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Schon mit 13 Monaten schlachtreif

Hinterwälderbullen sind deutlich leistungsstärker als bisher angenommen. Sie können bei zügigem Wachstum eine ausgezeichnete Fleischqualität liefern und bereits mit 13 Monaten die Schlachtreife erreichen. Dies ergab ein Versuch zur intensiven Bullenmast an der LVVG Aulendorf und die anschließende Fleischqualitätsuntersuchung an der BAFF in Kulmbach.
Fotos: siehe unten

Dr.Thomas Jilg, LVVG Aulendorf, Dr. Christoph Augustini, BAFF Kulmbach und Dr. Franz Maus, ALLB Donaueschingen.

Jede Form der Rindermast muß eine gewisse Intensität aufweisen, wenn ein Premium-Produkt erzeugt werden soll. Dies kann im Rahmen der Mutterkuhhaltung auf der Basis von Milch und Gras, bei der konventionellen Mast auf der Basis von Maissilage, Grassilage, Getreide und Proteinträgern erfolgen. Weil das Wachstumsvermögen und die Fleischqualität des Hinterwälderrindes nicht exakt bekannt sind, sollten in einem Intensivmastversuch Daten zu diesem Komplex gewonnen werden.

Es wurden in Zuchtbetrieben 12 Bullenkälber mit durchschnittlich 70 kg angekauft. Die Mastabschnitte sind in Tabelle 1 dargestellt. Die Kälber wurden in Aulendorf zunächst mit 34 kg Milchaustauscher (44 % Magermilchpulver, 22 % Rohprotein, 19 % Fett), Kälberaufzuchtfutter, Heu und Maissilage über 48 Tage aufgezogen. Mit der Fütterung von Maissilage wurde drei Wochen nach der Aufstallung begonnen.

In der 78 Tagen dauernden Vormast die Tiere mit Maissilage, Heu und KA-Eigenmischung gefüttert (48 % Getreide, 28 % Proteinträger, 20 % Trockenschnitzel, 4 % Mineralfutter, 1 % Öl). Die Kraftfuttermengen wurden auf 2 kg pro Tag begrenzt.

Die Fütterung in der Hauptmast erfolgte in den nächsten 140 Tagen auf der Basis von 2 kg Bullenmastkraftfutter und Maissilage ad libitum. In den ersten 8 Tagen wurde außerdem täglich 1 kg Heu, in den folgenden 42 Tagen 0,5 kg Heu gefüttert. Infolge der beginnenden Verfettung wurde am 19.1.99 auf Grassilage umgestellt. Die Ration mit Grassilage und 2 kg Kraftfutter wurde bis zum Schlachten je nach Schlachtdatum bis zu 91 Tagen gefüttert. Die Mastabschnitte sind in Tabelle 1 zusammenfassend dargestellt. In Tabelle 2 sind die Inhaltsstoffe der verwendeten Futtermittel aufgeführt.

Tabelle 1: Mastabschnitte

Aufzuchtphase

Mastphase

Tränkeperiode
48 Tage

Vormast
78 Tage

Hauptmast I
140 Tage

Hauptmast II
82 Tage

Milch
Heu
RKW183
KA-Eigen-
mischung

Heu
Maissilage
KA-Eigen-
mischung

Heu
Maissilage
KF-28/3

Grassilage
KF-20/3

70 bis 197 kg LM

198 bis 381 kg LM

382 bis 453 kg LM

Tabelle 2: Nährstoffgehalte und Zusammensetzung der Futtermittel
 

Heu

Mais-silage

Gras-
silage

RKW
183
(KAZ)

KA-Eigen-
mischung

KF-28/3

KF-20/3

Trockensubstanz %

87,2

37,0

34,0

88,0

90,0

88,5

88,2

Rohprotein, % i.TS

12,3

8,2

16,3

20,4

19,6

28,8

20,6

ME, MJ/kg TS

10,0

10,5

10,2

12,3

12,0

12,9

12,2

NEL, MJ/kg TS

5,9

6,3

6,1

7,6

7,4

8,1

7,6

Jilg-LVVG 99

Ergebnisse

In Tabelle 3 sind die wichtigsten Versuchsergebnisse zusammengestellt. Die Ergebnisse werden mit den Mastleistungen von Fleckviehbullen verglichen, die zeitgleich auf der Basis von Maissilage und zwei Kilogramm Kraftfutter gemästet wurden. Die Zunahmen der Hinterwälderbullen in der Aufzucht und Vormast betrugen 1009 Gramm pro Tag. In der ersten Mastphase von 198 kg bis 381 kg LM gingen die Zunahmen auf 1310 g/Tag hoch. Um eine zu frühe Verfettung zu verhindern wurde im letzten Mastabschnitt die Mastintensität durch Umstellung auf Grassilage (382 bis 453 kg LM) gesenkt. Dadurch fielen die Tageszunahmen auf 923 g/Tag zurück. Die mittleren Zunahmen über die ganze Mastphase betrugen 1110 g/Tag. Bezogen auf die Lebenstage lagen die Zunahmen bei 1112 Gramm, wenn 25 kg Geburtsgewicht unterstellt werden. Damit erwiesen sich die Hinterwälderbullen als deutlich leistungsstärker als bisher angenommen. In einem älteren Aulendorfer Versuch wurden mit heißluftgetrocknetem Grünfutter im Schnitt 906 g Zunahmen pro Tag erzielt. Bei 8 Absetzern aus einer Mutterkuhherde wurden bis zu einer Lebendmasse von 287 kg 881 g Zunahmen pro Tag gemessen.

Die Fleckviehbullen waren knapp 16 Monate, die Hinterwälderbulle knapp 13 Monate alt. Damit waren die Voraussetzungen für die Fleischqualität gut. Von den Feckviehbullen wurden 55 % mit U und 45 % mit R, von den Hinterwäldern 27 % mit U und 73 % mit R klassifiziert.

Tabelle 3: Produktionsdaten des Vergleichsversuchs
Merkmal

Fleckvieh

Hinterwälder

Schlachtalter,Tage

480

385

Lebendmasse beim Schlachten, kg

620

453

Lebenstagszunahme 1), g

1198

1112

Einstallgewicht, kg  

73,1

Masttage  

344

Zunahmen ab Einstallung, g  

1110

Schlachtgewicht

343

240

Schlachtausbeute2), %

58,2

55,9

Nieren-/Beckenfett, %

2,97

3,25

Fleischigkeitsklasse, EUROP3)

2,36

2,73

Fettgewebsklasse, 1- 5

2,27

2,54

1) Lebendgewicht abzüglich Geburtsgewicht (FV 43 kg; HW 25 kg)/Alter
2) 5 % Nüchterungsabzug
3) E = 1; U = 2; R = 3; O = 4; P = 5

Die Untersuchungen zur Fleischqualität wurden an Proben aus der Hochrippe (9.-11.Rippe)der rechten Schlachthälfte durchgeführt.

Der End-pH-Wert und die Fleischfarbe lag bei allen Bullen im erwünschten Bereich. Das Oberflächenfett der Hinterwälderbullen war signifikant gelber. Dies ist durch den höheren Karotingehalt der Grassilage in der Endmast bedingt. Der Anteil an intramuskulärem Fett im langen Rückenmuskel (L.dorsi) war beiden Hinterwälderbullen im Schnitt etwas höher. Beim Fleckvieh lagen aber 72 % über 2,5%, von den Hinterwäldern 64 %.

Die Beurteilung von Marmorierung, Muskelfaserfläche und Scherkraft war bei den Hinterwälderbullen günstiger. Auch in der sensorischen Bewertung von Zartheit, Saftigkeit und Aroma anhand von Grillversuchen schnitten die Hinterwälderbullen besser ab. Beide Rassen lagen aber über 3 Punkten. Aufgrund der großen Streuung konnten die Unterschiede nur für die Muskelfaserfläche statistisch abgesichert werden.

Tabelle 4: Fleischqualität

Merkmal

Fleckvieh

Hinterwälder

erwünschte
CMA-Richtwerte

End-pH-Wert

5,52

5,48

5,5

Fleischfarbe

41,60

40,83

> 34

Fettfarbe

5,95a

9,87b

 

intramuskuläres Fett im L.Dorsi

2,72

2,87

> 2,50

Marmorierung, Punkte

2,22

2,41

 

Muskelfaserfläche, m m2

3919ª

3140b

 

Scherkraft, kg

6,36

4,73

< 4,0

Zartheit

3,47

3,96

> 3

Saftigkeit

3,56

3,70

> 3

Aroma

3,36

3,65

> 3

Zusammenfassung

Hinterwälderbullen können bei zügigem Wachstum eine ausgezeichnete Fleischqualität liefern. Sie können dann bereits mit 13 Monaten die Schlachtreife erreichen. In bestimmten Gewichtsabschnitten können bis 1300 Gramm Zunahmen erreicht werden. Für Jungbullen konnte in den Aulendorfer Versuchen ein ungewöhnlich hoher intramuskulärer Fettgehalt erzielt werden. In der sensorischen Bewertung lagen die Bullen im oberen erwünschten Bereich. Besonders hervorzuheben ist die Feinfaserigkeit der Muskulatur der Hinterwälder und die damit verbundene Zartheit. Diese ist das wichtigste Qualitätskriterium beim Rindfleisch.
Aufgrund der vorgestellten Ergebnisse empfiehlt sich eine rassespezifische Vermarktung von Hinterwälderfleisch.

Wenn keine Maissilage zur Verfügung steht, können Hinterwälderbullen auch mit Grassilage und Heu gemästet werden. Wenn die Energiedichte der Grassilage 10 MJ ME/kg TS beträgt, genügen 2 kg einer Getreide-/Sojaschrotmischung, um eine ausreichende Energieversorgung sicherzustellen. Um die unerwünschte Gelbfärbung des sichtbaren Fettes zu verhindern, müssen die Tiere in den letzen 3 Monaten auf der Basis Heu und Kraftfutter ausgemästet werden.

Eine Steigerung der Kraftfuttermenge zur Ausschöpfung des Wachstumspotentials auf 3,5 kg pro Tier und Tag kann unter den derzeit geltenden Preisrelationen wirtschaftlich sein.

Wenn die Futterqualität nur für 600 bis 800 Gramm Zunahmen ausreicht, ist eine Ochsenmast, oder Färsenmast, die dann auch Mastabschnitte mit Weidegang beinhalten kann, angezeigt.

In diesen Verfahren können mit weniger hohen Zunahmen gute Fleischqualitäten erzeugt werden.

Dr.Thomas Jilg, LVVG Aulendorf, Dr. Christoph Augustini, BAFF Kulmbach und Dr. Franz Maus, ALLB Donaueschingen.

Hinterwälderbullen des Aulendorfer Mastversuchs;
Foto: Dr. Maus

Solche Hinterwälderschlachtkörper lassen
sich sehr gut vermarkten!
Foto: Dr. Weinberg

So stellen sich die HW-Hochrippen bei ver-
schiedenen Handelsklassen dar: U2,R2,R2,U3
Foto: Dr. Weinberg
 

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