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Drei erfreuliche Umstände führten zur Entstehung Morrors

siehe auch --> die Familie von Morror (Download-Text)

Der Züchterbetrieb von MORROR liegt in Hödingen über dem Bodensee, einem Stadtteil von Überlingen. Hödingen ist ein sonniger Ort auf dem Hochplateau über dem Bodensee, ein Ort, in dem Obstbau und Sonderkulturen gedeihen. Unterhalb von Hödingen liegen Weinberge. Aus der Gemarkung hat man einen wunderschönen Überblick über den Überlinger See und den Bodanrück. Am östlichen Ortsausgang liegt der Auerhof der Familie Suhm. Zusammen mit der barocken Kirche bildet er ein behäbiges Ensemble oberhalb der Ortsmitte. Vor vier Generationen hat die Familie Auer den Hof 1886 neu aufgebaut. Großvater Suhm heiratete in die Familie ein. Dieser begann auch nach dem zweiten Weltkrieg 1949 mit der Zucht von Fleckvieh. Der Betrieb hielt damals 10 Kühe und Nachzucht und für die Zugarbeit 2 Pferdegespanne. Mit 2 Rappstuten des schweren Badischen Warmblutes wurde auch gezüchtet. Vater Berthold führte diese Rinderzucht weiter bis zum heutigen Erfolg und übergab nun den Hof an Sohn Hubert Suhm. In die Zuchtarbeit allerdings ist Berthold Suhm nach wie vor fest eingebunden.

Für eine Ortslage ist der Hof sehr großräumig angelegt. Rechtwinklig zu Wohnhaus und Stall steht die 1932 nach einem Brand neu errichtete große Scheune mit Jungvieh- und Schweinestall, daneben schließen sich Maschinenschuppen und das ehemalige Gesindehaus an, und die vierte Seite des Hofes wird durch das Leibgeding von Berthold Suhm geschlossen. Heute bedauert Berthold Suhm den Bau der Maschinenhalle und der Silos von 1970. "Leider habe ich damals die Entwicklung falsch eingeschätzt und den Hofplatz verbaut", denn hinter den Silos und hinter der Scheune liegt keine Eigenfläche mehr, sodass die Planung eines Boxenlaufstalles oder anderer sinnvoller Stallerweiterungen in der Ortslage noch zu keinem Ergebnis geführt haben. Im Aussenbereich könnte neu gebaut werden. Aber durch den Neubau der Bundesstraße 31 und die damit verbundene Flurbereinigung ruhen auch dort alle Überlegungen.

Der Zuchtbetrieb Suhm ist ein vielseitiger Betrieb. Die Viehhaltung umfasst 45 Tiere, davon 18 bis 20 Kühe, die in einem Anbindestall mit Kurzstand und Grabener Kette gehalten werden. Alle Kälber werden großgezogen, wobei züchterisch interessante Bullenkälber zur Bullenprüfstation der Zuchteinheit Süd gegeben werden. Alle Rinder werden ganzjährig im Stall gehalten; nur einige weibliche Jungrinder werden über den Sommer auf abgelegenen Flächen ganztags geweidet. Alle Mastbullen werden über ein örtlichen Metzger vermarktet. Und dieser Metzger ist der Schwiegersohn von Berthold Suhm. Da dieser gute Absatzweg gegeben ist, werden auch auf 60 Mastplätzen ca. 200 Mastschweine im Jahr erzeugt und auch diesem Metzger verkauft. Die Mastschweinehaltung ergänzt den intensiven Getreidebau, der durch die Saatgutvermehrung (15 ha) bestimmt ist. In der Fruchtfolge werden außerdem 5 ha Zuckerrüben angebaut. Schließlich werden noch 5 ha Obstanlagen mit Apfelbau bewirtschaftet (Qualitätsobst vom Bodensee). Dazu gehört auch ein Abfindungsbrennrecht mit einer Hofbrennerei. Zu den Betriebsflächen gehören 17 ha Grünland, davon ein hoher Anteil an Moorwiesen. Da ganz Hödingen im Wasserschutzgebiet liegt, dürfen keine Grünflächen umgebrochen werden. Deshalb ist die Rindviehhaltung ein notwendiger Betriebszweig. Das Wasserschutzgebiet wird bedingt durch den Abfluß des Hödinger Tobels und des Goldbaches in der Nähe der Bodenseewasserversorgung bei Sipplingen. "Mann kann damit leben", sagt Berthold Suhm.

Es ist im Verhältnis ein großer Hof, den Berthold Suhm (69) aufgebaut hat und nun an seinen Sohn Hubert (36) übergeben hat: 40 ha Eigenfläche, davon 25 ha an einem Stück, und 20 ha Pachtflächen. Die Anbauverhältnisse sind im Kasten genau wiedergegeben. Berthold Suhm besuchte nach der Lehre die Landwirtschaftsschule (Winterschule) und legte 1959 die Meisterprüfung ab. Sein Sohn Hubert Suhm tat es ihm gleich und wurde nach der Lehre und Landwirtschaftsschule 1987 Meister. Beide gehören zur örtlichen Heuerwehr in Hödingen, Hubert Suhm als Aktiver. Berthold Suhm und seine Frau Maria haben 3 Kinder, Hubert und zwei Töchter. Wie oben schon erwähnt, ist eine Tochter mit dem örtlichen Metzger verheiratet. Deren Tochter Katja ist begeistert von Tieren und, sooft es geht, auf dem Auerhof. Auch als ich den Hof für diese Reportage besuchte, war Katja anwesend. Dafür hatte Hubert Suhm leider keine Zeit frei, da er neben dem intensiven Betrieb sich auch für den Berufsstand engagiert und gerade in der Prüfungskommission bei der Gehilfenprüfung des Bodenseekreises tätig war. Seine Frau Anja war anwesend, überließ aber gerne die züchterischen Auskünfte ihrem Schwiegervater. Anja Suhm war vor ihrer Heirat Postbeamtin, heute ist sie begeisterte Bäuerin und seit 11 Monaten noch mehr begeisterte Mutter. Und den Auerhof schmückt und verschönt sie, wo es geht, mit Blumen.

Und nun zum Kuhstall: Die "alte" Kuhfamilie von Suhms ist die M-Linie. Sie ist aber heute nur noch mit 2 Kühen vertreten. Auch die anderen zwischenzeitlich entstandenen drei Linien sind nur jeweils mit ein bis zwei Kühen im Bestand vertreten, 10 Kühe gehören zur B-Linie, die durch einen glücklichen Umstand in den Betrieb kam. 1986 wollte Berthold Suhm auf dem Donaueschinger Fleckviehmarkt eine Kalbin aus dem vorderen Teil des Angebotes kaufen, kam aber nicht zum Zuge. Auf dem Markt traf er den ehemaligen Zuchbuchführer Stotz von Radolfzell. Dieser beruhigte ihn und meinte, im zweiten Teil des Angebotes wären auch noch interessante Kalbinnen, die vielleicht nicht so auffällig, aber von bester Abstammung seinen, er kenne deren Kuhfamilien gut. Auf sein Anraten hin kaufte Berthold Suhm BELLA als Kalbin aus der Zucht von .Arthur Jäckle aus Hilzingen-Schlatt am Randen. Diese Horaz-Tochter wurde nun eine echte Stammmutter. Sie kalbte 9 mal ab, einmal davon Zwillinge. Ihre letzte Bewertung bei der Bezirksrindviehschau 1992 war 8 9 7 8. Ihre Lebensleistung schloß sie mit einer Zwischenkalbezeit von 361 Tage ab. Noch aktuell steht ihre Zuchtwertschätzung auf Milchwert 126. Von ihren 10 Kälbern waren 7 Kuhkälber, die aufgezogen wurden und später mit "klasse" Einsatzleistungen glänzten. 6 davon erhielten das Eliteprädikat "Bullenmutter". Darunter natürlich auch das 1. Kuhkalb, BEATE von Horror. Ihr allerdings verweigerte man dieses Prädikat bis zum 8 Lebensjahr, weil die Melkbarkeitsprüfung nicht die 2,0 kg pro Minute erreicht hatte. Als aber 1996 fünf Töchter der BELLA, einschließlich BEATE bei der Kuhfamilienprämiierung vorgestellt worden waren, akzeptierte die inzwischen neue Zuchtleitung diesen kleinen Mangel im Verhältnis zur Qualität der Gesamtkuh und der gesamten Kuhfamilie.

Inzwischen war aber im September 1993 Morror von Morwell aus der Beate schon geboren. Wie alle Bullenkälber aus Normalgeburten bezog er als Mastkalb den Aufzucht- und später den Maststall und nicht die Bullenprüfstation. Denn die Mutter war ja noch nicht Bullenmutter. Der schon erwähnte ehemalige Herdbuchführer Stotz von Radolfzell besuchte im Spätjahr 1994 wieder einmal Berthold Suhm. Sie waren zusammen in die Winterschule gegangen und seitdem befreundet. Bei der Besichtigung der Mastbullen fiel ihm der Morwel-Sohn auf, und er empfahl Berthold Suhm, diesen Bullen doch auf der Körung vorzustellen. So wurde der Bulle zwei Wochen vor dem Novembermarkt aus der Mastgruppe herausgenommen und zum Markt vorbereitet. Bei der Körung in Donaueschingen fiel der Bulle durch die Korrektheit und Harmonie auf. Allerdings merkte man ihm nach der Vorbereitung von nur zwei Wochen noch die harte Aufzucht an, weshalb Berthold Suhm darauf angesprochen wurde. Er erläuterte den Lebensweg dieses Bullen und bemerkte darauf heftige Diskussionen in der Körkommission. Erst dachte er, seine Offenheit würde dem Bullen zum Nachteil gereichen, merkte aber dann, dass gerade diese "Normalaufzucht" von einem Beteiligten als besonderes Qualitätsmerkmal für diesen guten Bullen bewertet wurde. Letztendlich akzeptierte die Körkommission auf Betreiben von Dr. Franz Maus auch den kleinen Mangel der zu niedrigen Melkbarkeitsprüfung der Mutter. Und so sah sich Berthold Suhm unvermittelt als Verkäufer eines "Testbullen" an den Besamungsverein Baden-Württemberg Süd, Herbertingen. Soweit die "Entwicklungsgeschichte des Spitzenbullen MORROR". Dazu passt das Zitat des preußischen Oberlandstallmeisters Georg Graf von Lehndorff: "Wer nicht mit Fehlern zu züchten weiß, der sollte es lieber ganz lassen".

Die Kuhfamilie der Bella, die Verwandtschaft der Beate, ist im besonderen Kasten dargestellt. Mittlerweile sind aus ihr ausser Morror schon weitere 4 Testbullen hervorgegangen. 2 Jungbullen auf der BPS und einer zu Hause sehen in Aufzucht und lassen weitere Zuchterfolge erhoffen. Aber wichtig für den Betrieb sind die vielen guten Kühe, die aus dieser Familie gezüchtet worden sind! Dabei suchten Vater und Sohn Suhm nicht selbst nach extravaganten Bullen, sondern nutzten die Bullen der gezielten Paarung, die in der Zuchteinheit Süd ausgewählt worden sind. Auch am Testprogramm beteiligen sie sich korrekt, denn sie wissen um den Erfolg einer sauberen Bullenprüfung und Zuchtwertschätzung. Die züchterischen Erfolge waren nun maßgebend auch für das Interesse von Hubert Suhm an seiner Rindviehherde, obwohl er ursprünglich lieber Obstbauer gewesen wäre. Es ist ihm zu wünschen, dass er bei den vielseitigen Möglichkeiten seines Betriebes eine Betriebs- und Organisationsform findet, die arbeitswirtschaftlich zu schaffen ist und die der vielseitigen Interessenlage und den Produktionmöglichkeiten gerecht wird.

Anbauverhältnis des Auerhofes
Landwirtschaftliche
Nutzfläche
60 ha

Anmerkungen

davon Eigentum 40 ha davon 25 ha an einem Stück  
und Pacht 20 ha    
Saatgutvermehrung 15 ha Weizen und Sommergerste  
Futtergetreide 10 ha   Pflanzenschutz durch Lohnunternehmer
Silomais 3 ha Eigene Drillmaschine Pflanzenschutz durch Lohnunternehmer
Körnermais 5 ha Eigene Drillmaschine Pflanzenschutz durch Lohnunternehmer
Zuckerrüben 5 ha Eigene Drillmaschine, keine Handhacke durch exaktes Drillen Pflanzenschutz und Ernte durch Lohnunternehmer
Obstbau (Äpfel) 5 ha   Pflanzenschutz wird selbst durchgeführt (Tunnelspritze)
Grünland (Wiese) 17 ha teilweise Moorwiesen einige entfernt liegende Teilstücke als Sommerweide für Rinder
Siloraum (Fahrsilos) 420 m² ca. 50% für Mais zusätzlich Siloballen
Tierbestand des Auerhofes
Rinder 44 Tiere  

davon

19 Kühe  
  14 weibliche Nachzucht  
  11 männliche Nachzucht und Mastbullen derzeit 2 Stromado-Söhne auf der Bullenprüfstation (BPS)
Mastschweine 60 Liegeplätze ca. 200 erzeugte Schweine im Jahr, Zukauf schwerer Ferkel
Hühner für den Hausgebrauch  
Leistungen der Fleckvieh-Herde

MLP-Jahr

Kühe
am
30.9.

ø-
Bestand

davon
ganzjährig
geprüft

Jahresleistung

Abkalbung
%

Herden-
leistung
(kg)

1996

19

20,6

 

6091 - 4,42 - 269 - 3,69 - 225

 

125.484

     

13

6419 - 4,42 - 284 - 3,68 - 236

100

 

1997

20

19,8

 

6397 - 4,24 - 271 - 3,67 - 235

 

126.657

     

15

6409 - 4,29 - 275 - 3,71 - 283

100

 

1998

19

20,4

 

6560 - 4,18 - 274 - 3,55 - 233

 

133.818

     

14

6762 - 4,19 - 283 - 3,56 - 241

107

 

Kraftfutter wird in der eigenen Mischanlage hergestellt aus eigenem Getreide, Sojaschrot und einer Mineralvormischung, das Grundfutter besteht ganzjährig aus Gras- und Maissilage und Heu, in Sommer wird Grünfutter (Gras) dazu gegeben.

LD Wolf Brodauf

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