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Erfolgreich mit Fleischrindern im Nordschwarzwald

Mittelrahmige, behornte Limousin weiden bei Bernd Müller auf den steilen Schwarzwaldhängen

Nach 2013 in Herrenberg und 2015 in Hohenlohe trafen sich alle Fleischrinder-Interessenten aus Baden-Württemberg – egal welcher Rasse – diesmal im Nordschwarzwald. Fünf Betriebe wurden am 7. und 8. Juli besucht, von der Ortenau bis Baden-Baden. Und wieder war die Resonanz sehr gut, hier bewährt sich die Möglichkeit, auf jedem Betrieb auch ohne Voranmeldung dabei sein zu können. Organisiert wird dieses Treffen im zweijährigen Turnus durch die Rinderunion Baden-Württemberg (RBW) und das Landwirtschaftliche Zentrum in Aulendorf (LAZBW).

 

Erstes Ziel am Freitagnachmittag war bei typischer Juli-Hitze der Peterhof der Familie Wälde in Gutach (Schwarzwaldbahn), der seit 500 Jahren im Familienbesitz Vieh- und Holzwirtschaft betreibt. Hier wurde Angus-Historie geschrieben, war doch Senior Hans Wälde Anfang der 1960er Jahre ein Pionier der Fleischrinderzucht, gegen die Widerstände lokaler Behörden und Metzgereien, die dem Fleisch der komischen schwarzen Tiere nicht recht trauten. Doch vorausschauend erkannte er für den Schwarzwald die sinnvolle Kombination von Waldwirtschaft mit Mutterkühen und Fremdenzimmern. Ein piekfeiner Betrieb mit tollen Kühen, eigenem Schlacht- und Zerlegeraum sowie Ferienwohnungen wurde uns von Jürgen Wälde mit Ehefrau Melanie und Vater Peter präsentiert. Die Direktvermarktung der Absetzer als Jungrindfleisch spart Futterzukauf und auch der Platzbedarf für die 30 Mutterkühe wird dadurch im neuen Stall im Winter wird verringert. Starken Eindruck hinterließ die älteste Kuh, topfit und mit schönem Absetzer bei Fuß, ihrem 15. Kalb bei 16 Lebensjahren.

 

Zum Schwarzwald gehört das Wäldervieh, so war es eine angenehme Pflicht, auch einen Vorderwälder-Betrieb zu besuchen. Der Hof von Familie Moser in Biberach – Prinzbach wird schon schon seit Jahrzehnten im Nebenerwerb geführt, zunächst von Vater Oskar in Doppelnutzung, seit wenigen Jahren als Mutterkuhbetrieb, ab 2017 geleitet von Sohn Philipp. Und dass Vorderwälder-Kühe Milch haben, konnte man den super entwickelten Kälbern ansehen. Bewußt wird hier auf die bei Wäldern verbreitete Kreuzung mit Limousin verzichtet, was Zucht und Haltung vereinfacht ohne allzuviel Fleisch zu verlieren. Sehenswert auch die umfangreichen Umbaumaßnahmen im alten Stall für die noch überschaubare Herde von 10 Kühen mit Deckbulle und Nachzucht.

 

Recht mondän aber trotzdem gemütlich ging es am Abend im Schwarzwaldhotel in Gengenbach zu. Zum Glück hatten die Zimmer Klimaanlage, auch das Schwimmbad des Hotels wurde nach so einem heißen Tag rege genutzt. Als erster Referent berichtete Zuchtleiter Dr. Schmidt über die aktuelle Situation der Fleischrinderzucht in Baden-Württemberg. Mit gut 60.000 Mutterkühen ist der Gesamtbestand in der Fleischrinderhaltung leicht abnehmend, bei stabilen Zahlen in der Herdbuchzucht mit knapp 3.300 Kühen über 20 Rassen verteilt, wobei Limousin, Angus und Charolais bereits 60 % ausmachen. Hauptabnehmer im Export waren in 2016 Rumänien, Spanien und Bulgarien, wobei Angus meistgefragt war. Auf den heimischen Märkten stehen knapp stabilen Absatzzahlen sehr gute Preise gegenüber.

 

Auf erwartet lebhaftes Interesse stieß der Vortrag von Dr. Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg, der mit seinen Kolleginnen und Kollegen das Wolfsmonitoring durchführt. Damit ist er der bestinformierte Ansprechpartner, wenn es um diesen neuen Mitbewohner unseres Ländle und Neuinteressenten für unsere Mutterkühe und deren Kälber geht. Sehr fundiert und bestinformiert stellt Dr. Herdtfelder die dynamische Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland und unseren Nachbarländern Frankreich und der Schweiz seit dem Jahre 2000 dar. Erste Einzeltiere wurden ja auch in Baden-Württemberg bereits gesichtet, wobei der ganz aktuell im Schluchsee aufgefundene Jungwolf aus der niedersächsischen Population zugewandert ist, während zwei vorher überfahrene Tiere aus der Schweiz stammten. Aktuell ist noch nicht mit nennenswerten Problemen für unsere Fleischrinder zu rechnen, aber mittelfristig ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich auch bei uns Rudel ansiedeln werden.

 

In Baden-Württemberg beteiligen sich das Land und die Verbände an dem Projekt „Herdenschutz in der Praxis“, um Möglichkeiten und Grenzen des Herdenschutzes für die Weidetierhaltung aufzuzeigen. Forderungen nach besonderen Herdenschutzmaßnahmen durch unsere Rinderhalter stehen momentan allerdings nicht zur Debatte, auch nicht als Voraussetzung für mögliche Entschädigungen. Ergänzend zu diesen Ausführungen stellte Dr. Torsten Sommer als Herdenschutzbeauftragter der RBW dar, dass unseren Rinderhaltern nicht nur direkte Schäden vollumfänglich und schnell ersetzt werden müßten, sondern auch notwendiger Mehraufwand und indirekte Schäden durch unruhige bis ausbrechende Herden, Verkalbungen, usw.

 

In lockerer, kurzweiliger Art beschloß Dr. Maus als Zuchtleiter unserer Wälderrassen den Reigen der Vorträge. Immer wieder erstaunlich, welch hohe Absetzgewichte die Kälber dieser Rassen in der Mutterkuhhaltung erzielen, dank der guten Milchleistung der Mütter. Rund 7.700 Herdbuchkühen Vorderwälder stehen 2.900 der kleineren Hinterwälder gegenüber, mit stetig steigendem Anteil an Mutterkühen von aktuell 20 % bei den Vorderwäldern und bereits 80 % bei den Hinterwäldern. Auch genetische Hornlosigkeit findet sich inzwischen bei beiden Rassen im Zuchtprogramm.

 

Die Charolais des Breighof im nahen Berghaupten waren am Samstagmorgen unser Ziel. Vor 28 Jahren wurde hier mit der Umzüchtung auf Charolais begonnen, auch wenn mal ein Limousin dazwischen war. Gute Herdbuchbullen sind Stephan Breig ebenso wichtig wie sie es dem noch sehr aktiven Senior Ludwig über all die Jahre waren. Alle Rinder werden mit Angus belegt, damit sie spätestens mit 2½ Jahren problemlos abkalben. Auf 110 ha Wiesen und Weiden – viele Flächen entlang der Kinzig – werden 60 Mutterkühe mit Nachzucht gehalten. Der einfache, aber sehr zweckmäßige Offenstall dient im kurzen Winter bei einem Jahresmittel über 10 °C als Schutz. Ungewöhnlich, dass alle Charolais als Absetzer an regionale Mäster gehen und dafür regelmäßig Kleingruppen Vorderwälder-Bullenkälber angekauft und bis zum Schlachtgewicht von 350 kg ausgemästet werden. Jedoch passt dies gut zum Grünfutterangebot des Betriebes und bedeutet regelmäßige Einnahmen, in Kombination mit Direktvermarktung und eigenem Zerlegeraum. Ergänzt wird das Angebot durch einige Schweine (Pietrain x Edelschwein)  sowie Partyservice und die Verköstigung von Vespergruppen. 

 

30 Grad waren schon erreicht als wir gegen 11 Uhr auf „Benny’s Ranch“ nahe Lautenbach dessen Limousin bewundern durften. 1993 startete Bernd Müller mit seiner Zucht, deren Endprodukte über die Theken seiner 6 km entfernten Metzgerei in Oberkirch vermarktet werden. Inzwischen besitzt er Anteile am Schlachthof in Oberkirch, um hier die Regionalität der Vermarktung für die Zukunft zu sichern. Im Jahr 2000 entstand der sehenswerte Offenstall mit Faltschieber, was sofort die Arbeitslast im Winter drückte, die auch durch Teilzeitkräfte erledigt wird. Im Sommer werden die steilen Hanglagen des Schwarzwaldes genutzt, zu schwer dürfen seine 23 nicht enthornten Kühe daher nicht werden. Neben den Limousin konnten wir eingetragene Zuchtpferde - Lippizaner und Shetlands mit Champion-Deckhengst - sowie Dromedare, Alpakas und Mikropigs bewundern. Hier ist die Hand der engagierten Tochter Annika als Tierfreund und angehender Tierärztin deutlich zu spüren, die sogar noch Heidschnucken und Zwergziegen hält.

 

Zum Abschluss trafen wir uns mit Christine Baumann zum Mittagessen in der Geroldsauer Mühle, dem neuen Zentrum für landwirtschaftliche Direktvermarktung am Fuße des Schwarzwaldes vor den Toren Baden-Badens. Aus 12 km Weißtannen-Stämmen des Schwarzwaldes erbaut ist es eine Augenweide und ein architektonischer Leckerbissen. Auch der Bio-Betrieb Baumann mit seiner Highland-Cattle-Zucht „vom Oostal“ vermarktet hier seine Produkte, die so gut angenommen werden, dass die 35 Kühe mit Nachzucht den Bedarf kaum decken können. Gehalten werden sie auf 200 ha überwiegend schützenswertem Grünland, dessen Erhaltung ein besonderes Anliegen von allen ist. Abschließend hat das neue Schlachthaus des Betriebes sehr beeindruckt,  EU-zugelassen und seit 2015 in Nutzung. Eine hoffentlich lohnende Investition für eine exzellente regionale Vermarktung ganz besonderer Produkte.

 

Mehr als 40 Besucher auf jedem der Betriebe, voller Saal am Freitagabend. Keine Frage, wir wollen uns in diesem Rahmen 2019 wiedersehen, geplant ist dann Oberschwaben!

Dr. Schmidt

Mehr als 50 Jahre hält der vielseitige und innovative Bergbauernhof von Familie Wälde schon Angus-KüheMehr als 50 Jahre hält der vielseitige und innovative Bergbauernhof von Familie Wälde schon Angus-KüheZuchtleiter Dr. Maus zeigt uns bei Familie Moser, dass Vorderwälder beste Mutterkühe sein könnenZuchtleiter Dr. Maus zeigt uns bei Familie Moser, dass Vorderwälder beste Mutterkühe sein könnenBeste Vorderwälder-Mutterkühe sahen wir bei Familie Moser in Biberach – Prinzbach  Sehr typvolle Jungrinder Charolais konnten wir auf dem Breighof  in Berghaupten sehenStephan Breig erläutert uns seine Betriebsstrategie mit Charolais und VorderwäldernMittelrahmige, behornte Limousin weiden bei Bernd Müller auf den steilen SchwarzwaldhängenBernd Müller und Tochter Annika zeigen viel Herzblut für ihre Tiere, ob Limousin oder KamelAnnika Müller hält auf „Benny’s Ranch“ neben den Limousin einen kleinen Zoo, Alpakas und diese Dromedare gehören dazuChristine Baumann stellt uns die Geroldsauer Mühle vor, wo auch deren Highlands vermarktet werdenChristine Baumann stellt uns die Geroldsauer Mühle vor, wo auch deren Highlands vermarktet werdenChristine Baumann präsentiert uns mit ihrem „MacBhriain vom Brandhof“ die aktuelle  Nr. 3 aller Highland-Bullen in Deutschland: 9-8-8 bewertet, mit 10 Jahren noch topfit