Erste gute
Erfahrungen
Nachdem im August
die genomische Zuchtwertschätzung als offizielles Verfahren auch für
Fleckvieh etabliert wurde, konnten in den letzten Monaten erste
Erfahrungen im Umgang mit den neuen Informationen gemacht werden. Die
jungen Bullen erfreuen sich schon sehr großer Beliebtheit und bestimmen
bereits das Besamungsgeschehen in Baden-Württemberg.
Diskussion um
optimalen Einsatz
Nachdem im August vier
Jahrgänge zeitgleich verfügbar wurden und der Landwirt eine enorme
Anzahl von verschiedenen Blutlinien und Bullen zur Auswahl hatte,
entfaltet sich mittlerweile eine facettenreiche Diskussion zur optimalen
Nutzung der genomischen Bullen. Dabei werden zum Teil unberechtigte
Ängste geschürt. Bereits in der Vergangenheit wurden 20 bis 30 % der
Tiere mit Prüfbullen besamt. Diese Bullen verfügten außer dem
Pedigreezuchtwert nur über wenig zusätzliche Information. Die
Erfahrungen mit Prüfbullen sind über alle Rassen hinweg in
Baden-Württemberg sehr gut gewesen. Nun kommen junge Bullen, die noch
schärfer und höher selektiert wurden mit deutlich mehr Informationen,
die Sicherheiten der jungen Bullen liegen zwischen 60 und 67 % im Milch-
und Gesamtzuchtwert. Bei diesen Sicherheiten kommt es natürlich auch zu
Schwankungen, wenn die Töchter dieser Bullen in Milch kommen.
Dies ist jedoch kein
Phänomen von genomischen Zuchtwerten allein. Bereits in der
Vergangenheit konnten von einer zur anderen Zuchtwertschätzung
Veränderungen festgestellt werden, zum Teil auch massive Verschiebungen,
wenn große Töchterzahlen aus dem Wiedereinsatz dazu kamen. In
verschiedenen Veröffentlichungen konnte in den letzten Monaten gezeigt
werden, dass die Erwartungstreue der Bullen sehr gut gegeben ist und
damit einem breiten Einsatz nichts entgegensteht. Ziel muss es dabei
sein, die höchsten Bullen zu nutzen, da trotz Abschreibung und evtl.
Schwankungen diese immer noch überdurchschnittlich sind. Um das
verbleibende Restrisiko abzupuffern ist man sicherlich gut beraten auf
genomische Bullen zu setzen, und dabei eine größere Anzahl verschiedener
Bullen und Blutführungen im Bestand zu nutzen.
Wille übernimmt
Führung
Mit einem gewaltigen
Satz von 4 Punkten kann sich Wille als Listenführer vor seinen Vater
setzen. Vier Punkte im Milchwert, ein Punkt in der Fitness und weitere
Verbesserungen in Fundament und Euter tragen dazu bei, dass sich Wille
als bester Winnipeg-Sohn etabliert. Wille geht auf die Zucht von Simpert
Dangelmaier, Simmisweiler zurück und stammt aus der bekannten
Leonie-Familie. Mit seinem Zuchtwert von GZW 147 lässt er die vielen
Winnipeg-Söhne hinter sich. Inzwischen ist die Nachfrage nach Wille so
groß, dass es zu Versorgungsengpässen kommen kann. Leider sind es vor
allem die Winnipeg-Söhne, die gerade mit Töchterergebnissen anlaufen
und, abgesehen von Wille, die Entscheidung leicht machen, auf genomische
Bullen zu setzen. Auch Winnor, der mit GZW 140 ein sehr hohes Niveau
halten kann, muss deutliche Abstriche im Euter verzeichnen. Als weitere
neue Bullen mit Töchtern kommen Wio (GZW 132) und Wibond (GZW 128),
beide aus der Zucht von Alois Oblinger, Kasing dazu. Wio zeigt bei
knapperem Format fast +1.000 kg Milch, Wibond zeigt sich bei guter
Fitness vergleichbar in der Leistungsbereitschaft. Erfreulicher Weise
kann sich Vanel mit weiteren Informationen bei GZW 129 bestätigen und
zeigt sich stabil in Milchmenge und Exterieur.
Genomische Bullen
in der Spitze
Mit Vulcano kann sich
in der Spitze bei einem goGZW von 146 der höchste Rureif-Sohn
platzieren. Er geht auf Horwein-Tochter Sterne und damit auf die
Rainer-Kuhfamilie zurück. Auch vom Rumba-Sohn Rumgo können sich eine
Reihe von Söhnen sehr gut platzieren. Interessantester Sohn ist der
Bulle Vogt, der bereits als Bullenvater im Einsatz war. Die
überzeugendsten Rau-Söhne sind Rave, Vauxal, Rauwat und Vaudela. Rave
und Rauwat waren bereits als Bullenväter im Einsatz.
Alle vier zeigen eine
sehr gute Eutervererbung. Rave ist mit 132 einer der höchsten
Eutervererber der Rasse, Vauxal zeigt 139 für Fitness und Rauwat
kombiniert ausreichend Körper mit guter Milchmenge und Melkbarkeit.
Vaudela kann seinen Gesamtzuchtwert halten und zeigt noch 128 in der
Eutervererbung. Höchster Resolut-Sohn bleibt Iwinn, der bereits sehr
stark im Gebiet eingesetzt worden ist und zudem als Bullenvater
Verwendung gefunden hat. Mit goGZW 138 und +1.387 kg Milch bei gutem
Exterieur zeigt er sich fehlerfrei. Hoch interessant ist auch der
Rawalf-Sohn Valot. Mit Rawalf aus Gebalot ist er alternativ gezogen und
einer der ersten Rawalf-Söhne überhaupt. Neben der ansprechenden
Leistungsvererbung von +742 kg Milch zeigt er sich überzeugend in der
Eutervererbung mit 129. Dabei sind vor allem sein hoher Euterboden,
seine korrekte Strichplatzierung und sein Euterkörper hervorzuheben.
Hupsol gibt etwas
nach
Mit einer großen Zahl
von Töchtern aus dem Wiedereinsatz gibt der breit eingesetzte Bulle
Hupsol etwas in der Leistung nach und zeigt nun noch +534 kg Milch bei
knapperen Inhaltsstoffen. Dagegen müssen auch seine Söhne ankämpfen, die
z.T. etwas an Punkten verlieren. Gegen den Trend halten kann sich dabei
Odin, der wie Ogad auf die A-Familie von Simpert Dangelmaier zurückgeht.
Ofir, der ebenfalls stark genutzt wurde, hält seinen Zuchtwert für Euter
und geht im Gesamtzuchtwert auf nun 129 zurück. Sein Fitnesszuchtwert
bestätigt sich bei 132. Auf die gleiche Kuhfamilie gehen Ippo und Ilhipp
zurück, die zu den attraktivsten Ilion-Söhnen gehören.
Die überzeugendsten
Manitoba-Söhne sind Manton, Manuap und Manstress. Manuap kann sich noch
etwas verbessern und liegt nun bei goGZW 134. Mit Renipeg und Reonis
stehen zwei auffallende Renwart-Söhne zur Verfügung. Reonis
(Renwart*Dionis) stammt aus der Zucht von Reinhold Haag, Berwinkel und
zeigt +1.316 kg Milch. Von den geprüften Vererbern des eigenen
Programmes konnte sich Murai erneut um zwei GZW-Punkte verbessern. Wagut
hält sich bei GZW 124, während Wapold etwas nachgibt.
Auch wenn wenige neue
Bullen mit Töchterergebnissen gekommen sind, zeigt die
Dezemberzuchtwertschätzung doch durch die junge Generation an
genomischen Bullen ein breites und in seiner Höhe nie gekanntes Niveau,
das für die Zukunft großen Zuchtfortschritt vor allem auch in allen
Fitnessmerkmalen erwarten lässt.