Ihr Partner rund ums Rind – fair und kompetent

Rinderunion Baden-Württemberg e.V.

Home|Aktuelles|News|100. Landwirtschaftliches Hauptfest in Stuttgart Bad Cannstatt - 200 Jahre Jubiläum

100. Landwirtschaftliches Hauptfest in Stuttgart Bad Cannstatt - 200 Jahre Jubiläum

Gefährdete Rassen

 

Das Jubiläums-Hauptfest vom 29.09. bis 07.10.2018 botden gefährdeten Rassen in Baden-Württemberg ein glänzendes Podium. Sie konnten sich bei sonnigem Herbstwetter in den Tierschauzelten, im Forum und im Reitstadion von ihren besten Seiten zeigen. An einem großzügigen Stand im Tierschauzelt hatte die GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.) zusammen mit der Züchtervereinigung Limpurger Rind e.V. wieder ihren Anlaufpunkt – beste Voraussetzungen für gute Kontakte und hervorragende Zusammenarbeit mit den Züchtern und Organisationen der gefährdeten Rassen. Die Tierhallen, die die ganze Bandbreite an Landwirtschaftlichen Nutztierrassen zeigte, war ein Publikumsmagnet für Alt und Jung.

 

Rückblick

 

Missernten und großen Hungersnöten waren die Folge des Vulkanausbruchs des Tambora 1815 in Indonesien, unter denen Württemberg besonders gelitten hatte. König Wilhelm I von Württemberg und seine Frau Katharina begründeten „zur Hebung der Landwirtschaft“ 1818 das Landwirtschaftsfest zu Cannstatt. Damit leitete er mit vielen weiteren Maßnahmen einen Wendepunkt in der Landwirtschaft ein. Bis in die jüngere Vergangenheit ging es darum, die neuesten Errungenschaften, Tiere und Technik den Landwirten nahe zu bringen. Bereits in den Anfangszeiten sollten Tierprämierungen den Landwirten ein wichtiges Signal geben, in welche Richtungen sie ihre Herden verbessern können. Die Tradition der Tierprämierungen auf dem Landwirtschaftlichen Hauptfest hält nur noch der Schafzuchtverband aufrecht.

 

Heute liegt der Schwerpunkt mehr auf dem Kontakt zur nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung - Landwirtschaft erleben - Stadt und Land müssen sich wieder näherkommen. Damals herrschte Not und Hunger - heute gibt es bei uns Überfluss und Vielfalt der verfügbaren Lebensmittel. Dies erfordert wieder eine höhere Wertschätzung für unsere Nahrungsmittel.

 

Im Forum im Tierschauzelt mit seinen knapp 300 Sitzplätzen und weiteren Stehplätzen gab es ein sehr abwechslungsreiches Programm, wie Sicherheit im Umgang mit Rindern, Schweinerassen, Schafschur und Melkvorführungen.

 

Täglich wurden hier die gefährdeten Schaf-, Ziegen-, Schweine- und Rinderrassen vor vollen Rängen vorgestellt. Alte Rassen, sogenannte Landrassen sind die genetischen Reserven für die Zukunft führte Dr. Hansjörg Wenzler bei der Vorstellung der Schaf- und Ziegenrassen aus, z.B. Bergschafe, Coburger Fuchsschafe, Schwarzwaldziege, Walliser Schwarzhalsziege.

 

Hinterwälder und Vorderwälder Rind, Braunvieh alter Zuchtrichtung und Limpurger Rind wurden vorgestellt von Dieter Kraft. Er hob die „In Wert-Setzung“ als Grundlage für die Stabilisierung und den langfristigen Erhalt dieser Rassen hervor. Die Schwäbisch-Hällischen Schweine und ihre Geschichte bildeten den Abschluss der Vorstellungen und ernteten - wie alle alten Rassen - viel Beifall.

 

Alte Geflügel- und süddeutsche Farbentauben, wie das Augsburger Huhn oder die Süddeutsche Mönchtaube wurden an mehreren Tagen im Forum vorgestellt von Martin Esterl und Wilhelm Bauer.

 

Die Höhepunkte waren die Jubiläumstierparaden an zwei Tagen im Reitstadion, wo ein Großteil der ausgestellten Tiere gemeinsam zu sehen waren - bei gutem Wetter, bester Stimmung und von den vollen Rängen gab es herzlichen Beifall.

 

Einen lebhaften Auftakt boten mehrere heutige Schweinerassen und eine alte Rasse, das Schwäbisch-Hällische Schwein. Sie bewegten sich munter durch die Arena. Die Jungsauen und die Eber zeigten viel Freude und Temperament – wurden aber von den Tierbetreuern bestens im Zaume gehalten.

 

Danach zog ein bunter Reigen an Schaf- und Ziegenrassen durch den Ring. Auf einem eisenbereiften Heuwagen, gezogen von einem Fleckvieh-Kuhgespann, saßen Kleintierzüchter und zeigten beispielhaft Kaninchen und Geflügel. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts fanden auch Kühe ihren Einsatz auch als Zugtiere. Nach den Milch- und Zweinutzungsrassen und den Fleischrindern hatten die gefährdeten Rinderrassen ihren Auftritt: Vorderwälder Milchkühe, Milch- und Mutterkühe vom Hinterwälder Rind, Limpurger Rind und dem Braunvieh alter Zuchtrichtung.

 

Zwei prächtige zwei- und vierjährige Limpurger Ochsen an der Hand vorgeführt erinnerten an ihre wichtige Rolle im 19. Jahrhundert – zum einen für die Zugarbeit, zum anderen für die hochwertige Fleischversorgung in den Städten. Bedeutend waren sie aber auch für das Einkommen der Landwirte in Württemberg, insbesondere in Hohenlohe, wo man sich auf die Mästung der Tiere auf das Trefflichste verstand. Heute knüpfen die Limpurger Züchter an diese Tradition an mit ihrer von der EU geschützten Ursprungsbezeichnung (g.U.) „Weideochse vom Limpurger Rind g.U.“.

 

Im Tierschauzelt waren die vier gefährdeten Rinderrassen aufgestallt - fünf Milchkühe und vier Mutterkühe mit ihren Kälbern: Vorder- und Hinterwälder, Braunvieh alter Zuchtrichtung sowie das Limpurger Rind. Tafeln mit einer kurzen Rassebeschreibungen waren jeweils bei den Tieren aufgehängt. Engagierte Züchter und Halter gaben bereitwillig Auskunft zu den vielen Fragen der Besucher. Ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

 

Die Pferderassen, vom kleinen Shetlandpony über das Arabische Vollblut und dem Schwarzwälder bis zum Süddeutschen Kaltblut, hatten ihre Auftritte vor allem im Reitstadion. Mit ihren Vorführungen – geritten, gefahren und freilaufend - brannten sie ein wahres Feuerwerk ab. Die „Gefährdete Rasse des Jahres 2018“, das Altwürttemberger Pferd wurde vielfach präsentiert: Im Pferde-Showprogramm ebenso wie als eigener Programmpunkt. Sie wurden geritten und vor allem auch ein- und mehrspännig gefahren vor Kutschen und verschiedenen Arbeitsgeräten.

 

Die Aussteller waren sehr zufrieden - mit 210.000 Besuchern wurden ihre Erwartungen bestens erfüllt. Großer Dank gilt allen Beschickern des Hauptfestes und den engagierten Tierbetreuern ebenso wie den Zuchtorganisationen, den Landesanstalten und dem Ministerium Ländlicher Raum. Ein starkes Engagement und die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten waren die Basis für ein gelungene Tierschau auf dem Hauptfest - wir freuen uns auf das nächste Landwirtschaftliche Hauptfest in vier Jahren.

Nach der Tierparade in der Abendsonne im Reitstadion: 
Links ist die Milchkuh Selina vom Hohrainhof der Justizvollzugsanstalt Heilbronn (an der Hand von Werner Bohn), in der Mitte die Mutterkuh Bibi mit ihrem Kalb Becky (vorgestellt von Martin Munz und Tochter Julia Munz), rechts die  Mutterkuh Walfrieda mit ihrem 5 Wochen alten Bullenkalb Waldi (Gerhard Vogel, Josef Holl)Limpurger Züchter Siegfried Idler und Werner Ehmann am Stand der GEH stellen das Programm „Weideochse vom Limpurger Rind g.U.“ (geschützte Ursprungsbezeichnung) vorDie gut zweieinhalb-jährige Hinterwälder Mutterkuh Trixi vom Betrieb Klaus Nittel aus Keltern mit dem gut halbjährigen Kuhkalb Tanne, vorgestellt von Hildegard Schelshorn und ihrer Tochter in schicker Tracht. Daneben die Vorderwälder Milchkuh Sarah vom Betrieb Klausmann aus St. Georgen, vorgestellt von Tierbetreuer Felix SchätzleLimpurger Ochsen - Historie: früher gemästet und in die Städte verkauft oder als Zugtiere genutzt, heute wieder aktuell als „Weideochse vom Limpurger Rind g.U.“, mit den beiden 27 und 42 Monate alten Ochsen von Klaus Frank, Gschwend-Wasserhof und Albrecht Schütt, Markgröningen-AicholzhofBaden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk im Gespräch mit Martin Schäfer vom Hohrainhof der JVA Heilbronn bei den Limpurgern im TierschauzeltBraunvieh alter Zuchtrichtung im Reitstadion: Sven Hermann aus Berglen mit seiner Mutterkuh Taiga und dem vier Wochen alten Bullenkalb Sigi sowie Rupprecht Vetter mit seiner achteinhalb Jahre alten Milchkuh BrendaDie Schwäbisch-Hällische Sau mit ihren quirligen Ferkeln durchwühlen den Boden im ForumBei der Tierparade im Reitstadion präsentiert Züchter Karlheinz Heck zwei Pommernschafe