Bullen wurden verkauft. Es war ein guter Markt für Verkäufer und auch Käufer, denn noch nie konnte sich vorab mit genügend zeitlichem Vorlauf so gut zu den Tieren informiert werden. Die Statistik weist für einzelne exzellente Tiere entsprechend gute Preise aus; nicht überraschend, boten doch insgesamt 101 verschiedene registrierte Nutzer auf das Angebot von 65 Tieren, mehr als 400 Besucher waren insgesamt zur Auktion eingeloggt. 13 Bullen gingen in die Schweiz, 9 in sechs weitere Bundesländer, davon alleine 3 nach Hessen. Der mittlere Preis aller verkauften Bullen beträgt 3343 €, von 2100 bis 6000 €.

Besonderer Dank gebührt unserem Auktionator Dr. Josef Dissen, der die neue Herausforderung der Online-Auktion nach Jahrzehnten Erfahrung in der Hallenpräsenz hervorragend meisterte. Und natürlich ein herzlicher Dank an Astrid Roswag und insbesondere auch Dieter Kraft, die beide sehr engagiert für bestes Bildmaterial gesorgt und somit sehr zum Gelingen beigetragen haben! Wer weiß, ob, wann und wie wir wieder auf diese neuen Erfahrungen zählen dürfen oder müssen. Auf jeden Fall wird es kommendes Jahr unsere 15. Süddeutschen Fleischrindertage geben, Auktion ist geplant am 12. Februar 2022 in Ilshofen. Mal schauen, wie digital und/oder real wir da sein werden!

(Fotografen: Dieter Kraft, Astrid Roswag, Dr. Schmidt)


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