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Vorder- und Hinterwälder im Jahre 2016

Radgipa ist einer der fünf Testbulle, ein Radraulsohn aus einer Gipadatochter. Pirmin Riesle aus Gütenbach stellte ihn vor seine Mitschüler und Lehrerinnen der Fachschulklasse aus Emmendingen- Hochburg. Sie informierten sich über das Marktgeschehen

Rassen mit den meisten Biobetrieben und den ältesten Kühen

 

Die beiden Regionalrassen Vorder- und Hinterwälder werden mit unterschiedlichen Anteilen in der Milch- und in der Mutterkuhhaltung gehalten. Insgesamt sind es knapp 10.000 Kühe in 692 Betrieben. Die Leistungsdifferenz beträgt 2.355 kg zugunsten der Vorderwälder. Die Gebietskulisse der beiden Rassen ist deutlich unterschiedlich.

 

Über 81 % der Hinterwälderkühe sind Mutterkühe, bei den Vorderwäldern nur knapp 20 %. Hinterwälder werden im Regelfall auch in der Mutterkuhhaltung in Reinzucht gehalten, bei den Vorderwäldern wird überwiegend mit einem Fleischrinderbullen gekreuzt. Die Faktmaßnahme der Förderung gekörter Bullen hat sein Ziel der Inzuchtvermeidung erreicht, bei den Hinterwäldern wurden 64 Bullen aus neun Linien gekört, nochmals vier mehr als im Vorjahr. Bei den Vorderwäldern waren es 80 Zuchtbullen.

 

Fünf Testbullen aus fünf Linien konnten denDonaueschinger Märkten ausgewählt werden. Mit Pigdian II gelangte Mitte des Jahres ein neuer Bulle in den Zweiteinsatz.

 

Führende Rassen im Biobereich

 

Bei den Wälderrassen gibt es viele Biobetriebe, 74 Vorder- und 11 Hinterwälderbetriebe. Fast jede dritte Wälderkuh wird in biologischer Wirtschaftsweise gehalten. Bei den Hauptrassen ist der Anteil viel geringer, zum Beispiel bei Fleckvieh ist jede zehnte eine Biokuh. Klar, Grünlandstandorte wie der Schwarzwald sind natürlich auch prädestiniert dafür. Die Milchleistung dieser Wälderbiobetriebe unterscheidet sich minimal von allen Wälderbetrieben, bei den Hauptrassen sind die Unterschiede wesentlich höher, von 18 % bis zu 38 %.

 

Maße und Gewichte sind entscheidend

 

Die Besonderheit der beiden Rassen sind ihre Maße und Gewichte, die sie befähigen, die Schwarzwaldhänge zu beweiden. Die Vorderwälderkühe der Raitenbucher Schau 2016 kamen auf 137,7 cm im Widerrist und 587 kg Gewicht. Damit bestätigt sich das Zuchtziel mit 138 cm Widerrist und 550 bis 650 kg Gewicht bei ausgewachsenen Kühen. Hinterwälder lagen 2014 im Gewicht etwas über dem Zuchtziel. Um die Feinknochigkeit der Hinterwälder zu dokumentieren wird bei den Körungen seit einigen Jahren der Röhrbeinumfang gemessen. 65 Bullen kamen auf 18,8 cm Umfang. Die Variation ist relativ gering.

 

Langlebigkeit ist verankert

 

Die Hinterwälder sind in punkto Langlebigkeit, Fruchtbarkeit und Fundamentqualität Spitze im Rassenvergleich, im Zellgehalt liegen Sie am Ende der Rangierung. Mit 8,0 Jahren Abgangsalter liegen sie 2,4 Jahre über dem Mittelwert. Die Vorderwälder landen nach den Hinterwäldern auf dem zweiten Platz hinsichtlich Langlebigkeit, mehr als jede vierte Kuh steht in der fünften und weiteren Laktation, die anderen Rassen liegen zwischen jeder fünften und nur jeder achten Kuh. Leider ist der Zellgehalt der Vörderwälderkühe mit 214.000 über den Durchschnitt aller Kühe in Baden-Württemberg von 208.000 gerutscht.

 

Rasse

Milchvieh

Mutterkuh

Milch- und Mutterkuh

Betriebe

HB-Kühe

Milchmenge

Betriebe

HB-Kühe

Betriebe

HB-Kühe

Vorderwälder

308

6.185

5.288

142

1.516

450

7.701

Hinterwälder

31

415

2.933

211

1.799

242

2.214

Summe

339

6.600

 -

353

3.315

692

9.915

 

Doppelnutzung wichtiger Punkt der beiden Rassen

 

Die Doppelnutzung ist bei beiden Rassen bedeutsam. Dies sieht man bei den Vorderwäldern an den Bullenkälbern. Deren Qualität hat sich durch die Selektion gut bemuskelter Test- und Deckbullen kontinuierlich verbessert. Aktuelle Vermarktungszahlen über die EZG „Junge Weiderind“ zeigen, dass alle Absetzer vom Betrieb Familie Dorer in Schollach die geforderte Handelsklasse R und die günstige Fettstufe 2 und einmal 1 erzielten.

 

Erbfehlertest seit Mai 2016 vorhanden

 

Die Vorderwälderrasse ist betroffen von einem Erbfehler, der unvollständigen Haut- und Haarbildung, Fachbegriff Epidermolysis bullosa. Die Kälber müssen leider notgetötet werden. Stammvater ist Sypland Officer, der 1951 als Ayrshirebulle geboren wurde und zur Linienerweiterung Ende der 1960 er Jahre als Bullenvater die B- Linie begründete. Eine erste Welle dieser Kälber wurde in den 1980 er Jahren geboren, dann war es ruhig. 2015 häuften sich die Fälle wieder. Grund war, dass der stark eingesetzte Piras Anlageträger ist und nun auch auf Mutterseite viele P- Abstammungen vorhanden sind. Denn zur Erbfehlerausbildung kommt es nur, wenn sowohl Vater wie auch Mutter Anlageträger sind und zwar mit einer ¼ Wahrscheinlichkeit. Anhand von Ohrstanzproben von Müttern, Erbfehlerkälbern und dem Sperma der Väter ist es an der TU München innerhalb von einem halben Jahr gelungen, einen Gentest zu entwickeln, mit dem Anlageträger erkannt werden können. In den Testeinsatz gelangen nur noch freie Tiere und die Bullenprüfstation wird ebenfalls nur noch mit freien Tieren beschickt. 

Dr. Franz Maus, Zuchtleiter

Radgipa ist einer der fünf Testbulle, ein Radraulsohn aus einer Gipadatochter. Pirmin Riesle aus Gütenbach stellte ihn vor seine Mitschüler und Lehrerinnen der Fachschulklasse aus Emmendingen- Hochburg. Sie informierten sich über das MarktgeschehenAlle vier Woche ist Wechsel und Wiegen auf der Station. Wenn´s passt ist Matthäus Weiss aus Schönwald mit Freude dabeiDie Qualität der VW- Bullenkälber auf den Donaueschinger Märkten ist richtig gut geworden. Hier ein vier Wochen altes Kalb aus der R- Linie, das bereits 81 kg wog und 270 € erzielte und von Bernd Blum aus Elzach- Oberprechtal stammteDies ist ein typischer Weidestandort für die Hinterwälderrasse. Es ist die Mutterkuhherde von Wolfgang Laile aus Wieden-UngendwiedenEiner der 36 verkauften Vorderwälderbullen in Donaueschingen, ein Ragossohn mit Züchter Hans-Georg Eble aus Glottertal-FöhrentalSehen Sie nicht toll entwickelt aus, die zwei Monate alten Kälber der Mutterkuhherde von Wolfgang Laile aus Wieden-Ungendwieden?Deli von der Jehle-Hermann GbR  wurde Eutersiegerin der Raitenbucher Schau. Wegen dieser Stärke wurde ihr Vater Pigdian II in die Besamung genommenMit 11 Jahren 10 mal abgekalbt, auch hier Langlebigkeit pur. Die Rovaltochter Susanna von Anton Rombach aus Stegen-Eschbach wurde Altkuhsiegerin. Sie wurde vorgestellt von Tochter Rebecca WeberMit 10 Abkalbungen wurde diese Igeltochter Lioba Fundamentsiegerin in Raitenbuch. Das ist gezeigte Langlebigkeit. Sie gehört der Brugger-Schäfer GbR in Lenzkirch-Saig und wurde von Anna Schäfer präsentiertAuch 2016 Besuch aus Louisiana/USA in Sachen Hinterwälder: David Acquistapace und Frau Jonica Mihoci bei der Herde von Heinrich Till (2. von rechts, rechts der neue Mitarbeiter Johannes Hohloch)Nach der Bewertung der Vorderwälderkühe von Joachim Dorer aus Furtwangen geht es rasch auf die WeideDer mitlaufende Bulle in der Herde ist keine Seltenheit bei der Wälderzucht, wie bei Günter Willmann in Vöhrenbach-UrachDie in der zweiten Jahreshälfte herrschende schlimme Trockenheit und Hitze hat der Milchleistung nicht gut getan. So sah es im September in Tennenbronn ausVorderwäldermutterkuhhaltung in Reinzucht befindet sich in der Minderheit gegenüber denen, die einen Limousinbullen einsetzen. Bei Einsatz gut bemuskelter Vorderwälderbullen ist er Erfolg aber auch da. Diese Herde gehört zu Maria Luise Wetzel in Fröhnd-IttenschwandUlriko PP ist der erste reinerbig hornlose Bulle der Zuchtgeschichte. Irola PS ist sein Vater eine Radmark P Tochter die Mutter. Konrad Herman aus Gütenbach bor ihn an, Manfred Knörle aus Unterkirnach ersteigerte ihnEin schönes Gespann, die Hinterwäldermutterkuh mit Bullenkalb aus der Herde von Paul Franck aus Kraichtal-NeuenbürgDies ist der Spitzenbulle des Herbstmarktes 2016 für Hinterwälder in Schönau, Ronflort, ein R- Linienbulle aus einer langlebigen Labflorttochter. Er stammt von Hubert Schätzle aus Todtnau- Präg, auf dem Foto von links sind zu sehen Felix Schätzle, Bullenhalter Emil Pfefferle aus Münstertal und Janis Bloh, Praktikant beim Landwirtschaftsamt DonaueschingenDer Bulle Walter sorgt für Blutauffrischung in der Hinterwälderzucht. Er ist ein Sohn von Fäller und das Ergebnis der gezielten Anpaarung. Armin Roser aus Müllheim- Muggardt bot ihn an, Hubert Schätzle (rechts) wurde beim Markt im April 2016 neuer Besitzer und wenn alles glatt läuft, geht er 2018 in die Besamung. Geführt wird Walter von Adrian Roser