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Die Hinterwälderbullenlinien

Ein Vertreter der B- Linie ist Benforal. Ihn empfehlen wir für die Mutterkuhhaltung

Es gibt elf Bullenlinien bei den Hinterwäldern, die die gute Grundlage sind für die genetische Vielfalt der Rasse. 

 

Vier Linien gehen auf Vorderwälder zurück

 

Dabei stammen vier Linien aus der Linienerweiterung mit kleinrahmigen VW- Bullen, nämlich die N- und S- Linie Anfang der 1970 er und die A- und B- Linie Anfang der  1980 er Jahre. Gründer der A- Linie ist  Arber und der B- Linie Belt,  die beide  25 % Ayrshire- und 75 % Vorderwäldergenanteile haben.  Die N- und S- Linie entstammen reinen Vorderwälderlinien. Ayreshire wurde damals bei Fleckvieh aber auch bei Vorderwäldern zur Leistungssteigerung und Euterverbesserung eingesetzt.  Durch den späten Einsatz sind die aktuellen Besamungsbullen Arida erst die fünfte und Arinax P die siebte Generation nach dem Linienbegründer Arber. Die B- Besamungsbullen Ben, Bennasch und Benforal sind in der vierten, in der sechsten und in der siebten Generation nach dem Linienbegründer Belt. Anders sieht es bei der N- Linie aus, die Besamungsbullen Napbär und Napfocki  sind die elfte und zwölfte Generation nach dem Linienbegründer Nairobi. Weit weg sind auch die S- Bullen Siltben und Siltnax P als elfte und zwölfte Generation, Singler befindet sich in der sechsten Generation nach dem Linienbegründer Sild. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass eine fünfte Vorderwälderlinie, die E- Linie nach wenigen Generationen ausstarb.

 

Franz ist der Vorfahr der sieben weiteren Linien

 

Jetzt kommen die sieben weiteren Linien. Hierfür ist Ausgangspunkt der Hinterwälderbulle mit Namen Franz. Sein genaues Lebensdatum konnte nicht eruiert werden. Aber, es gibt acht Generationen nach ihm wiederum einen Franz, der 1960 geboren ist. Daraus kann bei einem durchschnittlichen Generationsintervall von drei Jahren ein Wirken des Liniengründers zur Mitte der 1930 er Jahre ausgegangen werden. Im Laufe der Zeit bildeten sich acht Linien aus, die F 1 bis F 8 genannt wurden. Kurz vor dem 110 jährigen Jubiläum 1999 entschlossen sich die Zuchtverantwortlichen, den Linien neue Buchstaben zuzuordnen. Die F 6- Linie behält das F bei. Die Besamungsbullen Fockeral und Fokler entstammen daraus. Fockeral wird für die Milch- und Mutterkuhhaltung empfehlen. F 4 ist leider seit 1972 ausgestorben. F 1 wurde in K umbenannt, einziger Vertreter ist der Besamungsbulle Fixer. Die F 2 in H, auch hier gibt es mit Flimmer nur noch einen Vertreter in der Besamung. Gut sieht es bei der F 3 = L- Linie aus, die vier Besamungsbullen Fabel, Fabler, Fantast und Labflort sorgen dafür. Die F 5- Linie wurde in M umgetauft, der Schweizer Bulle Malak ist derzeit der einzige Vertreter. Die F 7- Linie wurde in R umbenannt. Hier ist geplant, den Schausiegerbullen von 2014, Ronlab, im Frühjahr 2015 abzusamen. Die F 8 Linie fängt mit W an, Fäller war der einzige Linienvertreter in der Besamung. Aus der gezielten Anpaarung mit ihm kommen einige Bullen auf die Märkte 2015. Der beste von Ihnen soll ebenfalls in die Besamung genommen werden. Manchmal stießen diese Umbenennungen auf Kritik. Dadurch aber, dass mindestens elf, meistens jedoch deutlich mehr Generationen zwischen den Linien liegen, war es – auch der Namensgebung willen -  sehr sinnvoll, neu zu beginnen.

 

Was können wir zu den Vererbungstendenzen sagen?

 

Soweit ein Überblick über die Herkunftslinien und ihren Vertretern in der Besamung. Was kann man zu den Vererbungstendenzen sagen? In der Besamungsempfehlung weisen wir als Doppelnutzungsbullen, das heißt für Milch- und Mutterkuhhaltung die Bullen Flimmer, Fockeral, Labflort, Napfocki und Siltben aus. Die weiteren Bullen für die Mutterkuhhaltung heißen Arida, Bennasch, Benforal, Napbär und Singler. Wenn genetisch hornlos interessiert, passen Arinax P und Siltnax P, die zur Hälfte genetisch hornlos vererben. Ein wichtiges Thema ist die Größenvererbung der Besamungsbullen. Dazu können wir sagen, dass Benforal, Flimmer, Fockeral, Labflort, Napfocki und Napbär eher mittelrahmiges Vieh bringen. Die anderen vererben etwas größer und schwerer. Einschränkend muss gesagt werden, dass eine Streuung in der Größe auch nach oben bei den sechs erwähnten Bullen vorkommen kann und die anderen Vertreter auch nach unten streuen können. Entscheidender ist, die Linienvielfalt am Leben zu erhalten.

 

Tipp an die Bullenhalter

 

Zu diesem Thema passt ein Hinweis an die Bullenhalter: Oft heißt es beispielsweise, ich hatte einen Bullen aus der S- Linie und kann doch diesen nicht mit einen anderen S- Bullen ersetzen. Vom Grundsatz her ist diese Ansicht gut. Allerdings ist es so, dass durch die schnelle Generationsfolge im Natursprung die Bullen der gleichen Linie so weit auseinanderliegen, dass ein Einsatz unter Inzuchtgesichtspunkten meistens kein Problem darstellt. Aufgrund der geringen Inzuchtanfälligkeit des Rindes weiß man aus Erfahrung, dass die Paarungspartner den gleichen Großvater haben können. Wem das zu eng ist, nimmt eine Generation mehr Abstand, so dass der Urgroßvater gleich ist. Wenn andere Linien mit passender Genetik vorhanden sind, braucht man sich solche Gedanken nicht zu machen. Aber im anderen Fall. Und da sind wir gerne behilflich, auszuloten, was möglich ist und was nicht.

 

Dr. Franz Maus, Zuchtleiter der Wälderrassen

Ein Vertreter der B- Linie ist Benforal. Ihn empfehlen wir für die MutterkuhhaltungNapfocki verkörpert schon die zwölfte Generation nach dem Linienbegründer, dem Vorderwälderbullen NairobiFlimmer ist der einzige Besamungsbulle der H- ehemals F 2-LinieAus der Linienauffrischung mit Fabler entstammt Labflort. Auf L wurde die F 3- Linie umgetauftFür Milch- und Mutterkuhhaltung wird Fockeral empfohlen. Die F 6- Linie behält den Buchstaben F beiRonlab wird die F 7- Linie mit R als Anfangsbuchstaben weiterführen