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Aktuelles zur Fleckvieh-Zuchtwertschätzung 04/2021

Hiroto HB427118

Single Step-Umstellung – Zuchtwertschätzung Fleckvieh

 

Mit der Einführung der Single Step-Methode wurde ein neues Zeitalter in der Geschichte der Zuchtwertschätzung eingeläutet. Gleichzeitig können nun alle Genotypisierungs- und Leistungsinformationen in einem System verarbeitet werden und erhöhen somit den Informationsgehalt, der sich hinter einem Zuchtwert verbirgt. Dieser Informationszugewinn basiert vor allem auf der Vielzahl der inzwischen typisierten weiblichen Tiere, die neben genomischer Information auch Leistungsinformationen beisteuern. Zudem wurden im Bereich der Zuchtwertschätzung Nutzungsdauer, der Fleischzuchtwertschätzung, beim Datenschnitt und bei der Basis Umstellungen durchgeführt.

 

Dies führt alles zusammen in der Summe zu deutlich höheren Sicherheiten. Die Umstellung von der Bullenbasis auf eine Kuhbasis zudem zu einer einmaligen Niveauverschiebung nach oben (26 Bullen liegen nun bei 140 und mehr). Für die Landwirte heißt dies aber erneut, dass man sich mit Umrangierungen befassen muss, die durch die neue Zuchtwertschätzung bedingt sind. Durch die Berücksichtigung der typisierten, weiblichen Tiere wird das relative Gewicht der jungen Bullen etwas erhöht, weshalb der erste nachkommengeprüfte Bulle erst auf Rang 200 erscheint. Allerdings belegt dies auch, dass in den vergangenen Jahren ein sehr großer Zuchtfortschritt erzielt werden konnte. Die Basisanpassung bei der aktuellen Zuchtwertschätzung machte 1,9 GZW-Punkte und 2,7 MW-Punkte aus, was in einer wesentlichen Veränderung von +112 kg Milch ihren Ausdruck findet.

 

Die Gesamtzuchtwertliste wird sehr stark von Herzschlag-Blut geprägt, so haben 3 der Top-Bullen Herzschlag als väterlichen Großvater. Zwei dieser Bullen, führen Hermelin als Vater. Höchster hornloser Bulle ist somit der Hermelin-Sohn Hamlet P (GZW 148), der auf eine Mahango-Tochter zurückgeht und überzeugende Gesundheitswerte erwarten lässt, gute Nutzungsdauer mit bester Melkbarkeit verspricht und zudem sehr komplett im Exterieur erscheint. Dicht gefolgt wird er von seinem Halbbruder Hiroto (GZW 144), der auf eine Miami-Tochter aus dem Betrieb Eckard Sperr, Bölgental zurückgeht. Er verspricht ebenso wie Hamlet P sehr viel Milch und wird überragende Euter hinterlassen (Euter 137). Hiroto wird wahrscheinlich ab Mai verfügbar sein. Auch die Hilfinger-Söhne Horazio PS (GZW 139) und Higgins (GZW 135) können deutlich zulegen. Hilfinger selbst startet mit den ersten 157 Töchtern bei GZW 126 und 119 im Euter, zudem konnte er schon überragende Typkühe vorstellen.

 

Mit GZW 141 gehört Erasmus auch weiterhin zu den besten Bullen der Rasse, sein Vollbruder Ephraim bestätigt sich bei GZW 137. Der Weitblick-Sohn Wonderland kann sich mit sehr hoher Milchmenge bei GZW 140 ebenso wie Holowitz (GZW 139) unter den Top-30 festigen. Ganz neue Genetik bringen die Bullen Wilko, IQ P, Hephaistos und Vredo, die allerdings erst im Mai erwartet werden. Zudem sind mit Wunderling (GZW 135) und Whiteboard (GZW 133) die ersten Söhne von Weissensee zu erwarten. Auch Zafon steigt auf GZW 135. Zudem laufen der Hayabusa-Sohn Hanomag (GZW 134) und der Hokuspokus-Sohn Holy (GZW 132) neu an und erweitern das Angebot als leistungsbereite Euterverbesserer.

 

Mit Esterhazy (GZW 134) kann die RBW zudem den ersten Exklusiv-Sohn anbieten, der auf eine Herzschlag-Mutter zurück geht und aktuell der höchste Euterverbesserer unter allen Exklusiv-Söhnen ist. Der Hercules-Sohn Hegel (GZW 134) geht auf eine Sisyphus-Mutter zurück und kann somit blutalternativ breiter genutzt werden. Auch der Sehrgut-Sohn Spartacus gehört zu den Gewinnern der Zuchtwertschätzung (RZG 139). Er war schon breit als Bullenvater und zur Verbesserung der Euter im Einsatz.

 

Das Spektrum der hornlosen Bullen hat sich mit der aktuellen Zuchtwertschätzung deutlich erweitern und auch im Niveau verbessern können. So konnten sich die bereits eingesetzten Bullen Zitrus P, Maui PP, Marquez P, Vasari P, Makeba P und Vikins P halten oder deutlich verbessern. Neue hornlose Bullen im Schwerpunktprogramm werden die Bullen Veritas PP und Marley PP, die das Spektrum der reinerbigen hornlosen Bullen somit erweitern. Zudem können mit Bullen wie Horazio PS und Marsch P zwei weitere hornlose Blutführungen genutzt werden, zumal Horazio PS das wertvolle Hilfinger-Blut in die Hornloszucht bringt.

 

Wie zu erwarten war, werden sich künftig die geprüften Bullen in der Konkurrenz zu den jungen genomischen Bullen immer schwerer tun. Mit Whatever (GZW 134) und Vollendet (GZW 134) sind die beiden höchsten geprüften Bullen recht unterschiedlich. Während Whatever die kalibrige Zweinutzungskuh und einen guten Fleischwert verspricht, wird Vollendet die feine Leistungskuh hinterlassen. Womba, der durchschnittliches Exterieur erwarten lässt, bestätigt sich bei GZW 127. Interessantester Neueinsteiger ist Hilfinger (RZG 126), der Hurly-Blut mit Wille kombiniert und Spitzenkühe produziert. Mit Everoy und Evungo starten zudem die ersten Evergreen Söhne mit guten Leistungen und passablem Exterieur. Auch die Mint-Söhne Miami und Mirolo heben sich deutlich von der großen Zahl an Brüdern ab. Bereits bekannte Bullen wie Orka, Villeroy, Dream und Royal bleiben interessant für den Einsatz.

 

In der Summe brachte die April-Zuchtwertschätzung viele Umwälzungen mit sich, dennoch war das Angebot an Spitzengenetik nie so groß wie aktuell, auch wenn sich bei allen Schwerpunktprogrammen deutliche Änderungen ergeben werden und somit neue Namen ins Gespräch kommen. Die Einführung der Single Step-Methode hat aber die Vorhersagegenauigkeit der Zuchtwerte deutlich erhöht und gibt nun auch bei jungen Bullen die Möglichkeit, deutlicher auf Gesundheitsmerkmale zu selektieren. Eine Vielzahl der Spitzenbullen ist zudem weiblich gesext verfügbar und kann somit zu einer schnelleren Entwicklung der Herden beitragen.

ErasmusHegel HB866073Hiroto HB427118