Die Süddeutschen Fleischrindertage sind nunmehr seit 2008 das Verkaufsevent
der Fleischrinderzucht in Süddeutschland. Als Gemeinschaftsveranstaltung der
Rinderunion Baden-Württemberg und des Fleischrinderverbandes Bayern sind wir
in der Lage, aus dem Fundus von mehr als 8.000 Herdbuchkühen ein
hervorragendes Kontingent an Zuchttieren anzubieten. Nach zwei erfolgreichen
Märkten in der Arena Hohenlohe in Ilshofen war dieses Jahr das fast
benachbarte Ansbach auf bayerischer Seite erstmals gemeinsamer
Austragungsort.
Zahlreiche Gäste aus dem gesamten
Bundesgebiet und den Nachbarländern konnten wieder begrüßt werden: Schweiz,
Österreich, Luxemburg und Tschechien waren vertreten.
Insgesamt war der
Auftrieb mehr als zufriedenstellend: jeweils 31 Auktionsbullen der Rassen
Angus und Limousin wurden angeliefert und erfolgreich aufgestallt, dazu 19
Charolais Bullen und 3 genetisch hornlose Fleckvieh-Bullen. An
Verkaufstieren wurden zusätzlich auch 12 Angus-Rinder aufgetrieben, von
deckfähig bis sicher tragend. Dazu noch rund 20 Schautiere, einschließlich
zwei Pinzgauer Bullen.
Jungzüchter und Schau
Der Freitagabend
stand im Zeichen der Schautiere. Als Preisrichter konnte der bekannte
Anguszüchter Werner Schmid aus Detlingen in der Schweiz gewonnen werden.
Über alle Rassen hinweg richtete er sicher und nachvollziehbar, wobei er es
sich nicht nehmen ließ, zwischendurch Spannung aufzubauen und das Publikum
mitfiebern zu lassen.
Den Anfang machte
Charolais mit drei erst rund 2½ -jährigen Bullen: Commandeur von
Siegfried Schneiderbauer aus Roßbach, Hektor von Silvia Grauf aus
Feuchtwangen und Hudson von Albert Randlkofer aus Attenhofen, wobei Hektor
und Hudson genetisch hornlos sind. Werner Schmid entschied sich für den
Bullen Commandeur, der sich am komplettesten präsentierte.
Beim Fleckvieh
ging der Sieg an den mit gut drei Jahren ältesten der Konkurrenz, Benzaldik
von Erwin Obermayr aus Scheyern. Der Reservesieg ging an Promi von
Hans-Jochen Burkhardt aus Würzbach. Die Sieger zeigten sich als harmonische,
gut bemuskelte, genetisch hornlose Stiere.
Lediglich zwei
Limousin Bullen, beide in Frankreich gezogen, stellten sich der
Konkurrenz der älteren. Dabei siegte der bereits 3-jährige, elegante und
voll entwickelte Christobal aus dem Betrieb Weber GbR, Adelmannsfelden, vor
dem ein Jahr jüngeren, noch nicht voll ausgereiften, aber harmonischen und
gut bemuskelten Dahomey von Bernd Heinzmann, Engstingen.
Der
stärkste Schaublock war Angus vorbehalten. Die unterschiedlichen
Typen machten es Werner Schmid nicht leicht, letztlich entschied er sich für
den Aberdeen Angus Bullen Dynasty vom Vornagelhof des Benjamin Junck aus
Jungingen, da er durch seine enorme Entwicklung, Körpertiefe und Bemuskelung
überzeugte. Der Reservesieg ging an den roten Hieronimus-Sohn Henrik.win von
Rainer Bauereiß aus Colmberg.Bei den Jungrindern entschied der Preisrichter
sich für die Katalog Nr 127 VG Bochica vom Vornagelhof als bestes Rind.

Dynasty von Benjamin Junck, Vornagelhof
Samstagvormittag
eröffneten die Jungzüchter mit ihrem Vorführwettbewerb die
Veranstaltung. 11 Jungzüchter aus Bayern und Baden-Württemberg stellten sich
in zwei Altersgruppen dem Wettbewerb. Werner Schmid übernahm auch hier sehr
fachkundig das Richten. In der Gruppe der jüngeren Teilnehmer konnte sich
der 14jährige Paul Winhart, Herrieden, mit seinem Angusbullen gegenüber vier
weiteren Mitstreitern durchsetzen. Die Gruppe der älteren Teilnehmer wurde
eindeutig durch die sehr professionelle Vorführleistung des 17-jährigen
Tobias Bauereiß dominiert. Er hatte seinen Angusbullen ständig gut im Griff
und präsentierte das Tier im Ring sehr gekonnt und hatte dabei immer auch
ein Auge auf dem Preisrichter. Mit solchen jungen Leuten muss uns um die
Zukunft der Fleischrinderzucht nicht bange sein.

Körung und
Auktion
Die gute Qualität
der Angus Tiere zog sich durch alle fünf
Altersklassen und überzeugte auch die Körkommission. An die Spitze stellte
diese die Katalog-Nr. 12, Neil D 558, einen schwarzen Nemo-Sohn vom Betrieb
Bernhard Delle, Gundelfingen. Mit den Körnoten Typ 8, Bemuskelung 9 und
Skelett 8 würdigte die Kommission besonders die exzellente Fleischfülle
dieses Ausnahmestiers. Auch der Preis war Spitze, der Hammer fiel erst bei
einem Gebot von 4.600 €, was gleichzeitig auch der Tageshöchstpreis aller
Verkaufstiere aller Rassen war. Er geht zu den Mariaberger Heimen und wird
somit der Herdbuchzucht in Süddeutschland erhalten bleiben. An zweiter
Stelle stand eines der jüngsten Tiere, ein roter Plattner-Sohn von Peter
Schumacher, Heidelberg. Mit knapp 13 Monaten zeigte der Bulle bereits sehr
viel Ausstrahlung und Fleischfülle. Für 2.300 € wechselte er den Besitzer.
Insgesamt wurden 25 Bullen zu einem Durchschnittspreis von 2.074 € verkauft,
aber leider nur 5 Rinder zu einem mittleren Preis von lediglich 1.095 €.
Rinder waren wohl heuer nicht so gefragt wie in 2009.

Reserve Körsieger Angus von Peter
Schumacher, Bierhelderhof
Auch wenn die
Qualität über alle 19 Charolais Bullen hinweg ein wenig streute, so
war doch auch für höchste Ansprüche das richtige dabei. Körsieger wurde
Vlatimir (Nr. 44), ein schon weit entwickelter Vagabond Sohn von Silvia
Grauf, aus Feuchtwangen. Ein wahres Fleischpaket, trotzdem auch mit sehr
viel Harmonie, bei dem alleine schon die Zahlen beeindrucken:
365-Tage-Zunahme von fast 1700 g, 1612 g Tageszunahme zur Auktion, Körnoten
von 8-9-7. Neben dessen 903 kg wirkte der noch sehr junge, gerade 11 Monate
alte Reservesieger Artiste (Nr. 61) aus Attila und einer Fricfrac Tochter
natürlich noch etwas unfertig, trotz seiner ebenfalls fast 1600 g in der
Tageszunahme und 510 kg Lebendgewicht. Dieser reine Franzose aus dem Betrieb
Hölzlberger, Vilshofen, überzeugte die Kommission durch sehr viel Typ und
Fleischansatzvermögen, bei korrektem Skelett. Er wurde mit 8-8-8 bewertet
und lässt für die Zukunft viel erwarten. Beide Bullen wurden für je 2.300 €
verkauft, recht wenig für solche Qualität. Insgesamt wurden 11 der 19 Bullen
verkauft, zu einem mittleren Preis von leider nur 2.027 €. Den Spitzenpreis
erzielte ein Norbard Sohn aus dem Betrieb Allmannsberger, Fürstenzell, mit
2.600 €. Dieser ebenfalls sehr gut bemuskelte Bulle war mit 7-8-6 gekört und
1b prämiert.
Beim Fleckvieh,
Zuchtrichtung Fleisch, stand an der Spitze ein Herrscher Sohn von Robert
Deibel aus Feuchtwangen. Der mittelrahmige Bulle überzeugte mit seiner
überragenden Bemuskelung, wofür er die Note 9 erhielt. Im Typ wurde er mit
8, im Skelett mit 7 bewertet. Dahinter stand ein Pauli Sohn vom Betrieb
Jürgen Zill, Dietenhofen. Beide Tiere wurden für je 2.300 € verkauft.
Bei Limousin waren die Erwartungen
an die Körnoten und letztlich auch an den Verkauf sicherlich recht hoch,
beim Blick auf die insgesamt sehr gute Qualität der 31 Bullen. Am Körsieg
der Nr. 78, einem Mozart-Sohn aus einer Stari Tochter aus dem Betrieb Weber
GbR, Adelmannsfelden, bestand kein Zweifel: er überstrahlte die sehr gute
Konkurrenz durch seine perfekte Harmonie bei ausgezeichneter, gleichmäßig
guter Bemuskelung und fehlerfreiem Skelett. Mit den Körnoten 9-9-8 bedacht
und mit einer Tageszunahme auf der Auktion von 1359 g passten letztlich auch
die Zahlen. Für 3.200 € konnte ihn der Käufer mitnehmen, teuerster Limousin
Bulle des Tages. Den zweithöchsten Preis erzielte der Reservesieger (Nr.
91), ein harmonischer Bulle, gut bemuskelt und eher im frühreiferen Typ, mit
den Körnoten 8-8-8 von Hans Fehn aus Steinbach. Dieser Neuf Sohn aus einer
Negresco Tochter erzielte 3.000 €. Insgesamt wurde der Markt der Qualität
der Bullen nicht ganz gerecht, am Ende konnten 23 Bullen verkauft werden, zu
einem mittleren Preis von 2.300 €. Mehrere Bullen wurden wegen
unbefriedigender Preise nicht abgegeben.

Körsieger Limousin der Weber GbR aus Adelmannsfelden
Insgesamt war Ansbach eine gelungene
Veranstaltung in schwierigen Zeiten. Aber in einem Punkt wissen wir schon
genau, was die Zukunft bringt: wir freuen uns auf ein Wiedersehen zu den
Süddeutschen Fleischrindertagen am 4. und 5. Februar 2011 in der Arena
Hohenlohe in Ilshofen.
Dr. Thomas
A. Schmidt (Zuchtleiter Fleischrinderzucht)