Untersuchung
über die
Vorderwälder-Bullenkälbervermarktung
im Leadergebiet Südschwarzwald |
| . |
| Eine gemeinsame
Untersuchung von ALLB Donaueschingen- Referat Tierzucht und Regionalmarkt Südlicher
Schwarzwald e.V. Kann die saisonale
Marktschwankung aufgefangen werden?
Ausgangspunkt der Untersuchung war die Tatsache, dass 1998
und 1999 und die Jahre zuvor auf dem Kälbermarkt in Donaueschingen im Frühjahr ein Markt
aufgrund hoher Beschickungszahlen im Preis deutlich abfiel (Tabelle 1). Im Frühjahr 2000
konnte die hohe Tierzahl durch die starke Nachfrage ohne Preiseinbruch vermarktet werden. |
Tabelle 1
Vorderwälderbullenkälberpreise in Donaueschingen
| |
Jahresdurchschnitt |
April-
(1998) bzw Maimarkt (1999/2000) |
| |
Tiere |
Preis/kg |
Preis/Kalb |
Tiere |
Preis/kg |
Preis/Kalb |
1998 |
68 |
7,57 |
519 |
128 |
5,07 |
354 |
1999 |
70 |
7,34 |
510 |
106 |
5,88 |
419 |
2000 |
75 |
7,90 |
532 |
114 |
7,68 |
505 |
Die Idee war, eventuell durch einen Zwischenmarkt eine
Preisstabilisierung zu erreichen. Um dies abschätzen zu können, wurde eine Befragung bei
Vorderwälderzucht- und besamungsbetrieben im Leadergebiet durchgeführt. 60 Betriebe
waren in die Befragung miteinbezogen. |
| Welche Fragen
sollte die Untersuchung beantworten ? Im
ersten Teil wurde kurz die Struktur der Betriebe erfragt und ausgelotet, wie die
Zukunftsperspektiven bewertet werden.
Der Hauptteil befasste sich mit dem Kälberbereich:
 | Saisonale oder kontinuierliche Abkalbung?
|
 | Wie werden die Vorderwälderkälber vermarktet?
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 | Warum werden nicht mehr Kälber über den Markt in
Donaueschingen verkauft?
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 | Welche Ansatzpunkte gibt es, um den Markt in Donaueschingen
attraktiver zu gestalten?
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 | Wird ein zusätzlicher Kälbermarkt im Südschwarzwald
gewünscht?
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 | Wenn ja, ist das erforderliche Marktvolumen vorhanden ?
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 | Stellt die Ochsenmast eine Alternative dar?
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| Ergebnisse: Von den 60 befragten Betrieben sind 37 dem Haupterwerb und 21 dem
Nebenerwerb zuzuordnen, 2 haben sich nicht geäußert. Die Haupterwerbsbetriebe
erwirtschaften knapp zwei Drittel ihres Einkommens aus der Viehhaltung. Daneben ist der
Wald die zweit wichtigste Einkommensquelle. Bei den Nebenerwerbsbetrieben stammen zwei
Drittel des Einkommens aus außerlandwirtschaftlicher Tätigkeit. Die Viehhaltung liefert
aber immerhin ein Viertel des Einkommens. Dieses Ergebnis überrascht, es wird jedoch
plausibel, wenn man die Viehbestandsgrößen auswertet. Fast alle befragten Betriebe
betreiben Milchviehhaltung (98%). Die Haupterwerbsbetriebe halten durchschnittlich 27
Milchkühe, die Nebenerwerbsbetriebe immerhin durchschnittlich 12 Milchkühe. Die Frage
nach der Zukunftsperspektive ihres Betriebes brachte ein relativ erfreuliches Ergebnis:
Nur etwa ein Viertel der Betriebsleiter sehen die Fortführung ihres Betriebes in Frage
gestellt. Etwa die Hälfte der Betriebe soll stabil weitergeführt werden. Es gibt aber
auch nur wenige Betriebe, die erweitert werden sollen (10-15%). Sehr wenige Betriebe
planen eine Umstellung von der Milchvieh- zur Mutterkuhhaltung. |
| Bei der Kälbervermarktung
waren bei der Befragung insbesondere die Bullenkälber von Interesse, da die Kuhkälber
traditionell zum größten Teil für die Bestandsergänzung aufgezogen werden. Die
Geburtenverteilung erfolgt sowohl beim Haupt-, wie auch beim Nebenerwerbsbetrieb zu 50%
saisonal, die restlichen 50% der Betriebe läßt gleichmäßig verteilt abkalben.
Allerdings erbrachte die erwartete Geburtenverteilung von Februar bis Juli 2001 (siehe
Tabelle 2) keinen ausgeprägten saisonalen Effekt. |
Tabelle 2:
Erwartete Geburtenverteilung von Februar bis Juli 2001
| Februar |
März |
April |
Mai |
Juni |
Juli |
| 118 |
143 |
126 |
143 |
125 |
142 |
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| Die Tatsache, daß
jährlich im Frühjahr ein einzelner Markttermin in Donaueschingen mit überproportional
vielen Kälbern beschickt wird, kann so nicht erklärt werden. Offensichtlich ist das
Untersuchungsgebiet nicht repräsentativ für das gesamte Vorderwäldergebiet. Von den 60 befragten Betrieben liefern etwa die Hälfte Kälber auf
den Markt nach Donaueschingen, 24 Betriebe verkaufen Kälber an Viehhändler und 15
Betriebe verkaufen Kälber auch direkt an Mäster. Einige Betriebe nutzen die drei
genannten Vermarktungswege parallel. |
| Einen starken Einfluß auf
den Vermarktungsweg hat das Verkaufsalter der Kälber: 38 der 60 Betriebe möchten die
Kälber möglichst früh, das heißt zwischen 2 und maximal 4 Wochen alt vermarkten. Nur
ein Drittel der Betriebe will die Kälber länger als vier Wochen behalten. Diese Ergebnis
spiegelt sich auch wieder in den Antworten auf die Frage, warum der Markt in
Donaueschingen nicht stärker genutzt wird: Da der Markt nur einmal im Monat stattfindet,
sind einigen Betrieben die Markttermine zu weit auseinander. Dem gegenüber holen die
Viehhändler die Kälber zeitgerecht ab. |
| Interessanterweise erwarten
viele Betriebe bei der Vermarktung über Viehhändler auch einen höheren Preis. Mehr als die Hälfte der Betriebe würde einen zusätzlichen Markt
in ihrer Region beschicken. Das zu erwartende Marktvolumen ist jedoch mit etwa 50 Kälbern
relativ gering. |
| Ableitungen aus den
Ergebnissen: Wegen des begrenzten
Marktvolumens macht es keinen Sinn, mit Vorderwälder-Bullenkälbern einen zusätzlichen
Markt in der Region zu installieren. Eine Verkürzung der Zeitabstände zwischen den
monatlichen Marktterminen in Donaueschingen kommt aus den gleichen Gründen nicht in
Frage. Das Problem der gewünschten Frühvermarktung könnte jedoch dadurch gelöst
werden, dass weitere bestehende Marktplätze mit für die Vorderwälder-
Bullenkälbervermarktung genutzt werden. Am geeignetsten wäre hierzu der Markt in
Herrenberg, der über die A 81 zügig zu erreichen ist. Allerdings findet der Herrenberger
Markt gegenüber Donaueschingen bis jetzt nur um eine Woche zeitversetzt statt. Will man
diese Chance nutzen, muss eine Zeitversetzung auf zwei Wochen vorgenommen werden, damit
Bullenkälber aus dem südlichen und mittleren Schwarzwald im gewünschten frühen Alter
in Herrenberg angeboten werden können. Diese Vermarktungsalternative setzt jedoch die
Bereitschaft voraus, Kälber 90 Kilometer weiter zu transportieren, was etwas höhere
Transportkosten verursacht als der bisher installierte Abholservice nach Donaueschingen.
Fleckviehkälber aus der Herrenberger Region könnten im Gegenzug zeitgerecht in
Donaueschingen vermarktet werden. |
| Sicherlich muss mit den
Marktpartnern gesprochen werden, ob sie Vorderwälder- Bullenkälber auch in Herrenberg
nachfragen. Die Attraktivität des
Kälbermarktes in Donaueschingen sollte auch durch eine bessere Darstellung und
Interpretation des Marktverlaufs und der Marktergebnisse gesteigert werden.
Tageshöchstpreise, Tagestiefstpreise und Tagesdurchschnittspreise sind wichtig, sollten
aber ergänzt werden. So würde zum Beispiel eine Auswertung, wie viele Kälber welche
Preisklasse erreicht haben, den Tagesdurchschnittpreis wesentlich ergänzen. Auch eine
Zuordnung von Kälbergewichten zu den erzielten Preisen bringt eine aufschlussreichere
Interpretation. Dadurch kann der Landwirt, wenn er die Kälber wiegt, die beim
Viehhändler erzielten Preise viel besser mit denen des Marktes vergleichen. Mit diesen
Maßnahmen kann die Markttransparenz deutlich verbessert und damit der Markt für die
Anbieter attraktiver werden. Am wichtigsten ist natürlich, dass der Markt kontinuierlich
beschickt wird und nicht nur dann, wenn der Viehhändler im Stall zu wenig bietet. Denn
das bringt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage durcheinander und ist vermutlich auch
Ursache für den schlechten Frühjahrsmarkt.
Interessant ist, dass 10 der 60 Betriebe die Ochsenmast
bei entsprechender Preiswürdigkeit als mögliche Produktionsform ansehen. |
| Zusammenfassung: Die Untersuchung brachte auswertbare Ergebnisse, die ohne große
Schwierigkeiten umgesetzt werden können: Detailliertere Marktdarstellung und Aufgreifen
des Wunsches nach Kälbervermarktung im Alter von 14 bis 28 Tagen durch Nutzung
bestehender Märkte bei entsprechender Zeitversetzung. Insgesamt war die Untersuchung eine
erfolgreiche Angelegenheit!
Dr. Armbruster, GF Regionalmarkt Südlicher Schwarzwald
e.V.
Dr. Maus, ZL für Wäldervieh ALLB Referat Tierzucht Donaueschingen |

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Bild 1:
Kälbermarkt in Donaueschingen, wichtig
für die Preisfindung.
Foto: Dr. Maus |

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Bild 2:
Kalb bei der Versteigerung:
"Was bin ich Euch wert ?"
Foto: Dr. Maus |
| Dr. Maus - 06/2001 |