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Wie sieht es mit der Fleischleistung der Vorderwälder aus ?

Auswertung aus Praktikerbetrieb gibt interessante Aufschlüssel

Vor knapp zehn Jahren wurde an der Versuchsanstalt Neumühle in der Pfalz ein Intensivmastversuch durchgeführt, bei der die Vorderwälderbullen die gleichen Nettozunahmen von 661 g pro Tag erzielten wie die Fleckviehbullen. Im Schlachtkörperwert waren die Vorderwälder den Fleckviehbullen in der Fleischigkeitklasse, der Rückenmuskelfläche und in der Schlachtausbeute tendenziell unterlegen, die Fleischqualität (Scherkraft, Marmorierung, Saftigkeit, Zartheit und anderes) war bei beiden Rassen gleich auf einem hohen Niveau.

Wie sind die Verhältnisse heute? Eignet sich der Vorderwälder noch für eine wirtschaftliche Rindermast? Wird er seinem Zuchtziel der, zwar mehr milchbetonten Doppelnutzung noch gerecht? Gilt es Dinge zu beachten, wenn man mit Vorderwäldern mästen will?

Ein Erklärungsansatz ergab sich im Spätherbst auf dem Betrieb Martin Brosamer in Biberach. In seinem vorbildlich gebauten Maststall fiel eine Mastgruppe von sieben Tieren sehr positiv auf. Martin Brosamer stellte die Schlachtdaten zur Auswertung zur Verfügung. Leider wurden die Bullen nicht klassifiziert. Die Gruppe bestand aus fünf Vorderwälder- und aus zwei Kreuzungsbullen mit 50 % Fleckvieh und je 25 % VW und Kreuzung Fleisch Genanteilen. Martin Brosamer stellte weitere vier Ergebnisse zur Verfügung, davon war ein Vorderwälder- und ein Fleckviehbulle und zwei Kreuzungen einmal mit 50 % Fleckvieh und je 25 % VW und Kreuzung Fleisch und einmal mit 50% Fleckvieh und 50 % Doppelnutzung Rotbunt als Abstammung. Die Auswertung zeigt folgendes Bild:
 

Rasse

Alter

Schlachtgewicht
(kg)

Nettozunahme
(g pro Tag)

Handelsklasse

Fettstufe

sechs Vorderwälder

623

360
315,9 bis 406,6

577
528 bis 599

1*R

1*2

ein Fleckvieh

650

350

538

R

2

vier Kreuzungen

643

377
351,6 bis 412

587
531 bis 665

2*R

2*2

Alle elf

633

364

575

4*R

4*2

Die Schlachtgewichte lagen bei 364 kg und schwankten von 315,9 bei einem VW- und 412 kg bei einem Kreuzungsbullen, der für das hohe Schlachtgewicht der Kreuzungsbullen verantwortlich ist. Die Nettozunahmen lagen bei 575 g pro Tag. Hier liegen die VW im Schnitt, weil sie 20 Tage jünger waren als die Kreuzungsbullen. Die Streuung reicht von 528 g beim leichten VW- Bullen und 665 beim schweren Kreuzungsbullen.


Da lacht das Herz des Mästers, bei dieser Mastgruppe bestehend aus zwei Kreuzungsbullen
(erster und vierter von links) und fünf Vorderwälderbullen. Der zweite, ein Geriansohn brachte
359,7 kg Schlachtgewicht auf die Waage und erzielte mit 599 g die höchsten Nettozunahmen,
der zweite von rechts, ein Radisohn dominierte im Schlachtgewicht mit 406,6 kg

Die vorliegenden vier Klassifizierungen entsprechen den gewünschten R 2 Schlachtkörpern. Zwar sind die Nettozunahmen 85 g niedriger und das Schlachtalter vier Monate höher als beim Versuch an der Neumühle, allerdings fährt Martin Brosamer ein mittelintensives Fütterungsregime: Hauptfuttermittel ist Grassilage und Heu, dazu von Oktober bis März Maissilage und ganzjährig 2 kg Getreideschrot am Tag. „Eine regelmäßige Grundfuttervorlage ist das A und O für gedeihende Bullen“, stellt Martin Brosamer fest. Mit den erzielten Ergebnissen ist er zufrieden, er erreicht fast ausnahmslos die R-Fleischigkeit und die Fettstufe 2.


Auf den monatlichen Donaueschinger Kälbermärkten besteht die Möglichkeit, qualitativ
einzukaufen. Das Niveau ist in letzter Zeit besser geworden, auch weil die letzten Jahre
vermehrt auf gute Bemuskelung der Testbullen Wert gelegt wurde

Vier Väter der VW-Bullen sind bekannt, Gerian, Gipada, Karrad und Radi. Radi hat als einziger einen überdurchschnittlichen Fleischwert von 106, die anderen haben durchschnittliche Werte von 97, 99 und 101. Der Radisohn ist bei den Vorderwäldern übrigens der mit dem höchsten Schlachtgewicht von 406,6 kg.

Anhand dieser Zahlen können die eingangs gestellten ersten drei Fragen positiv beantwortet werden.

Was kann noch verbessert werden? Martin Brosamer kauft in der Regel die Bullenkälber in der Region ohne große Selektion zu. Hier bestünde sicherlich noch Potential im Einkauf über den monatlich stattfindenden Kälbermarkt in Donaueschingen. Denn zweifelsohne gibt es eine Streubreite in der Qualität, die man nutzen kann. Klar, die guten Kälber kosten einige Euros mehr, aber das macht sich im Regelfall bei der Endabrechnung mehr als bezahlt. In der Selektion der Testbullen wurde die letzten Jahre im Regelfall auf eine gute Bemuskelung Wert gelegt, so dass sich dies positiv auf die Mast auswirken wird. Man konnte dies bereits auf den letzten Kälbermärkten erkennen, wo die Qualität ein höheres Niveau erreichte.


Martin und Xaver Brosamer aus Biberach freuen sich über die gelungene Mastgruppe.
„Regelmäßige Grundfuttervorlage ist das A und O für gedeihende Bullen“

Wer einen Deckbullen hält, muss unbedingt darauf achten, dass dieser im Fleischansatz gut ist, denn dieses Merkmal ist hoch erblich. Wer besamt, hat die Möglichkeit auf den Fleischwert zu achten, dass er bei den eingesetzten Bullen über 100 Punkte liegt. Dies sind momentan Radi und Ottgar, beide sind auch gut im Kalbeverlauf.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Vorderwälderrasse in der Mast- und Schlachtleitung nach wie vor den Qualitätsanforderungen des Marktes gerecht werden.

Bericht und Fotos: Dr. Maus

 

Mutterkuhhaltungsergebnisse -
Einbau der genetischen Hornlosigkeit bei Vorderwäldern

Auch anno 2009 konnte von zwei Mutterkuhbetrieben die Absetzerentwicklung ausgewertet werden, und zwar von Martin Tritschler in Eisenbach- Schwärzenbach und von Inge Haas in St. Georgen- Sommerau. Dort deckt seit 2004 Kabiho, der mit Note 8 in der Bemuskelung gekört wurde. Knapp siebenjährig ist er immer noch gut in Schuß und charakterlich einwandfrei. In diesem Jahr gab es bei einigen Kühen Probleme mit der Trächtigkeit, so dass die drei weiblichen Absetzer beim Schlachten erst 186 Tage alt waren. Damit waren sie drei bis vier Monate jünger als die Jahre zuvor. In den Nettozunahmen erreichten sie das mehrjährige Mittel von 563 g pro Tag, die Schlachtkörper waren aber nur in Stufe O klassifiziert. Die Fettstufe passte mit Note 2. Wie im Normalfall die vergangenen Jahre erzielte ein Ochse und zwei männliche Burschen die gewünschten Schlachtkörper R 2, die Nettozunahmen der männlichen lagen wie die Jahre vorher bei 688 g pro Tag.

Vom Betrieb Martin Tritschler erhielten wir die Ergebnisse von fünf männlichen Absetzern, die über EDEKA vermarktet wurden.
 

Jahr

Tiere

Alter

Schlacht-
gewicht (kg)

Netto-
zunahme
(g pro Tag)

Fleisch-
klasse

Fett
stufe

Vater

2009

5 Bullen

300

217

725

4*R, 1*O

2*1, 3*2

Waldlor P

2008

6 Bullen

313

263

846

2*U, 4*R

1*1, 5*2

Limousin

2007

5 Bullen

345

230

673

5*R

1*1, 4*2

Juvomix P

Mittel

16 Bullen

319

238

754

2*U, 13*R, 1*O

4*1, 12*2

 

Leider kam 2009 eine Bursche nicht über O in der Fleischigkeit hinaus, die vier anderen landeten beim gewünschten R. Die Fettstufe lag dreimal bei 2, zweimal bei 1. Die Nettozunahmen erreichten gute 725 g am Tag, das Schlachtgewicht betrug 217 kg im Schnitt. Vater der Tiere ist Waldlor P, einer der Linienbegründer der Hornlos- Wälderzucht.


Waldlor P aus Waldmark ist einer der Hornlosbegründer der Vorderwälderzucht.
Er erzielte mit 3 Jahren und 11 Monaten 557,6 kg Schlachtgewicht und die R 2 Klassifizierung


Was will man mehr, vier männliche Absetzer des hornlosen Waldlor P. Der Absetzer
mit der besten Fleischgenetik (rechts auf dem Bild) wird die Hornlosigkeit im
Deckeinsatz auf dem Betrieb Hubert und Luzia Dorer in Eisenbach-Schollach weitertragen

Er wurde mit seinen Söhnen vermarktet, erzielte mit 3 Jahren und 11 Monaten 557,6 kg Schlachtgewicht und die Klasse R 2. Seine Söhne erzielten bessere Werte als die des zweiten Hornloslinienbegründer Juvomix P aus dem Jahre 2007. Absolute Spitze war der letztjährige Jahrgang, Kreuzungstiere von einem Limousinbullen abstammend. Bekanntermaßen können die weiblichen Kreuzungsabsetzer aber nicht zur Zucht verwendet werden.

Zuchtversuch Hornlosigkeit - Interessierte Mutterkuhhalter gesucht !

Was als zufällige Sache begann und vom Rasseausschuß befürwortet wurde, ist in der Zwischenzeit so weit gediehen, dass fünf Vaterlinien mischerbig hornlos sind. Mischerbig heißt, das 50 % der Nachkommen hornlos sind, weil hornlos dominat vererbt wird. In drei Linien stammt die Hornlosigkeit aus einer hornlosen Mutterkuh mit 12,5 %  Red Angus Genanteil und in zwei Linien aus der Limousinzucht. Ziel war und ist es nach wie vor, über eine schnelle Generationsfolge den VW- Genanteil zu erhöhen: Deckeinsatz ein, zwei Jahre lang, dann mit den besten hornlosen Söhnen weiterzüchten.


75 % Vorderwälderblutanteil hat dieser limousinblütige hornlose Conni P Sohn Clown P,
der in der nächsten Decksaison bei Martin Tritschler, Eisenbach- Schwärzenbach decken soll


Immer noch gut in Schuß mit seinen knapp sieben Jahren ist der mittelrahmige sehr gut
bemuskelte Kahibo, der bereits sechs Jahre bei Inge Haas in St. Georgen-Sommerau
im Einsatz ist. Seine Gutmütigkeit ist hocherfreulich

Die Vaterlinien der drei Vorderwälderhornloslinien gehen auf  Waldmark, Felkor und Radi zurück, die Limousinhornlosen auf Justus PP und Conquis P. Aktuell sind zwei Waldmark- und ein Felkorenkel im Deckeinsatz, von Justus PP sind bereits Urenkel geboren und von Conquis P kommen demnächst zwei Enkel in den Deckeinsatz. Bei Radi geht es erst los, das hornlose Bullenkalb ist dieses Jahr im November auf die Welt gekommen.

Wer als Vorderwäldermutterkuhhalter Interesse hat, an der Weiterentwicklung der Hornloszucht mitzumachen, kann sich im Verlaufe des nächsten Jahres bei der Zuchtleitung melden.

Bericht und Fotos: Dr. Maus

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