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7. Süddeutsche Fleischrindertage

Beeindruckender Körsieger Angus von Bauereiß, 8/9/8 gekört, 740 kg Herausragend: Limousin Körsieger mit 8/9/8 von Lamparth, er erzielte später Tageshöchstpreis Best of Five: Galloway Körsieger mit 8/7/8 von Jamrog, 2 Jahre und 754 kg Sehr guter Körsieger Charolais von Rott, TZ 1544 g und P, fand leider kein ausreichendes Gebot

am 7./8. Februar 2014 in der Arena Hohenlohe in Ilshofen

 

Gemeinsamer Markt mit unseren bayerischen Kollegen in Ilshofen, das hat jetzt schon Tradition, allen Widrigkeiten der Hygienebarriere BHV1 zum Trotz. Wann werden auch wir in Baden-Württemberg wohl endlich zu 100 % frei sein? Die letzten betroffenen Betriebe sind bekannt und leicht zu zählen, wenn alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen könnte 2015 jede Quarantäne für Verkäufe nach Bayern, Österreich oder der Schweiz hinfällig sein. So aber mussten wir dieses Jahr damit leben, dass im nahen Ansbach eine Woche vorher bayerischer Markt war, der recht erfolgreich verlief. Wie würden wir uns eine Woche später behaupten können? Verständlich, dass aus Bayern diesmal nur vier Angusbullen und ein Limousin kamen, schließlich bedeutet ja für alle bayerischen Beschicker „nicht verkauft“ gleich Quarantäne vor der Heimholung!

 

Dank der guten Beschickung der Züchter aus unserem Ländle konnte jedoch erneut für alle Käufer ein interessantes Angebot an Zuchttieren in der Arena Hohenlohe zu unseren 7. Süddeutschen Fleischrindertagen präsentiert werden. Das Angebot der 17 aufgetriebenen Angusbullen war breit gestreut, schwarz und rot, auch BIO-Bullen, RZF bis über 116, RZL für die Zuchtleistung der Mütter bis 113, die Mehrheit der Bullenmütter mit 6 und mehr Kälbern. Gleiche hervorragende Zuchtleistung bei Limousin, bis zu 13 geborene Kälber werden für die Mütter der angebotenen Bullen ausgewiesen! Durchgezüchtete, funktionierende Genetik, dafür sind unsere Zuchten in Baden-Württemberg bekannt.

 

Die Qualität der aufgetriebenen 23 Limousinbullen war hervorragend, gut bis exzellent bemuskelt, auf korrekten Fundamenten, worauf bei uns besonders geachtet wird. Auf den steinigen und hängigen Höhenlagen unserer Mittelgebirge sind Tiere mit schlechtem Beinwerk nicht lange zu gebrauchen. 9 der 23 Bullen wiesen RZF von 108 oder höher auf. Klein aber durchaus interessant auch die aufgetriebenen fünf Charolaisbullen, RZF bis 105, Tageszunahmen bis weit über 1500 g, RZF bis 105, RZL-Mutter bis 107, drei genetisch hornlos. Wenn an der Qualität der Auktionsbullen überhaupt was zu bemängeln war, so sind es die im Vergleich zum Vorjahr und zu anderen Regionen etwas knapperen Tageszunahmen. Hier zeigt sich, dass 2013 bei uns kein leichtes Futterjahr war und der Großteil unserer Zuchtbullen keine Sonderbehandlung kennt, was viele durchaus Käufer zu schätzen wissen.

 

Die Körung am Freitagnachmittag war die Stunde der Wahrheit für 17 Angusbullen, 23 Limousin, 5 Charolais, sowie weitere 5 Galloway und je ein Hereford und Highland. Angus zeigte sich etwas heterogen, von leichter und jung bis voll ausgefüttert. Dementsprechend die Körbeurteilungen von 7/6/6 für den durchaus noch akzeptablen jungen Bullen vom reinen Grünland, bis hin zu den 8/9/8 für den sehr gut entwickelten, feinknochigen Körsieger, Katalog Nr. 1, aus dem Betrieb Bauereiß. Dieser gewaltige 17-monatige schwarze Bulle brachte bereits 740 kg auf die Waage. Dem stand Hertfelders Körreservesieger (Nr. 3) mit 713 kg und 16 Monaten kaum nach, mit 8/9/7 gekört. Weitere Klassensiege gingen an die Betriebe Schaub, mit einem interessanten Aberdeen-BIO-Bullen (Nr. 6), und jeweils einem roten von Schumacher (Nr. 10) und Raps (Nr. 17). Charolais präsentierte eine 5-er Gruppe aus dem bekannten Zuchtbetrieb Rott in Aidlingen. Die junge Truppe, nur 11 bis 14 Monate alt, erwies sich als weitgehend ohne Fehl und Tadel. Hervor stach der Körsieger (Nr. 29) mit 7/8/8, genetisch hornlos und mit den höchsten Zunahmen, so konnte er nicht nur die anderen hornlosen sondern auch die beiden gehörnten Kandidaten hinter sich lassen.

 

Spannend wurde es bei Limousin, wer würde sich in dieser gewaltigen Konkurrenz ganz vorne platzieren? Klassensiege gab es für die Zuchtbetriebe Lamparth, Weber GBR, Böttinger, Lang und Felix, alle mit Typnote 8 und Bemuskelung von 8 bis 9! Bei der Endauswahl überragte der fast 800 kg schwere „Bodo“ von Andreas Lamparth (Katalog Nr. 32) alle übrigen hervorragenden Bullen. Dieser 19-monatige Sohn von „Boyscout“ (gekört 9/9/8) aus einer Tochter vom Landessieger „Libero“ (gekört 8/9/8) wurde als einziger Limousin heuer selbst mit 8/9/8 gekört, somit bester Phänotyp aus einem überragendem Pedigree! Dicht dahinter platzierte sich der sehr harmonische und feinknochige Caytano-Sohn von Lang, Waldmünchen, Pp* getestet und - wie auch der Körsieger - aus einer Bullenmutter mit 11 geborenen Kälbern(Nr. 48). Fleischleistung kombiniert mit langlebigen Mutterkühen, so wird wirtschaftlich Weiderindfleisch produziert!

 

Zum Abschluss des Körnachmittages standen die fünf Galloways sowie ein Highlandbulle zur Beurteilung an. Die Körkommission hatte es nicht leicht mit den unterschiedlichen Gallowaytypen, die das gesamte Spektrum von klein- bis großrahmig innerhalb der Rasse verkörperten, dazu knapp jährig bis gut zwei Jahre alt sowie 315 bis 754 kg schwer. Korrekt im Skelett waren alle, auch im Rassetyp war wenig zu bemängeln, daher hier Noten von 7 bis 8. Letztlich konnte der schwarze, sehr rahmige und elegante „Abendstern“ von Jamrogs als ältester sich mit der Körbewertung von 8/7/8 knapp vor den mittelrahmigen, sehr gut bemuskelten roten „Purpur“ von Hubert Mielke setzen, beides Bullen mit hohen Tageszunahmen von rund 950 g. Der korrekte schwarze Highlandbulle von von Thomas Preiser konnte mit hochverdienten 8/7/7 seinen Besitzer ebenfalls glücklich machen. Der einzige Hereford, ein sehr junger, typvoller Bulle, war bereits vor allen anderen mit 8/8/7 gekört worden.

 

Beim anschließenden Züchterabend bestand bei lockerer Atmosphäre und bester Stimmung die Gelegenheit, sich alle Siegertiere des Tages nochmals in Ruhe präsentieren und kommentieren zu lassen, was sich bei freiem Ausschank angenehm genießen ließ. Samstagmorgen stand im Zeichen der motivierten Jugend. 14 Jungzüchter von 9 bis 19 Jahren maßen sich im Vorführen ihrer Lieblinge, wobei es sich zum Teil um kapitale Bullen mit über 700 kg handelte. Beeindruckend war, wie mühelos die gerade 11-jährige Annika Böttinger den 620 kg Klassensieger Limousin ihres Vaters präsentierte, 2. Platz in der jungsten Klasse war ihr hochverdienter Lohn. Letztlich wählten die Preisrichter, Franz Büchlmaier und Mathias Poferl, den 13-jährigen Vorjahressieger Sebastian Lutz aus Seewald, Schwarzwald, knapp vor Simon Mielke (14) aus dem nördlich von Ulm gelegenen Dornstadt zum Junior-Champion. Senior-Champion wurde Michael Unseld (19) aus Erbach, südlich von Ulm. Glückwunsch dem gesamten hochengagierten Nachwuchs für deren tolle Vorführleistungen!

 

Pünktlich um 12 Uhr wurde es ernst, Auktionator Thomas Schmidt, bereits durch Versteigerungen anderer Rassen in Ilshofen gut bekannt, vertrat kurzfristig den erkrankten Karl Ederle, unser Urgestein der Fleischrinder- und insbesondere Gallowayzucht. Neben diesem Personalwechsel gleich die nächste Überraschung: der hochgelobte Körsieger Angus, dazu noch mit RZF 115 ausgestattet, ging für bescheidene 2200 € nach Norddeutschland, nicht wirklich zufriedenstellend für den Züchter Rainer Bauereiß. Der Reservesieger, ein BIO-Bulle, blieb für immerhin schon 2700 € in Schwaben.

 

Tageshöchstpreis bei Angus erzielte der schwarze BIO-Klassensieger von Alois Schaub (Katalog Nr. 6), ein reiner Aberdeen mit RZF 107, erst bei 3700 € gingen dem flotten Auktionator die Bieter aus. Der bekannte Zuchtbetrieb Fellmann in Löwenstein investiert mit ihm in die Zukunft. Weitere drei Bullen brachten noch Preise von 3000 bis 3300 €, daher letztlich das Gesamtergebnis für Angus, inklusive der vier zugeschlagenen schwarzen Rinder, durchaus zufriedenstellend. Bei Charolais fehlten schlicht die Käufer. Lediglich zwei Interessenten boten auf den Siegerbullen und den einzigen reinerbig hornlosen. Als Fazit wurde der Sieger für 2200 € nicht abgegeben, der erst knapp jährige, 6/7/7 gekörte PP-Bulle jedoch zum gleichen Preis für den bekannten Hornlos-Zuchtbetrieb von Sauers in Dielheim zugeschlagen.

 

Ein guten Verlauf nahm von Anfang an der Verkauf der Limousin. Schnell ging’s für den Top-Siegerbullen rauf auf 4000 €, wofür er ins benachbarte schwäbische Bayern ging. Der genetisch hornlose bayerische Reservesieger machte es umgekehrt, er darf für 2900 € künftig im Hochschwarzwald decken. Spitzenpreise von 3300 bis 3900 € brachten zudem drei weitere genetisch hornlose Bullen, der 8/8/8 Klassensieger der Weber GBR (Nr. 40), ins Badische verkauft, sowie die beiden Altersklassenzweiten von Lamparth (Nr. 37, 8/9/7 gekört) und Spieler (Nr. 35, 8/8/8).

 

Über die erstmals ausgerufene Stille Auktion für einige der aufgetriebenen Robustrinder konnte der einzige Hereford verkauft werden. Was bleibt als Fazit 2014? Deutlich weniger nach auswärts verkaufte Bullen, trotz der vier Limousin in die Schweiz, sicher der BHV1-Problematik geschuldet; genetisch hornlose Tiere müssen sich inzwischen weder bei Charolais noch bei Limousin hinter gehörnten verstecken, und bleibt weiter stärker nachgefragt. Genetisch hornlose Limousin brachten im Mittel gut 400 € mehr als gehörnte. Bei Angus ziehen BIO und Aberdeen, auch hier höhere Preise für solche Tiere. Aber: Spitzenpreise sind nur für sehr korrekte, gut gekörte Tiere erzielbar, wo auch alles übrige bishin zum Papier zusammenpasst. Ein gute Kollektion solcher Tiere werden wir Ihnen für Anfang Februar 2015 in Ilshofen zusammenstellen. Es wird sich lohnen, erneut dabei zu sein!

 

Preisspiegel

 

Angeboten

Verkauft

Mittlerer Preis (€)

Max. Preis (€)

Angus Bullen

17

14

2.600

3.700

Angus Rinder

4

4

1.300

1.450

Hereford

5

1

2.200

2.200

Limousin

23

23

2.561

4.000

 

Zugriff auf das RBW-Online-Fotoalbum

 

Dr. Th. A. Schmidt, Zuchtleiter Fleischrinder (Fotos: Wilfried Arnold, Schw.Hall)

Starkes Interesse im Stall an der Kollektion bester AuktionsbullenDie Siegerbullen der Anguskörung, ein tolles GesamtbildBeeindruckender Körsieger Angus von Bauereiß, 8/9/8 gekört, 740 kgHerausragend: Limousin Körsieger mit 8/9/8 von Lamparth, er erzielte später TageshöchstpreisBest of Five: Galloway Körsieger mit 8/7/8 von Jamrog, 2 Jahre und 754 kgMichael Unseld wurde mit Zwergzebubulle Poldi, 8/9/7 nachbewertet, Senior-Champion bei den JungzüchternStarke Konkurrenz bei den hochmotivierten Jungzüchtern, in der Mitte Junior-Champion Sebastian LutzSehr guter Körsieger Charolais von Rott, TZ 1544 g und P, fand leider kein ausreichendes Gebot Harmonischer genetisch hornloser Limousin: Klassensieger mit 8/8/8 von der Weber GBR, für 3300,- ins Badische verkauft