Das erste Februarwochenende ist
inzwischen bei vielen süddeutschen Fleischrinderzüchtern fest gebucht für
unsere Fleischrindertage, die Einkaufsgelegenheit passend vor dem
Frühjahrsaustrieb. Bereits das dritte Mal war Ilshofen Austragungsort dieser
Gemeinschaftsveranstaltung der Rinderunion Baden-Württemberg und des
Fleischrinderverbandes Bayern. Züchter und Gäste aus allen Regionen
Deutschlands und des angrenzenden Auslands waren hier, einschließlich eines
Fernsehteams des ZDF. Es gab viel zu sehen, 70 Verkaufstiere, ein
Rahmenprogramm mit 16 Schaubullen und weiteren Schautieren, alles
hervorragend dargeboten in den perfekten Räumlichkeiten der Arena Hohenlohe.
Angus war mit einer starken
Verkaufskollektion vertreten, 30 Bullen plus 7 Rinder im Alter von 9 bis 15
Monaten. Bei Limousin kamen 22 Bullen zum Verkauf, Charolais bot 8 Bullen
auf , inklusive eines genetisch hornlosen mit besonders interessanter
Blutführung. Komplettiert wurde das Angebot durch drei sehr junge, genetisch
hornlose Fleckvieh-Fleischbullen. Bei Anlieferung wurden alle Tiere gewogen
und im Rückenmuskel per Ultraschall vermessen. Diese zusätzliche objektive
Information zur Bemuskelung der Tiere wurde allen Interessenten zur
Verfügung gestellt, ebenso die Ergebnisse der freiwilligen Testung auf das
Doppellendergen bei den Angusbullen. Die Marktbullen wurden am Freitag in
zwei Ringen gekört und gereiht, wobei bereits auffiel, dass der eine oder
andere ganz besondere Kandidat dabei war.
Jungzüchter und Schau
Der
Züchterabend am Freitag war ganz den Jungzüchtern und Schautieren gewidmet.
Dr. Josef Dissen vom Fleischrinderherdbuch Bonn ging als Preisrichter in
bekannt lockerer und für das Publikum sehr informativer Art zu Werke. 13
hochmotivierte Jungzüchter stellten sich in zwei Altersklassen seinem
Urteil. Bei den Junioren schnitt der erst 12-jährige Tobias Schneider aus
Adelmannsfelden, Württemberg, als Sieger am besten ab, er konnte mit der
Präsentation des rahmigen Limousinbullen sehr beeindrucken. Die „Alten“
unter den Jungzüchtern gingen sehr professionell zu Werke; hier konnten
selbst gestandene Züchter sich noch etwas abschauen. Reservesieger wurde
Aaron Fellmann (20) vom Angus-Zuchtbetrieb in Löwenstein, Württemberg. Den
roten Körsieger Angus durfte Laura Winhart (16) erfolgreich präsentieren,
auch als bayerisches Tandem im Jungzüchterwettbewerb waren beide nicht zu
schlagen.

Laura Winhart (16) und Tobias Schneider (12)
waren die besten der Jungzüchter

Jungzüchterchampion Tobias Schneider (12) aus
Adelmannsfelden präsentiert gekonnt seinen Bullen

Auch Rebecca Böttinger (12) aus Gechingen
zeigte keine Angst vor großen Tieren
Der
gesamte Schauwettbewerb wurde überstrahlt von der beeindruckenden Kollektion
an Limousinbullen. Sieben Zuchtbullen aus dem Herdeneinsatz demonstrierten
die Bandbreite bester Limousingenetik in Baden-Württemberg. Zusätzlich
wurden einige besonders attraktive Rinder im Stall gezeigt, u.a. aus den
RBW-Besamungsbullen Eldorado und Vagner. In der Klasse der älteren Bullen
zeigte sich der knapp vierjährige Calvi von Gebhard Spieler aus
Eberhardzell-Ampfelbronn, gezogen in Frankreich aus Timide x Nounours, als
der kompletteste Bulle mit überragender Bemuskelung. Unter den drei jüngeren
war Boyson, ein Boyscout-Sohn von Bernd Heinzmann, Engstingen, aus dem
Zuchtbetrieb von Andreas Lamparth, Altensteig, unschlagbar.

Bester Limousin und auch Interbreed-Champion
Intensiv wurde Calvi von Gebhard Spieler, Ampfelbronn

Bernd Heinzmann, Engstingen, war mit Boyscout
bei den jüngeren Schaubullen Limousin unschlagbar
Bei den
Altbullen Angus setzte sich der sehr elegante, typstarke, in Irland gezogene
DM Rossiter aus dem bekannten Zuchtbetrieb von Bernhard Delle, Gundelfingen,
gegen den sehr gut bemuskelten Sulmboy aus dem Zuchtbetrieb von Hannes
Fellmann in Löwenstein durch.

Anguszucht global zeigt DM Rossiter von
Berhard Delle mit amerikanisch-europäisch-neuseeländischer Blutführung
DM
Rossiter weist eine interessante globale Angusabstammung auf: USA, Kanada,
Neuseeland und Großbritannien finden sich im Pedigree. Zum
Interbreed-Champion Intensiv reichte es jedoch auch für ihn nicht ganz gegen
den übermächtigen Limousinsieger Calvi, der somit auch den top-bemuskelten,
sehr korrekten Salerbullen Bebert der Universität Hohenheim sowie den
mittelrahmigen, sehr fleischreichen Fleckviehbullen Promi von Hans-Jochen
Burkhardt, Würzbach, schlagen konnte.

Fleckvieh-Fleisch Altbulle Promi aus der
Zucht von Hans-Jochen Burkhardt, Würzbach
Bei den
Extensivrassebullen traten zwei rote Galloways aus den Zuchtbetrieben von
Hubert Mielke (Dornstadt) und Karl Ederle (Bissingen) gegen zwei Zwergzebus
von Franz Unseld (Donaurieden) und Michael Kubisek (Karben) sowie einen
jungen, sehr typstarken Highland von Josef Stützle aus Bad Schussenried an.
Letztlich siegte der älteste, der bereits 12-jährige, überragend bemuskelte
Zwergzebubulle Ilja von Franz Unseld. Trotz seines Alters zeigte sich Ilja
in bester Schaukondition mit top-Fundament, typisch für die extrem
langlebigen Zwergzebus, die nicht selten 20 Jahre und älter werden.

Karl Ederle mit Caruso, ein Traumpaar bei
Galloway,
Preisübergabe durch die Herdbuchführerin der RBW, Andrea Nüssle

Noch sehr jung aber typstark zeigte sich der
Highlandbulle von Josef Stützle

Bebert der Uni Hohenheim: ein traumhaft gut
bemuskelter Salers

Michael Unseld (16) aus Donaurieden
präsentierte den späteren Interbreed-Champion Extensiv Ilja (12),
Symbol für langlebige Zwergzebus
Körung und
Auktion

Aufstellung der Körsieger vor der Auktion

Karl Ederle ganz in seinem Element: bei den
heiß Begehrten machte das Versteigern Freude
Das breite Angebot der Rasse Angus
bot für jeden Kaufinteressenten das, was er sucht: schwarz oder rot, Deutsch
Angus oder Aberdeen, besonders typstark oder extrem fleischreich.
Unangefochtener Siegerbulle war der mit Typ 8. Bemuskelung 9 und Skelett 8
gekörte rote Siegerbulle von Manfred Winhart aus Herrieden (Zuchtwert
Fleisch RZF 106, Tageszunahme 1389 g), der sich trotz extremer Fleischfülle
und 729 kg elegant auf korrektem Fundament bewegte.

Top-Körsieger Angus von Manfred Winhart ging
für 4600 € zu Klaus Helms ins Badische
Für den Höchstpreis bei Angus mit 4100 €
sicherte sich Klaus Helms aus dem badischen Neckargerach diesen
Ausnahmebullen. Der sehr elegante schwarze Reservesieger, mit 8-8-8 gekört
und RZF 111 bei 1325 g Tageszunahme, aus dem Zuchtbetrieb Hertfelder
(Kreßberg) ging für 2500 € von Hohenlohe nach Brandenburg.

Der Reservesieger Angus von Hertfelders deckt
künftig in Brandenburg
Ebenfalls hohe Preise erzielten zwei
weitere Klassensieger mit 3400 €, ebenfalls ein roter Bulle, und 2700 €,
beide mit Tageszunahmen über 1350 g und RZF von 109 und 111. Sie gingen in
den Kreis Göppingen und in den Schwarzwald. Festzuhalten bleibt, hohe
Tageszunahmen und gute Zuchtwerte in der Fleischleistung waren bei Angus
gefragt, rote Farbe ebenso, Doppellender waren unerwünscht, alle fünf
positiv getesteten bekamen kein Gebot. 20 von 30 Bullen wurden verkauft,
einige zu guten, aber viele auch nur zum Mindestgebot von 1800 €, im Mittel
wurden 2185 € erzielt. Fünf der sieben Rinder wurden verkauft, jedoch
konnten die Preise nicht befriedigen, lediglich ein Rind erzielte mit 950 €
einen akzeptablen Preis, die übrigen wurden zum Anschlagspreis von 800 €
verkauft.
Bei Charolais wurden sechs der acht
Bullen vermarktet, hier wurden gute Preise von 2000 € aufwärts
erzielt, im Mittel 2967 €. Der Körsieger mit 8-8-8 aus der bekannten
bayerischen Zuchtstätte Allmansberger, 1458 g Tageszunahme und RZF 114, ging
für 2800 € in den Betrieb Bischoff nach Obersulm.

Nach Württemberg ging der Charolais Körsieger
von Allmannsberger
Sehr gefragt und besonders teuer war der
einzige genetisch hornlose Bulle aus dem Zuchtbetrieb Randlkofer,
vorgestellt von Silvia Grauf, Feuchtwangen. Dieser Kör-Reservesieger, gut
bemuskelt, elegant und dabei mit bester Tageszunahme von 1483 g, war heiß
umworben. Letztlich sicherte sich die bekannte Zuchtstätte für hornlose
Charolais, Familie Sauer aus dem badischen Dielheim, diesen hoch veranlagten
Vererber für 4500 €.

Heiß umworben: Charolais, genetisch hornlos,
für 4500 € zum Zuchtbetrieb Sauer, Dielheim
Von den drei genetisch hornlosen
Fleckvieh-Bullen konnten zwei ihren Käufer finden, wobei der Sieger, ein
sehr typstarker, eleganter und gleichmäßig bemuskelter Maximilian-Sohn mit
seinen erst 11 Monaten sehr beeindruckte. Mit 7-8-8 gekört und 1439 g
Tageszunahme blieb er für 2000 € in Württemberg.

Mit 11 Monaten schon top in Form der
Körsieger Fleckvieh Fleisch
Höhepunkt der Auktion war die Rasse
Limousin: der Kör-Reservesieger erzielte dabei mit 5300 € den
Tageshöchstpreis aller Rassen. Mit 8-9-8 gekört, mit bestem RZF (115) und
bester Tageszunahme (1372 g) aller Limousin-Bullen war es nur logisch, dass
auch die Besamung an ihm interessiert war. Doch der Zuchtbetrieb Lamparth
aus Altensteig sicherte letztlich diesen Top-Bullen von Hans Fehn aus
Oberfranken für die Zucht in Württemberg. Dafür ging der 8-8-8 gekörte
Siegerbulle für 2600 € aus dem württembergischen Zuchtbetrieb von Gebhard
Spieler aus Ampfelbronn ins benachbarte Bayern nach Leipheim.

Körsieger Limousin aus dem Betrieb Spieler,
Ampfelbronn
Drei der insgesamt 22 angebotenen Bullen
waren genetisch hornlos, sie erzielten 2600 € im Mittel, während das
Gesamtmittel bei 2505 € lag. Also auch hier war genetisch hornlos gefragt!

Reservesieger ganz vorne: zum
Tageshöchstpreis von 5300 € vom Limousinbetrieb Fehn in
Oberfranken nach Altensteig zum Zuchtbetrieb Lamparth
Als Fazit
kann festgehalten werden: Viele Zucht- und Haltungsbetriebe haben heuer in
Ilshofen die Chance verpasst, sich für überschaubares Geld aus breitem
Angebot mit bester Genetik einzudecken. Am 4. Februar 2012 bietet sich allen
in der Arena Hohenlohe eine neue Gelegenheit zum Kauf, die sich niemand
entgehen lassen darf, der Wert auf gute Zuchtbullen zu vernünftigen Preisen
legt.
Bericht: Dr. Thomas A. Schmidt;
Fotos: Dieter Kraft, Sarah Melzian