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Die Zucht der
regionalen Wälderrassen im Jahr 2002 "Das Besondere für das Spezielle" Milch- und Zusatzleistungen Die Milchleistung der Vorderwälderzuchtkühe lag im Prüfungsjahr 2002 (01.10.2001 bis 30.09.2002) mit 5.422 kg 136 kg höher als im Vorjahr. Nach 2 Jahren Rückgang eine erfreuliche Tatsache, zumal die Steigerung 30 kg höher ist als alle Zuchtkühe im Ländle. Dass dabei der Fettgehalt konstant, aber der Eiweißgehalt um 0,03 % gestiegen ist, passt hervorragend in die Milchlandschaft. Ein Wermutstropfen ist der Rückgang der Betriebszahl um 11 auf 254 und der Kuhzahl um 125 auf 5164. Der landesweite Trend ist allerdings gleichgerichtet. Die in 55 Betrieben stehenden 676 Hinterwälderzuchtkühe gaben 3.322 kg Milch bei 4,01 % Fett und starken 3,43 Eiweißprozenten. Dies entspricht in etwa den Zahlen vom letzten Jahr. In 59 Betrieben wurden 617 Mutterkühe gehalten, was einem Plus von 46 Mutterkühen bei gleicher Betriebszahl entspricht. Tabelle 1 zeigt Zusatzleistungen der Milchviehhaltung im Vergleich. Die Milchleistungssteigerung der Vorderwälderkühe zwischen 1. und 5. Laktation hat sich etwas abgeschwächt, hebt sich aber immer noch ab, die positiven Zahlen hinsichtlich Langlebigkeit, Zwischenkalbezeit, Anteil zu Zucht- und Nutzzwecken verkaufter Kühe sowie der landesweit niedrigste Zellgehalt mit 210.000 Zellen sind ein Plus der Rasse. Interessant ist, dass alle Rassen eine deutliche Steigerung im Zellgehalt aufweisen. Ob ein Zusammenhang mit verspäteter Euterbehandlung durch die ärztliche Bestandsbuchführung besteht, wird die Zukunft weisen. Jedenfalls sollte bei der Eutergesundheit nicht zeitverzögert gehandelt werden. Die Hinterwälder sind in Langlebigkeit und Fruchtbarkeit "unschlagbar" und haben wegen Fundamentproblemen so gut wie keine Abgänge. Nach wie vor sehr hoch gestaltet sich der Verkauf zu Zucht- und Nutzzwecken mit knapp 1/3 aller den Stall verlassender Kühe! Der Zellgehalt ist auf 317.000 in die Höhe gegangen und damit der höchste aller baden-württembergischen Rassen. Die Gründe liegen sicher auch in der kleinbetrieblichen Struktur mit überwiegend Nebenerwerbsbetrieben. Fleischleistung 125 (-4) in Donaueschingen vorgestellte Vorderwälder Marktbullen brachten tägliche Zunahmen von 1102 g (-12g). 33 auf Grassilagebasis geprüfte Vorderwälder Bullen auf der Prüfstation in Löffingen-Göschweiler erreichten im Prüfabschnitt (112. - 350. Tag) 1174 g (-64) tägl. Zunahmen. Der Rückgang ist teils durch Umstellungsschwierigkeiten zu Prüfbeginn und etliche knapprahmige Tiere zu erklären. 22 (-4) Hinterwälder Bullen am Marktort Schönau nahmen 918 g zu, was einem Minus von 15 g entspricht. Tabelle 1: Zusatzleistungen in der Milchviehhaltung(Quelle: Ba.- Wü. LKV- Berichtshefte 2000 und 2002)
Dass Vorderwälder bei gezielter Kälberauswahl sehr gute Mast- und Schlachtzahlen liefern, zeigte der Mastversuch an der Neumühle/Rheinland- Pfalz: Die Vorderwälder lagen in den Zunahmen über der Vergleichsgruppe Fleckvieh bei etwa gleicher Ausschlachtung und geringfügig schlechterer Fleischigkeitsklasse. Die Fleischqualitätsuntersuchungen brachten für beide Rassen Werte im oberen Bereich für Bullenfleisch, eine rassenmäßige Differenzierung gab es nicht, vermutlich, weil die Schlachtgewichte durch die unterschiedliche Tierauswahl fast gleich war. Ein Ansatz für eine rassespezifische Rindfleischvermarktung ist mit der Gründung des Biorings für Schwarwaldbauern für Ochsenfleisch von Vorderwäldern gestartet worden. Zuchtprogramm Mit Hummel konnte der bisher harmonischste Hinterwälderbulle in die Besamung genommen werden. Hummel hat dem neuseeländischen Fleckviehzüchter Werner Gut bei seinem Besuch im Sommer 2002 so gut gefallen, dass er etliche Portionen mit nach Hause nahm. Er paart damit seine Arida F1- Kreuzungsrinder an, um den Hinterblutanteil auf 75 % hochzuschrauben. Er sieht Chancen beim Einsatz auf Jerseykühe zur Verbesserung der Fleischleistung bei unproblematischen Geburtsverläufen.Die Zahl der Hinterwäldererstbesamungen beträgt 1168, was einem leichten Plus von 13 entspricht. Im Zuchtjahr wurde mit Fabel eine neue Vaterlinie über die gezielte Anpaarung in den lebenden Bestand gebracht, die ersten Kälber fallen im Laufe dieses Jahres. Eine an der Gesamthochschule Kassel ausgefertigte Diplomarbeit analysiert die Populationsstruktur der Hinterwälderrasse, die Ergebnisse werden bei der Hinterwälderzuchtversammlung bekannt gegeben. Weiterhin läuft eine Untersuchung von Hinterwäldermilch, die bei auf Milchallergie reagierenden Kindern keine Allergie verursacht hat. Da die Komponenten nicht bekannt sind, gleicht die Analyse der Suche einer Nadel im Heuhaufen. Im Kalenderjahr 2002 konnten 10 Vorderwälder-Testbullen ausgewählt werden, davon war einer zuchtuntauglich. Im Jahr zuvor waren es nur 6, von denen 4 in den Einsatz kamen. 2 stammten von Kabinet ab, die anderen hatten Gardian, Karneval, Marktor, Tissy sowie die Wartebullen Opnaz, Ralos, Ricky und Pilau als Vater im Pedigree. Die aktuellen Milchwerte aufgrund der F1- VW- Kühe der 5 MB- Linienbegründer übertreffen die kühnsten Erwartungen: Gardian: 164, Brachy: 152, Espada: 126, Bistro: 133 und Brac: 137. In der Zwischenzeit konnten mit Ignaz und Igel 2 F1- Bullen in den Wiedereinsatz gelangen, so dass sich - neben dem Heterosiseffekt - auch die erwartete genetische Überlegenheit zu bestätigen scheint. Dies zeichnet sich auch bei Anlaufergebnissen von Brac-, Espada- und Brachysöhnen ab. Marksee und Toplerom kamen ebenfalls in den Zweiteinsatz. Waldmark vervollständigt das gute Altbullenangebot der Vorderwälder. Die Erstbesamungszahlen bei den Vorderwäldern waren um 1,9 % leicht rückläufig (11054 gegenüber 11271 im Vorjahr). Über alle Rassen betrug der Rückgang 5,1 % (450.713 zu 474.910 anno 2001). An die Besamungsbetriebe gilt die Aufforderung, neben den Altbullen auch die Testbullen einzusetzen, denn ohne sie gibt es keine zukünftigen Altbullen! Züchterische VeranstaltungenEine Vorderwälderbezirksrindviehschau mit 81 Kühen und 4 Bullen in St. Peter und die Hinterwälderschau für Milch- und Mutterkühe in Utzenfeld prägten das regionale Schauwesen. In St. Peter wurden Ignaz- und Markseetöchter als Nachzuchten gezeigt, Utzenfeld hat seinen Namen als Schaufenster der Hinterwälder mit starkem Auftrieb von 122 Kühen und 10 Bullen der kleinsten Rasse Mitteleuropas gefestigt. Ein Jungzüchterwettbewerb erfüllte die Kinder mit Freude an ihren vorgestellten Kälbern und die 7 Mutterkühe mit ihren Absetzern wussten das Erstaunen über die Frohwüchsigkeit zu untermauern. In Bad Walsee bei der 1. RBW- Schau für Milchvieh waren im Frühjahr 2002 4 typische Vorderwälder- und 2 Hinterwälderkühe ausgestellt. Auf dem 3. Europäischen Fleischrinderwettbewerb in Schönbronn/Franken waren die Hinterwälder mit von der Party. Nach 2- jähriger Pause trafen sich die Vertreter der Europäischen Förderation der Bergrinderrassen in La Salle im Aostatal. Neuwahlen der Vorstandschaft und eine Resolution über die Bedeutung und Förderwürdigkeit der vertretenen Rassen zum Jahr der Berge an die EU- Kommission waren unter anderem Ergebnisse des Treffens. AbsatzsituationDie Hinterwälder haben 134.937 umsetzen können, das sind 40.904 mehr als 2001! Bezogen auf die Herdbuchkühe in Milch- und Mutterkuhhaltung sind die Hinterwälder mit 104 pro Kuh "Spitze im Ländle" ! Insgesamt setzte die RBW 14.363.939 um, was pro Kuh einem Umsatz von 77 entspricht. In der Weidesaison 2002 konnten 9 Hinterwäldertiere an 2 Abnehmer nach Österreich exportiert werden. Die "Leichtigkeit" der Rasse war das entscheidende Ankaufsargument. Da Österreich EU- anerkannt BHV1 negativ ist, mussten die Tiere bei uns 30 Tage quarantiert werden. Ein größerer Auftrag von Mutterkühen ging ins Allgäu zur Steillagengrünlandverwertung. Bedenkt man die kleine Zuchtpopulation, so ist der Verkauf von 85 Großtieren, 54 Rindern und 60 Kälbern ein phantastisches Ergebnis! Tabelle 2: Zuchtviehabsatz Vorder- und Hinterwälder (VW, HW) 1.10.2001 bis 30.9.2002 (Quelle: RBW)
Im Jahre 2003 sind 2 Vorderwälderschauen geplant, zum einen am 26. April in Fu.- Schönenbach und am 28. September in Schopfheim- Gersbach. Wenn möglich, werden Nachzuchten aktueller Besamungsbullen gezeigt Auf der Badenmesse Freiburg vom 13. bis 21. September und beim landwirtschaftlichen Hauptfest in Stuttgart- Bad-Cannstatt vom 27. September bis zum 5. Oktober werden die "Wälder" wieder in Milch- und Mutterkuhhaltung präsentiert werden. Wir sind auf der Suche nach einem weiteren Hinterwälderbesamungsbullen, vor allem der S- Linie. Interessiert erwarten wir im Vorderwälderbereich Nachkommenleistungen der Wartebullen von Brac, Brachy und Espada. Insgesamt denken wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind, für schwierige bzw. sehr schwierige Standorte die passenden Tiere für Milch- und Mutterkuhhaltung weiter zu entwickeln. Ansonsten gilt weiterhin: "Wälder, das Besondere für das Spezielle" und "Merk den Süden, - einmalig auch seine Rinderrassen" ! Dr. Maus
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