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Die Hinterwälderbullenlinien

Stark in der Fleischnutzung ist Arida, er ist 1997 geboren

Vor fünf Jahren entstand der erste Beitrag zu diesem Thema. Bei einer Durchsicht fiel auf, dass es doch einige Änderungen in diesem Zeitraum gab. Diese sind in der zweiten Version über die Hinterwälderbullenlinien eingearbeitet worden. Natürlich wurde auch das Bildermaterial erweitert und aktualisiert.

 

Es gibt elf Bullenlinien bei den Hinterwäldern, die eine gute Situation für die genetische Vielfalt der Rasse bedeuten. Grundlage dafür ist die Samengewinnung von Natursprungbullen in den 70 er und 80 er Jahren auf den Höfen durch die damalige Besamungsstation Freiburg. Nachdem dies aus hygienischen Gründen nicht mehr zulässig war, wurden die ausgewählten Bullen nach der Natursprungphase zur Samengewinnung in die Besamungsstation Herbertingen verbracht. Bei etlichen Linien war der Ausgangspunkt die gezielte Anpaarung guter Kühe mit den Samenvorräten der Bullen aus den 70 er und 80 er Jahren. Im Regelfall wurde der beste Sohn nach dem zumeist zweijährigen Deckeinsatz abgesamt. Es hat sich gezeigt, dass es ohne Samenvorräte schwierig ist, die Linienvielfalt aufrecht zu erhalten.

 

Vier Linien gehen auf Vorderwälder zurück

 

Dabei stammen vier Linien aus der Linienerweiterung mit kleinrahmigen VW- Bullen, nämlich die N- und S- Linie Anfang der 1970 er und die A- und B- Linie Anfang der 1980 er Jahre. Gründer der A- Linie ist Arber und der B- Linie Belt, die beide 25 % Ayrshire- und 75 % Vorderwäldergenanteile haben. Die N- und S- Linie entstammen reinen Vorderwälderlinien. Ayreshire wurde damals bei Fleckvieh aber auch bei Vorderwäldern zur Leistungssteigerung und Euterverbesserung eingesetzt. Durch den späten Einsatz sind die aktuellen Besamungsbullen Arida erst die fünfte und Arinax P die siebte Generation nach dem Linienbegründer Arber. Die B- Besamungsbullen Ben, Bennasch und Benforal sind in der vierten, in der sechsten und in der siebten Generation nach dem Linienbegründer Belt. Anders sieht es bei der N- Linie aus, die Besamungsbullen Napbär und Napfocki sind die elfte und zwölfte Generation nach dem Linienbegründer Nairobi. Weit weg sind auch die S- Bullen Siltben und Siltnax P als elfte und zwölfte Generation, Singler befindet sich in der sechsten Generation nach dem Linienbegründer Sild. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass eine fünfte Vorderwälderlinie, die E- Linie, nach wenigen Generationen ausstarb.

 

Franz ist der Vorfahr der sieben weiteren Linien

 

Jetzt kommen die sieben weiteren Linien. Hierfür ist Ausgangspunkt der Hinterwälderbulle mit Namen Franz. Sein genaues Lebensdatum konnte nicht eruiert werden. Aber, es gibt acht Generationen nach ihm wiederum einen Franz, der 1960 geboren ist. Daraus kann bei einem durchschnittlichen Generationsintervall von drei Jahren ein Wirken des Liniengründers zur Mitte der 1930 er Jahre ausgegangen werden. Im Laufe der Zeit bildeten sich acht Linien aus, die F 1 bis F 8 genannt wurden. Kurz vor dem 110 jährigen Jubiläum 1999 entschlossen sich die Zuchtverantwortlichen, den Linien neue Buchstaben zuzuordnen.

 

Die F 6- Linie behält das F bei. Die Besamungsbullen Fockeral und Fokler entstammen daraus. Als Ersatz für Fockeral konnten wir seinen Sohn Fockernap zur Samenentnahme schicken. Er war Schaureservesiegerbulle und seine Mutter Miss Hinterwälder auf der gleichen Schau anno 2017. F 4 ist leider seit 1972 ausgestorben. F 1 wurde in K umbenannt, einziger Vertreter ist der Besamungsbulle Fixer. Die F 2 beginnt mit H, mit Flimmer und Hummel gab es sehr gute Vertreter in der Besamung. Leider sind von beiden keine Samenvorräte mehr vorhanden. Eine Möglichkeit ist der Besamungseinsatz des Bullen Humbel, der vom Schönauer Markt in die Schweiz verkauft und dort abgesamt wurde. Gut sieht es bei der F 3 = L- Linie aus, die vier Besamungsbullen Fabel, Fabler, Fantast und Labflort sorgen dafür. Die F 5- Linie wurde in M umgetauft, der aus der Schweiz stammende Besamungsbulle Malak ist derzeit der einzige Vertreter.

 

Die F 7- Linie beginnt mit R. Hier ist es gelungen, den Schausiegerbullen von 2014, Ronlab, abzusamen und für die Doppelnutzung anzubieten. Die F 8 Linie fängt mit W an, Fäller war der einzige Linienvertreter in der Besamung. Aus der gezielten Anpaarung sind etwa ein Duzend Tiere entstanden, von denen einige als Bullen auf die Märkte 2015 gekommen sind. Der beste von Ihnen wurde in die Besamung genommen. Dies geschah im Jahre 2018 mit dem Bullen Walter.

 

Manchmal stießen diese Umbenennungen auf Kritik. Dadurch aber, dass mindestens elf, meistens jedoch deutlich mehr Generationen zwischen den Linien liegen, war es – auch der Namensgebung willen - sehr sinnvoll, neu zu beginnen.

 

Was können wir zu den Vererbungstendenzen sagen?

 

Soweit ein Überblick über die Herkunftslinien und ihren Vertretern in der Besamung. Was kann man zu den Vererbungstendenzen sagen? In der Besamungsempfehlung weisen wir als Doppelnutzungsbullen, das heißt für Milch- und Mutterkuhhaltung die Bullen Benforal, Fockernap, Labflort, Napfocki, Ronlab und Siltben aus. Die weiteren Bullen für die Mutterkuhhaltung heißen Arida, Bennasch, Napbär und Singler. Wenn genetisch hornlos interessiert, passen Arinax P und Siltnax P, die zur Hälfte genetisch hornlos vererben. Ein wichtiges Thema ist die Größenvererbung der Besamungsbullen. Dazu können wir sagen, dass Benforal, Fockernap, Labflort, Napfocki, Napbär und Ronlab eher mittelrahmiges Vieh bringen. Die anderen vererben etwas größer und schwerer. Einschränkend muss gesagt werden, dass eine Streuung in der Größe auch nach oben bei den sechs erwähnten Bullen vorkommen kann und die anderen Vertreter auch nach unten streuen können. Entscheidender ist, die Linienvielfalt am Leben zu erhalten.

 

Tipp an die Bullenhalter

 

Zu diesem Thema passt ein Hinweis an die Bullenhalter: Oft heißt es beispielsweise, ich hatte einen Bullen aus der S- Linie und kann doch diesen nicht mit einen anderen S- Bullen ersetzen. Vom Grundsatz her ist diese Ansicht gut. Allerdings ist es so, dass durch die schnelle Generationsfolge im Natursprung die Bullen der gleichen Linie so weit auseinanderliegen können, dass ein Einsatz unter Inzuchtgesichtspunkten meistens kein Problem darstellt. Aufgrund der geringen Inzuchtanfälligkeit des Rindes weiß man aus Erfahrung, dass die Paarungspartner den gleichen Großvater haben können. Wem das zu eng ist, nimmt eine Generation mehr Abstand, so dass der Urgroßvater gleich ist. Wenn andere Linien mit passender Genetik vorhanden sind, braucht man sich solche Gedanken nicht zu machen. Aber im anderen Fall. Und da sind wir gerne behilflich, auszuloten, was möglich ist und was nicht. 

Dr. Franz Maus

Stark in der Fleischnutzung ist Arida, er ist 1997 geboren
Über eine Ausmendelung kam das Hornlosgen in die Hinterwälderpopulation. Einer von zwei Besamungsbullen mit mischerbig hornloser Genetik ist Arinax P, Geburtsjahrgang 2010Vertreter der B- Linie ist Benforal. Ihn empfehlen wir für die Doppelnutzung. Er ist Jahrgang 2001Für Milch- und Mutterkuhhaltung wird Fockernap, Jahrgang 2015, empfohlen. Gut, dass wir diesen Ersatz für Fockeral gefunden haben. Die F 6- Linie behält den Buchstaben F beiAus der Linienauffrischung mit Fabler entstammt Labflort, geboren 2003. Auf L wurde die F 3- Linie umgetauftNapfocki, Jahrgang 2005, verkörpert schon die zwölfte Generation nach dem Linienbegründer, dem Vorderwälderbullen NairobiRonlab wird die F 7- Linie mit R als Anfangsbuchstaben weiterführen. Er ist Jahrgang 2011 und wird als Doppelnutzungsbulle angebotenWalter ist 2015 geboren und entstammt der Linienauffrischung mit Fäller aus der F 8- Linie