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Zuchtwertbericht Fleckvieh (Topbullen)

Neues aus der Zuchtwertschätzung Dezember 2011
Fleckvieh

Erste gute Erfahrungen

Nachdem im August die genomische Zuchtwertschätzung als offizielles Verfahren auch für Fleckvieh etabliert wurde, konnten in den letzten Monaten erste Erfahrungen im Umgang mit den neuen Informationen gemacht werden. Die jungen Bullen erfreuen sich schon sehr großer Beliebtheit und bestimmen bereits das Besamungsgeschehen in Baden-Württemberg.

Diskussion um optimalen Einsatz

Nachdem im August vier Jahrgänge zeitgleich verfügbar wurden und der Landwirt eine enorme Anzahl von verschiedenen Blutlinien und Bullen zur Auswahl hatte, entfaltet sich mittlerweile eine facettenreiche Diskussion zur optimalen Nutzung der genomischen Bullen. Dabei werden zum Teil unberechtigte Ängste geschürt. Bereits in der Vergangenheit wurden 20 bis 30 % der Tiere mit Prüfbullen besamt. Diese Bullen verfügten außer dem Pedigreezuchtwert nur über wenig zusätzliche Information. Die Erfahrungen mit Prüfbullen sind über alle Rassen hinweg in Baden-Württemberg sehr gut gewesen. Nun kommen junge Bullen, die noch schärfer und höher selektiert wurden mit deutlich mehr Informationen, die Sicherheiten der jungen Bullen liegen zwischen 60 und 67 % im Milch- und Gesamtzuchtwert. Bei diesen Sicherheiten kommt es natürlich auch zu Schwankungen, wenn die Töchter dieser Bullen in Milch kommen.

Dies ist jedoch kein Phänomen von genomischen Zuchtwerten allein. Bereits in der Vergangenheit konnten von einer zur anderen Zuchtwertschätzung Veränderungen festgestellt werden, zum Teil auch massive Verschiebungen, wenn große Töchterzahlen aus dem Wiedereinsatz dazu kamen. In verschiedenen Veröffentlichungen konnte in den letzten Monaten gezeigt werden, dass die Erwartungstreue der Bullen sehr gut gegeben ist und damit einem breiten Einsatz nichts entgegensteht. Ziel muss es dabei sein, die höchsten Bullen zu nutzen, da trotz Abschreibung und evtl. Schwankungen diese immer noch überdurchschnittlich sind. Um das verbleibende Restrisiko abzupuffern ist man sicherlich gut beraten auf genomische Bullen zu setzen, und dabei eine größere Anzahl verschiedener Bullen und Blutführungen im Bestand zu nutzen.

Wille übernimmt Führung

Mit einem gewaltigen Satz von 4 Punkten kann sich Wille als Listenführer vor seinen Vater setzen. Vier Punkte im Milchwert, ein Punkt in der Fitness und weitere Verbesserungen in Fundament und Euter tragen dazu bei, dass sich Wille als bester Winnipeg-Sohn etabliert. Wille geht auf die Zucht von Simpert Dangelmaier, Simmisweiler zurück und stammt aus der bekannten Leonie-Familie. Mit seinem Zuchtwert von GZW 147 lässt er die vielen Winnipeg-Söhne hinter sich. Inzwischen ist die Nachfrage nach Wille so groß, dass es zu Versorgungsengpässen kommen kann. Leider sind es vor allem die Winnipeg-Söhne, die gerade mit Töchterergebnissen anlaufen und, abgesehen von Wille, die Entscheidung leicht machen, auf genomische Bullen zu setzen. Auch Winnor, der mit GZW 140 ein sehr hohes Niveau halten kann, muss deutliche Abstriche im Euter verzeichnen. Als weitere neue Bullen mit Töchtern kommen Wio (GZW 132) und Wibond (GZW 128), beide aus der Zucht von Alois Oblinger, Kasing dazu. Wio zeigt bei knapperem Format fast +1.000 kg Milch, Wibond zeigt sich bei guter Fitness vergleichbar in der Leistungsbereitschaft. Erfreulicher Weise kann sich Vanel mit weiteren Informationen bei GZW 129 bestätigen und zeigt sich stabil in Milchmenge und Exterieur.

Genomische Bullen in der Spitze

Mit Vulcano kann sich in der Spitze bei einem goGZW von 146 der höchste Rureif-Sohn platzieren. Er geht auf Horwein-Tochter Sterne und damit auf die Rainer-Kuhfamilie zurück. Auch vom Rumba-Sohn Rumgo können sich eine Reihe von Söhnen sehr gut platzieren. Interessantester Sohn ist der Bulle Vogt, der bereits als Bullenvater im Einsatz war. Die überzeugendsten Rau-Söhne sind Rave, Vauxal, Rauwat und Vaudela. Rave und Rauwat waren bereits als Bullenväter im Einsatz.

Alle vier zeigen eine sehr gute Eutervererbung. Rave ist mit 132 einer der höchsten Eutervererber der Rasse, Vauxal zeigt 139 für Fitness und Rauwat kombiniert ausreichend Körper mit guter Milchmenge und Melkbarkeit. Vaudela kann seinen Gesamtzuchtwert halten und zeigt noch 128 in der Eutervererbung. Höchster Resolut-Sohn bleibt Iwinn, der bereits sehr stark im Gebiet eingesetzt worden ist und zudem als Bullenvater Verwendung gefunden hat. Mit goGZW 138 und +1.387 kg Milch bei gutem Exterieur zeigt er sich fehlerfrei. Hoch interessant ist auch der Rawalf-Sohn Valot. Mit Rawalf aus Gebalot ist er alternativ gezogen und einer der ersten Rawalf-Söhne überhaupt. Neben der ansprechenden Leistungsvererbung von +742 kg Milch zeigt er sich überzeugend in der Eutervererbung mit 129. Dabei sind vor allem sein hoher Euterboden, seine korrekte Strichplatzierung und sein Euterkörper hervorzuheben.

Hupsol gibt etwas nach

Mit einer großen Zahl von Töchtern aus dem Wiedereinsatz gibt der breit eingesetzte Bulle Hupsol etwas in der Leistung nach und zeigt nun noch +534 kg Milch bei knapperen Inhaltsstoffen. Dagegen müssen auch seine Söhne ankämpfen, die z.T. etwas an Punkten verlieren. Gegen den Trend halten kann sich dabei Odin, der wie Ogad auf die A-Familie von Simpert Dangelmaier zurückgeht. Ofir, der ebenfalls stark genutzt wurde, hält seinen Zuchtwert für Euter und geht im Gesamtzuchtwert auf nun 129 zurück. Sein Fitnesszuchtwert bestätigt sich bei 132. Auf die gleiche Kuhfamilie gehen Ippo und Ilhipp zurück, die zu den attraktivsten Ilion-Söhnen gehören.

Die überzeugendsten Manitoba-Söhne sind Manton, Manuap und Manstress. Manuap kann sich noch etwas verbessern und liegt nun bei goGZW 134. Mit Renipeg und Reonis stehen zwei auffallende Renwart-Söhne zur Verfügung. Reonis (Renwart*Dionis) stammt aus der Zucht von Reinhold Haag, Berwinkel und zeigt +1.316 kg Milch. Von den geprüften Vererbern des eigenen Programmes konnte sich Murai erneut um zwei GZW-Punkte verbessern. Wagut hält sich bei GZW 124, während Wapold etwas nachgibt.

Auch wenn wenige neue Bullen mit Töchterergebnissen gekommen sind, zeigt die Dezemberzuchtwertschätzung doch durch die junge Generation an genomischen Bullen ein breites und in seiner Höhe nie gekanntes Niveau, das für die Zukunft großen Zuchtfortschritt vor allem auch in allen Fitnessmerkmalen erwarten lässt.

Dr. A. Weidele

 

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