Zum zweiten Mal
nach Februar 2008 wurden am 6. und 7. Februar 2009 die Süddeutschen
Fleischrindertage in Ilshofen abgehalten. Die diesjährige
Gemeinschaftsveranstaltung von Rinderunion Baden Württemberg e.V. (RBW) und
Fleischrinderverband Bayern e.V. (FVB) kann als sehr gelungen bezeichnet
werden.Interessante
Kollektionen von Verkaufs- und Schautieren wurden einem breiten fachkundigen
Publikum geboten, das auch aus den Nachbarländern Luxemburg, Frankreich,
Schweiz, Österreich und der Tschechischen Republik angereist war. Gekrönt
wurde dies am Samstag durch eine überzeugende Auktion in der mit mehreren
hundert Besuchern gut gefüllten neuen Arena. Das Beste aus rund 140.000
Mutterkühen Süddeutschlands wurde angeboten. Aufgetrieben wurden insgesamt
128 Tiere, wovon 98 Bullen und Rinder zum Verkauf standen. Bereits bei der
Körung der Bullen am Freitag wurde deutlich, dass in diesem Jahr die Zahl
der Tiere etwas geringer sei, jedoch bei weiter verbesserter Qualität. Es
hat sich bezahlt gemacht, dass alle verkaufsfähigen Tiere vorab besichtigt
und speziell für diesen Markt selektiert wurden.
Bei Angus wurde in sechs
Alterklassen gekört, wobei in mancher Klasse die Qualität sich so ausgewogen
darstellte, dass es der Körkommission nicht immer leicht fiel, das Beste vom
Besten auszuwählen. Insgesamt wurden die typstarken Tiere nach vorne
gestellt, die aufgrund ihres einwandfreien Skeletts bei passendem Rahmen
eine problemlose Produktion bester Angus-Nachzucht erwarten lassen.
Körsieger wurde der schwarze Bulle Nr.
25 von Helmut Sichart, Neuendettelsau, mit einer hervorragenden Bewertung
von 8 im Typ, 9 in der Bemuskelung und 8 im Skelett, bei über 1400 g
Tageszunahme und einem RZF von 112. Dieser extrem ausgeglichene Bulle ohne
Schwächen, mit sehr guter Bemuskelung ohne Doppellendergen, stammt selbst
aus einem mit 9 8 9 bewertetem Vater. Reservesieger der Rasse Angus wurde
die Nr. 35, mit 8 8 8 ebenfalls extrem gut bewertet, aus dem Zuchtbetrieb
Kircher, Kupferzell-Beltersrot. Der typstarke und fehlerlose Bulle namens
Gunnar stammt aus Soraya, einer Kuh, die selbst ein Vorbild an Dauerleistung
ist: 12 Kälber aus 12 Geburten, bei einer Zwischenkalbezeit von 383 Tagen!
Diese Eigenschaften braucht jede Fleischrinderrasse, hierfür ist Angus
bekannt, das muss erhalten bleiben!

Der Reservesieger von
Christine Kircher brachte Tageshöchstpreis von 3400,-- Euro
Die aufgetriebenen 15 Charolais
Bullen wurden in zwei Altersklassen gekört. Sieger und Reservesieger weisen
Tageszunahmen von über 1500 g auf, bei RZF-Werten von 113 und 106. Die sehr
gut entwickelten Bullen, beide aus dem bekannten Zuchtbetrieb
Allmannsberger, Fürstenzell, wurden mit 9-8-8 und 8-9-7 gekört, beide haben
rein französische Pedigrees.

Ananas - ein Hingucker
vom Betrieb Allmannsberger
In drei Altersklassen wurden die
insgesamt 26 aufgetriebenen Limousin Bullen gekört: an der Spitze der
durchweg hervorragenden Qualität an Jungbullen der Sieger aus dem Betrieb
Frank und Hörber GbR, Schillingsfürst, sowie der Reservesieger von Gerd
Böttinger, Gechingen. 8-9-8 und 8-8-8 bewertete die Körkommission deren
überlegenes Exterieur, Tageszunahmen von 1445 und 1333 g bei RZF-Werten von
111 und 112 bescheinigen ihnen beste Fleischleistung.
Daneben wurden auch
zwei Fleckviehbullen der Zuchtrichtung Fleisch sowie je ein Bulle der Rassen
Pinzgauer und Zwergzebu gekört.
Am Abend wurde den anwesenden Züchtern
ein sehenswertes Rahmenprogramm geboten: zunächst je eine Schaugruppe
Altbullen der Rassen Angus, Limousin und Zwergzebu. Die kleinen,
genügsamen Zwergzebus haben insbesondere in Deutschlands Südwesten in den
vergangenen Jahren als Kleinrind für extensive Standorte stark an Bedeutung
gewonnen. Mr. Exotic aus dem Betrieb Benjamin Junck, Jungingen, siegte bei
Angus vor Casablanca von Hannes Fellmann, Löwenstein.

Schausieger Mr. Exotic
von Benjamin Junck
Bei Limousin war der aus
Frankreich frisch importierte, erst gut zweijährige Bazin von Wendelin
Schlewek, Deggenhausertal, unschlagbar, vor Unique vom Zuchtbetrieb Helmut
und Martin Weber GbR, Adelmannsfelden.

Bazin - Siegerbulle vom
Betrieb Schlewek

Unique - Reservesieger
der Schau von der Weber GbR
Der frisch gekörte Benjamin von Reiner
Lämmle, Berglen, siegte bei den Zwergzebus vor Juwel von Günter Frank
aus Beilstein.

Benjamin, der Schausieger
Zwergzebu von Reiner Lämmle
Anschließend wurden durch ausgewählte
Repräsentanten die Stärken der Rassen Blonde d’Aquitaine, Charolais,
Fleckvieh Fleisch, Pinzgauer, sowie Galloway, Highland und Welsh Black
demonstriert.

Ein "Wolf" im
Galloway-Pelz von Karl Ederle, Rauberhof
Das Richten der Schaukonkurrenz
übernahm souverän als Preisrichter DI Franz Pirker, Geschäftsführer der ARGE
Fleischrinder der Rinderzucht Steiermark, dem hierfür unser herzlicher Dank
gebührt. Noch lange danach „tagten“ die Züchter in der gastfreundlichen
Arena und genossen diese Gelegenheit zum Gedankenaustausch in geselliger
Runde Gleichgesinnter. Gerade das gehört auch zu einem gelungenen
Züchterabend.

Am Samstagmorgen durften als Erstes
die Jungzüchter ihre „Lieblinge“ präsentieren, vor den wohlwollenden
Richteraugen von Franz Pirker. Christoph Albert (22) siegte bei den
„Senioren“ vor Martin Allmannsberger (16). Als „Junior“-Jungzüchter waren
Michael Unseld (14) vor Johannes Büttner (14) nicht zu schlagen. Schön, dass
insgesamt 19 Nachwuchszüchter im Alter von 11 bis 22 Jahren sich dieser
Konkurrenz stellten, von Zwergzebus bis Angus-Altbullen war dabei fast alles
vertreten. Kompliment für so viel Engagement !


Nach dem Schaulaufen der Sieger der
Altbullen und der Körsieger startete pünktlich der Höhepunkt: die
Versteigerung der hochwertigen Verkaufskollektion von 83 Bullen und 15
Zuchtrindern.

Viel Interesse bestand an
Limousin
Die aktuell eher gedämpften
Erwartungen wurden dabei übertroffen: 32 der 39 Angusbullen wechselten den
Besitzer, im Mittel für akzeptable 2153 €. Der tadellose Reservesieger aus
dem Betrieb Kircher war dabei mit 3400 € der teuerste Bulle des Tages. 10
der 11 Angusrinder wurden zugeschlagen, im Mittel für 1225 €, was in
Anbetracht der zum Teil sehr jungen Tiere ab neun Monaten recht ordentlich
ist.

Angus lief recht flott

Solch schönes
Angusjungrind von Manfred Gaugel brachte 1.150,-- Euro
Verhalten lief es bei Charolais, wo
letztlich 9 der 15 Bullen für im Mittel knapp 2400 € (max. 3200 €) verkauft
werden konnten. Drei weitere hervorragende Bullen, darunter die beiden
Sieger, wurden zu Preisen von 2500 bis 2900 € zugeschlagen aber leider nicht
abgegeben. Die drei Rinder fanden keine Interessenten.
Beide Fleckviehbullen wurden für je
2000 € verkauft, das Rind leider nicht. Der bestechend schöne Pinzgauer
Bulle, mit 8-8-8 gekört und mit extrem hohen Tageszunahmen von über 1400 g
glänzend, fand ebenfalls keinen Interessenten.
Dagegen konnten die
aufgetriebenen 26 Limousin Bullen den Bedarf kaum decken, alle wurden zügig
verkauft. Der mittlere Preis von 2331 € (max. 3000 €) zeugt vom
Käuferinteresse.
Insgesamt hat Ilshofen als Standort
wieder überzeugt, das wachsende Interesse auch von weiter her zeigte sich an
den Verkäufen in die Schweiz, nach Österreich und Luxemburg, neben
Norddeutschland und natürlich Deutschlands Süden selbst. Wer im Frühjahr
gute Fleischrinder sucht kommt an Ilshofen kaum noch vorbei. Auf
Wiedersehen in Ilshofen am 5. und 6. Februar 2010 !
Dr. Thomas
A. Schmidt (Zuchtleiter Fleischrinderzucht), Fotos: Dieter
Kraft, Siegfried Melzian