Ihr Partner rund ums Rind – fair und kompetent

Rinderunion Baden-Württemberg e.V.

Home|Aktuelles|News|Die Wälderrassen im Jahre 2017

Die Wälderrassen im Jahre 2017

Das ist die Miss St. Märgen, die Igrobtochter Fredrike. Sie wurde auch Altkuh- und Fundamentsiegerin. Konrad Hermann aus Gütenbach präsentiert sie stolz

Beide Rassen mit Verbandsschau

 

Bei den Kuh- und Betriebszahlen gab es wenig Änderungen: Wir haben 435 Vorderwälderbetriebe mit 7.576 Kühen und 236 Hinterwälderbetriebe mit 2.138 Kühen. Damit hat der durchschnittliche Vorderwälderbetrieb 17,4 Kühe und der durchschnittliche Hinterwälderbetrieb 9 Kühe. 19,6 % der Kühe sind bei den Vorderwäldern Mutterkühe und bei den Hinterwäldern sind es 81,3 %. Hinterwälder werden im Regelfall auch in der Mutterkuhhaltung in Reinzucht gehalten, bei den Vorderwäldern wird überwiegend mit einem Fleischrinderbullen gekreuzt.

 

Die Milchleistung war bei beiden Rassen rückläufig. Die Vorderwälderkuh gab 5.143 kg Milchmenge bei gutem Fett- und Eiweißgehalt, die Hinterwälderkuh 2.813 kg bei 3,42 % Eiweiß. Der berechnete genetische Trend allerdings ist bei den Vorderwäldern positiv gerichtet und bei den Hinterwäldern gleich. Damit ist belegt, dass Umweltfaktoren wie Trockenheit und schlechtes Winterfutter 2017 die Rückgangsursache sind. Die FAKT- Maßnahme der Förderung gekörter Bullen hat sein Ziel der Inzuchtvermeidung nach wie vor erreicht. 73 Hinterwälderbullen aus neun Linien wurden gekört, nochmals neun mehr als im Vorjahr.

 

Erfreulicher Weise konnte der Fockeralsohn Fockernap, Reservesieger der Schau 2017 in die Besamung genommen werden. Bei den Vorderwäldern wurden 102 Zuchtbullen auch aus 9 Linien je zur Hälfte auf Märkten und ab Stall gekört. Von diesen waren 26 genetisch hornlos. Leider konnten nur drei Testbullen aus zwei Linien ausgewählt werden. Einer davon ist der erste reinerbig hornlose Igragar PP, ein Igfex P Sohn aus einer Radmark P Mutter. Dagegen gelangten mit Igguss und Radraul Mitte des Jahres zwei neue Bullen in den Zweiteinsatz. Die starken P-Bullen Pirbrachy und Piraldo wurden aus der Besamung genommen, da sie Anlageträger des Erbfehlers „haut und haarlos“ sind.

 

Führende Rassen im Biobereich

 

Bei den Wälderrassen gibt es viele Biobetriebe. Jede dritte Wäldermilchkuh wird in biologischer Wirtschaftsweise gehalten. Bei den Hauptrassen ist der Anteil viel geringer, zum Beispiel bei Fleckvieh sind es 11 % Biokühe. Klar, der Schwarzwald als Grünlandstandort ist natürlich auch prädestiniert dafür. Die Milchleistung dieser Wälderbiobetriebe unterscheidet sich nur minimal von allen Wälderbetrieben.

 

Maße und Gewichte sind mit entscheidend für die Rassen

 

Die Besonderheit der beiden Rassen sind ihre Maße und Gewichte, die sie befähigen, die Schwarzwaldhänge zu beweiden. 51 Vorderwälderkühe der Verbandsschau 2017 in St. Märgen kamen auf 139,6 cm im Widerrist und auf 626 kg Gewicht. Damit wird das Zuchtziel mit 138 cm Widerrist etwas überschritten, wohingegen das Gewicht in der Spanne von 550 bis 650 kg Gewicht bei ausgewachsenen Kühen liegt. 70 Hinterwäldermilchkühe der Schau 2017 maßen 122,2 cm im Widerrist und wogen 451,6 kg Gewicht. Damit liegen sie etwas etwas über dem Zuchtziel. Aber auf jeden Fall nicht gravierend, so dass nach wie vor die Weidetauglichkeit gewährleistet ist.

 

Langlebigkeit ist verankert

 

Die Hinterwälder sind in punkto Langlebigkeit, Fruchtbarkeit und Fundamentqualität Spitze im Rassenvergleich, im Zellgehalt liegen Sie am Ende der Rangierung. Mit 9,1 Jahren Abgangsalter liegen sie 3,5 Jahre über dem Mittelwert. Die Vorderwälder landen nach den Hinterwäldern auf dem zweiten Platz hinsichtlich Langlebigkeit, mehr als jede vierte Kuh steht in der fünften und weiteren Laktation, die anderen Rassen liegen zwischen jeder fünften und nur jeder achten Kuh. Der Zellgehalt der Vorderwälderkühe liegt mit 274.000 leicht über den Durchschnitt von 272.000 aller Kühe in Baden-Württemberg. 

 

Doppelnutzung wichtiger Punkt der beiden Rassen

 

Die Doppelnutzung ist bei beiden Rassen bedeutsam. Dies zeigt unter anderem die zunehmend bessere Bullenkälberqualität bei den Vorderwäldern auf den Donaueschinger Märkten. Die Rekordzahl von 936 Bullenkälbern wurde in Donaueschingen vermarktet. Die Selektion gut bemuskelter Test- und Deckbullen macht sich bezahlt. Vermarktungszahlen über die EZG „Junge Weiderind“ über fünf Jahre zeigen, dass 24 Absetzer vom Betrieb Familie Dorer in Schollach die geforderte Handelsklasse R und die günstige Fettstufe 2 bei 259 kg Schlachtgewicht erzielten. Es zeigt, dass auch in der Reinzucht in der Mutterkuhhaltung erfolgreich gewirtschaftet werden kann. Absetzerschlachtzahlen der Direktvermarkterin Adeline Stadtmüller aus Kraichtal-Neuenbürg belegen die Frohwüchsigkeit und den tollen Fleischansatz der Hinterwälderrasse. Der letztjährige männliche Jahrgang kam mit 9 Monaten auf gute 159 kg Schlachtgewicht, genau richtig für die Direktvermarktung.

 

Erbfehler Epidermolysis bullosa bald verbannt

 

Der Rasseausschuss beschloss, nur noch Bullen in Besamung und Deckeinsatz zuzulassen, die über den seit 2016 vorhandenen Gentest keine Anlageträger sind. Damit wird der Erbfehler „unvollständige Haut- und Haarbildung“ Fachbegriff Epidermolysis bullosa bald aus der Vorderwälderrasse verbannt sein.

 

Zwei Verbandsschauen 2017

 

Zum ersten Mal wurde die Hinterwälder- und die Vorderwälderverbandsschau im gleichen Jahr abgehalten. Utzenfeld ist Austragungsort der Hinterwälder und St. Märgen der Vorderwälder. Beide zeigten einen guten Stand der Wälderrassen. Die Hinterwälder präsentieren sich an zwei Tagen, am ersten wurden Milchkühe und Zuchtbullen gezeigt, am zweiten Tag Siegertiere vom Vortag, Mutterkühe und die Jungzüchter. Neben den Tieren wurden in St. Märgen auch die Züchter der Zweiteinsatzbullen geehrt und die Jungzüchter hatten ihre helle Freude. Zwei Nachzuchten der aktuellen Bullen Igguss und Radraul machten einen guten Eindruck. Nur bei den Wälderrassen sind noch Bullen zu sehen, fünf Hinterwälder- und drei Vorderwälderexemplare zeigten sich dem Publikum. 

Dr. Franz Maus - Zuchtleiter

Der Wartebulle Radgipa ein Radraulsohn aus einer Gipadatochter wurde Siegerbulle in St. Märgen. Mit Note 8 in der Bemuskelung konnte er punkten. Er ist im Besitz von Michael Müller aus Mühlenbach und stammt aus der Zucht von Klaus Riesle aus GütenbachDer Ronlabsohn Rouben gezüchtet und im Besitz  von Manfred Kuttler aus dem Kleinen Wiesental- Raich- Hohenegg wurde Siegerbulle in Utzenfeld. Er war ebenfalls sehr gut bemuskelt (Note 8) und für sein Alter von gut 2,5 Jahren bestens entwickeltDas ist die Miss St. Märgen, die Igrobtochter Fredrike. Sie wurde auch Altkuh- und Fundamentsiegerin. Konrad Hermann aus Gütenbach präsentiert sie stolzSpannend war die Titelvergabe „Miss Hinterwälder“. Die treffende dafür war bald gefunden, es ist die Napfocktochter Samia von Manfred Schelshorn aus Bernau. Sie lief in der Euterauswahl und war Reservealtkuhsiegerin sowie Mutter des Reservesiegerbullen und die typvollste HinterwäldermilchkuhGleich bewertet wie der Siegerbulle war der  Reservesieger Fockernap gezüchtet und vorgestellt von Manfred Schelshorn aus Bernau. 2 ¼ jährig war er etwas kleiner und kürzer als der Siegerbulle. Seine Mutter wurde Miss Hinterwälder. Er ist in der Zwischenzeit abgesamtDas ist einer der sehr guten Absetzer des Geburtsjahrgangs 2017: Über Fleischfülle braucht man nicht zu diskutieren. Und auch der Zuwachs war mit 630 g Nettozunahme im Spitzenbereich für HinterwälderBei den Mutterkühen mit Bullenkälbern siegte Andreas Preiser aus Lenzkirch mit der Agafocktochter Agathe. Sie hatte ein quelliges 41 Tage altes Nafradosbullenkalb mit 84 kg Gewicht und 1.439 g tägliche Zunahmen bei Fuß, das mit 8 in der Bemuskelung benotet werden konnte. Agathe hat bereits zehnmal abgekalbt und wurde auch Siegerin in der Kategorie langlebigste MutterkuhDiese drei Iggusstöchter aus dem Schaukontingent wussten vor allem im Euter und mit mittleren Maßen zu gefallenIgragar PP ist der erste reinerbig hornlose Testbulle der Vorderwäldergeschichte. Der harmonische Bulle stammt aus der Zucht von Josef Nopper aus Gutach-OberspitzenbachDieses Olefelkbullenkalb mit 114 kg  brachte auf dem Maimarkt 2017 390 €. Züchter Roland Storz aus St. Georgen-Peterzell freute sich über diesen Beleg der guten VorderwälderkälberDamaris, die Fleischsiegerin der St. Märgener Schau, ist eine von etwa 200 Bul-lenmütter der Rasse Vorderwälder. Mit Ihnen werden über die gezielte Anpaarung die vorhandenen sechs Linien im Bullenbestand weiterentwickelt. Felix Schätzle aus Todt-nau- Präg führt die Piraldotochter aus der Zucht der Breiteckhof GbR in GütenbachTolle vier Kühe waren von Radraul zu sehen. Nr. 5 und 18 sind erste und zweite beim Jungkuhsieg geworden, Nr. 8 Reservefleischsiegerin