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Europäische Preisrichter in Baden-Württemberg

Europäisches Braunvieh-Klassifizierertreffen in Biberach

 

Am 10. und 11. März trafen sich 30 Klassifizierer und Preisrichter aus allen wichtigen europäischen Braunviehzuchtregionen zur Weiterbildung in den Bereichen Klassifizierung, lineare Beschreibung und Preisrichten. Christoph Nieberle, Frankenried konnte als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutsches Braunvieh in Biberach Vertreter aus der Schweiz, Österreich, Frankreich, Italien, Slowenien und Deutschland begrüssen. Am ersten Tag stand die Harmonisierung der Linearen Beschreibung im Mittelpunkt. Hierzu stellte die Laur GbR, Laupheim ihren Betrieb und Tiere zur Verfügung. Die Laur GbR bewirtschaftet einen Betrieb mit aktuell 215 Braunviehkühen sowie 8260 kg Milch Stalldurchschnitt und konnte die sehr interessierten ausländischen Besucher durch klare Vorstellungen in Management und Produktion in ihrem neuen Stall beeindrucken. Gleichzeitig stellten die drei Betriebsleiter heraus, dass gerade die Braunviehkuh mit der sicheren Eiweißleistung und ihrem robusten Fundament die passende Kuh für wachsende Betriebe darstellt.

 

Stefan Hodel aus der Schweiz übernahm in gekonnter Weise die Moderation als Chefklassifizierer und betonte die Bedeutung der einheitlichen Beschreibung der Tiere. Erfreulicher Weise waren die Differenzen in den einzelnen Merkmalen sehr gering und belegten die Verlässlichkeit der Exterieurbeschreibung in den einzelnen Ländern. Obwohl die einzelnen Länder unterschiedliche Notenvorschlagsprogramme verwenden und zudem mit unterschiedlichen Durchschnittswerten arbeiten, kamen gleiche Rangierungen und vergleichbare Endnoten heraus. Bei dieser Gelegenheit wurde zudem ausführlich diskutiert, ob es für Österreich und Deutschland vorstellbar ist, vom Mittel 75 bei Jungkühen auf 80 zu gehen, wie dies in den anderen europäischen Ländern üblich ist.

 

Im theoretischen Teil der Veranstaltung hatte Dr. Krogmeier vom ITZ der LfL Grub die Gelegenheit, den seit 2013 in der deutsch-österreichischen Braunviehzucht verwendeten Brownscore als Notenvorschlagsprogramm zu erläutern. Dabei betonte er, dass der Brownscore sehr stark in seiner Gewichtung an der Nutzungsdauer orientiert ist und deshalb besonders die hierfür wichtigen Merkmale wie Hinterbeinwinkelung und Klauen sowie Euterboden und Zentralband von besonderer Bedeutung sind.

 

Am zweiten Tag stand die Reihung und Kommentierung der Tiere im Rahmen des Preisrichterworkshops im Vordergrund. Dabei wurden den Preisrichtern 5 Tiergruppen mit jeweils 5 Tieren vorgestellt. Diese mussten gereiht werden und wurden dann im Anschluß unter dem kritischen Auge der Kollegen von 2 Preisrichtern in Folge kommentiert. Auch hier legte Stefan Hodel besonderen Wert darauf, dass als Ziel eine möglichst einheitliche Reihung das Ergebnis der Schulung sein müsse. Besonders in der Spitze und am Ende einer jeden Reihung dürfe es keine Zweifel geben. Auch hier gab es in den Klassen eine weitgehend hohe Übereinstimmung, was bedeutet, dass von den anwesenden Preisrichtern zu erwarten ist, dass diese Richter auf einer großen Schau jeweils die gleichen Kühe an die Spitze gesetzt hätten. Zudem konnte Stefan Hodel auch interessante Einblicke in die Schwerpunkte der Kommentierung vermitteln. Indem er die Schwerpunkte „Wahrhaft und konkret“ in den Vordergrund stellte, sprach er sich für kurze und präzise, positive Kommentierung der Klassen aus.

 

Den besonderen Rahmen für diese Veranstaltung bot die Albinger GbR, Winterreute, die aktuell 205 Kühe im Biobetrieb hält und mit 8655 kg Stalldurchschnitt ein sehr ansprechendes Herdenniveau zeigt. Da der Betrieb auch als Schaubeschicker bekannt ist, konnten die auf seinem Betrieb ausgewählte Rinder- und Kuhgruppen auch ein sehr hohes Niveau der heimischen Braunviehzucht dokumentieren. Besonders der neue Stall mit seiner sehr großzügig angelegten Liegehalle begeisterte zudem die Besucher.

 

In der Summe war die zweitägige Veranstaltung eine sehr runde und gelungene Sache. Besonders der Einsatz und die Bereitschaft der beiden Betriebe machte es leicht, die deutsche und heimische Braunviehzucht als zukunftsfähiges Modell den internationalen Besuchern zu bestätigen. Ein besonderer Dank geht deshalb an die Familien Laur und Albinger, die dies möglich gemacht haben, sowie die Jungzüchter aus Baden-Württemberg, die die Umsetzung unterstützt haben.