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Zuchtwert Rahmen gleich 100 -

große oder kleine Kühe ?

Im Herbst 1997 hat die Fleckviehzucht begonnen, die Töchter der Testbullen nach einem neuen, streng linearen Beschreibungssystem zu beschreiben. Bei den geprüften Vererbern werden seit Mai 1998 für das Merkmal Rahmen Relativzahlen und Zuchtwerte nebeneinander veröffentlicht. Die bis dahin verwendeten Relativzahlen für den Rahmen waren an festen Vergleichszahlen als Basis ausgerichtet. Für Bullen des Jahrgangs 1986, hierzu zählen z.B. Horramor, Morwel und Zeukar wurde der Vergleichswert 5,7 gleich 100 gesetzt. Für Bullen des Jahrganges 1989, z.B. Rexon und Rennmer war der Vergleichswert 5,9. Hexorr und Stromado als Vertreter des Jahrgangs 1991 wurden am Vergleichswert 6,3, Lotarry als 1992 geborener Bulle am Vergleichswert 6,5 gemessen. Für den Praktiker brachte dies das Problem mit sich, daß in einer Bullenempfehlung die für die vorgenannten Bullen angegeben Relativzahlen für den Rahmen eigentlich gar nicht alle miteinander vergleichbar waren.
Durch die Einführung der Zuchtwertschätzung Rahmen wurde dann noch eine weitere Zahl für den Rahmen, nämlich der Zuchtwert, hinzugefügt. Basis für diesen Zuchtwert ist kein fixes, am Zuchtziel orientiertes Maß, sondern der gleitende Mittelwert der bewerteten Jungkühe. Dies brachte nochmals eine kräftige Erhöhung der Basis und damit eine deutliche Verkleinerung der Zuchtwerte für den Rahmen im Vergleich zu den Relativzahlen mit sich. Bei einfacher Betrachtung drängte sich der Eindruck auf, es gäbe bei den jungen Bullen der Jahrgänge 1993 und 1994 nur noch mittel- bis knapprahmig vererbende Bullen. In der Bullenempfehlung des BVS wurden deshalb die durchschnittliche Widerristhöhe und Kreuzbeinhöhe sowie der durchschnittliche Brustumfang auch veröffentlicht, um dem Praktiker zumindest die Chance zu geben, diese unterschiedlichen Zahlen für den Rahmen einigermaßen einordnen zu können. In vielen Gesprächen im letzten Jahr wurde allerdings deutlich, daß auf diesem Gebiet nach wie vor viel Verwirrung herrscht..
Tabelle 1: Relativzahlen und Zuchtwerte im Vergleich
Bulle Jg. R (RZ) R (ZW)
Morwel 1986 120 96
Zeukar 1986 123 108
Horramor 1986 128 110
Rexon 1989 104 94
Rennmer 1989 113 108
Stromado 1991 103 97
Hexorr 1991 110 105
Lotarry 1992 99 96
Tabelle 1 zeigt deshalb die aktuellen Zuchtwerte für das Merkmal Rahmen einiger älterer, bekannter Bullen im Vergleich zu deren bisher veröffentlichten Relativzahlen. Unterschiede zwischen Relativzahlen und Zuchtwerten ergeben sich allerdings nicht nur aus Basisunterschieden. Für die Errechnung der Relativzahlen wurde seither der Rahmen des Einzeltieres vom Bewerter, orientiert am Zuchtziel beurteilt. Für die Schätzung der Zuchtwerte wird der Rahmen am Einzeltier nicht mehr vom Bewerter beurteilt, sondern aus den Körpermaßen Kreuzbeinhöhe, Beckenlänge, Hüftbreite und Rumpftiefe errechnet. Dabei wird die Kreuzbeinhöhe dreifach und die Beckenlänge, Hüftbreite und Rumpftiefe je einfach gewichtet. Folglich hat also die Größe der Jungkühe dasselbe Gewicht wie Länge, Breite und Tiefe zusammen. Die früher vom Bewerter vergebene Rahmennote war mit 80 bis 90 % allerdings noch deutlich stärker an der Größe orientiert. Die Tiermodell-Zuchtwertschätzung berücksichtigt außerdem die Einflüsse des Bewerters, das Erstkalbealter sowie das Anpaarungsniveau. Dies erklärt bei Bullen desselben Jahrganges die sehr stark unterschiedliche Differenz zwischen Relativzahl und Zuchtwert.
Tabelle 2: Einfluß der Einzelmerkmale
Bulle Bew.- KH

Zuchtwert

  alter  

Rahmen

Größe

Länge

Breite

Tiefe

Morror

31,7

140,9

99

103

86

96

96

Morwam

32,3

140,3

104

106

112

100

107

Streinita

31,4

140,5

118

109

111

125

127

Weinharry

31,0

140,0

107

107

120

101

115

Tabelle 2 zeigt für einige ausgewählte Bullen, wie die vorgenannten Effekte bei nahezu gleich groß gemessenen Töchtern zu stark unterschiedlichen Rahmen-Zuchtwerten führen.

Der Zuchtwert für den Rahmen ist also inzwischen nicht mehr ein fast ausschließlich von der Größe geprägter Wert, sondern tatsächlich ein Maß für Größe, Länge, Breite und Tiefe der Töchter eines Testbullen. Aus dieser Tabelle nicht ersichtlich, jedoch auch sehr interessant ist dabei, daß insbesondere bei den Merkmalen Länge, Breite und Tiefe durch die Standardisierung der Zuchtwerte auf 12 Punkte relativ geringe Unterschiede im gemessenen, arithmetischen Mittel zu stark unterschiedlichen Zuchtwerten führen. Die Zuchtwerte vermitteln so viel größere Unterschiede zwischen den Bullen als dies die absoluten Maße erwarten lassen. Die direkte Übernahme der Maße ohne Ausrichtung am Zuchtziel der Rasse bringt es darüber hinaus mit sich, daß sich die Großzahl der Vererber bei Zuchtwerten zwischen 95 und 105 bewegt, obwohl ihre Töchter schon im Zuchtziel liegen, oder diesem doch schon sehr nahe sind. Für die Lösung dieses Dilemmas sind zwei Wege denkbar. Entweder muß als Vergleichswert wieder eine fixe am Zuchtziel orientierte Basis eingeführt werden, oder in den Exterieur-Diagrammen muß, wie bei anderen Merkmalen auch, für den Rahmen ein erwünschter Bereich gekennzeichnet werden. Unsere jetzige Darstellung, direkter Vergleich unterschiedlicher Relativzahlen und Zuchtwerte sowie gleitendes Mittel als Basis der Zuchtwerte, vermittelt in der Praxis den Eindruck als ob es beim Rahmen deutlich rückwärts ginge, obwohl die gemessenen Maße genau das Gegenteil belegen.

Dr. Joachim Kieninger

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